Corona Deutsche Industrie weniger robust als es scheint

Redakteur: Melanie Krauß

Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnt davor, dass die nach wie vor robuste Industriekonjunktur täuscht. Spätestens im zweiten Quartal würde ein längerer Lockdown große Schäden anrichten.

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Die deutsche Industrie war auf den zweiten Lockdown besser vorbereitet. Dennoch wirkt er sich negativ auf das Wachstum aus.
Die deutsche Industrie war auf den zweiten Lockdown besser vorbereitet. Dennoch wirkt er sich negativ auf das Wachstum aus.
(Bild: ©NDABCREATIVITY - stock.adobe.com)

Die Unternehmen sind auf die aktuelle Situation wohl besser vorbereitet gewesen als während des ersten Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres und können daher weiter produzieren. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung des DIW. Lieferketten scheinen bislang nicht so gravierend gestört und die Exportnachfrage ist nicht eingebrochen.

Dennoch warnt das Institut davor, die Lage zu überschätzen. Amtliche Zahlen zur Industrieproduktion liegen allerdings nur bis November vor, als lediglich der „Lockdown light“ in Kraft war. Bis dahin hatte sich die ausländische Nachfrage günstig entwickelt und auch die Kfz-Produktion, die im vergangenen Jahr besonders getroffen war, wurde ausgeweitet. Vorzieheffekte aufgrund des vorübergehend reduzierten Mehrwertsteuersatzes dürften ebenfalls eine Rolle gespielt haben.

Die anhaltenden Einschränkungen werden nach und nach aber wohl auch die Industrie beeinträchtigen, erklärt Simon Junker, DIW-Experte für die Konjunktur in Deutschland: „Insbesondere in der Automobilindustrie hat sich die Stimmung jüngst merklich eingetrübt.“ Ein längerer Lockdown würde das Wachstum im ersten Quartal weiter belasten, sich vor allem aber auf das zweite Quartal negativ auswirken.

Lässt sich indes das Infektionsgeschehen eindämmen, bestehe die Hoffnung auf eine rasche Erholung, wie sie auch im dritten Quartal des vergangenen Jahres eingesetzt hatte. Die neuerlichen Lockdowns haben jedoch die Substanz vieler Unternehmen weiter verschlechtert, was das Risiko einer Insolvenzwelle – zumindest in den besonders betroffenen Branchen – dem DIW zufolge erhöht.

So sieht es für die gesamte deutsche Wirtschaft aus

Die Corona-Pandemie und die mit ihr verbunden Einschränkungen haben die deutsche Wirtschaft weiter fest im Griff. Nachdem es im Schlussquartal 2020 stagniert haben dürfte, ist für das erste Vierteljahr des laufenden Jahres mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um drei Prozent zu rechnen. „Insbesondere im Dienstleistungsbereich sinkt die Wertschöpfung deutlich und liegt weit unter der des vergangenen Sommers – und selbst damals war das Vor-Corona-Niveau noch ein ganzes Stück entfernt“, sagt Claus Michelsen, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Derzeit gehen wir davon aus, dass der harte Lockdown bis Ende Februar aufrechterhalten und dann allmählich aufgehoben wird – und das ist das optimistische Szenario. Vor der deutschen Wirtschaft liegt also ein langer und steiniger Weg, bevor sie wieder wachsen kann“, so Michelsen.

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