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Energieeffizienz Deutsches Know-how hilft Südafrikas Gießereien

| Autor / Redakteur: Christa Friedl / Stéphane Itasse

Südafrikas Industrie leidet extrem unter Energiemangel. Ein Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung will mit deutscher Energieeffizienztechnik der wichtigen Gießereiindustrie am Kap auf die Beine helfen.

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In Südafrika gehen Schmelzöfen ohne Deckel in Betrieb, der enorme Energieverlust stört bisher niemanden.
In Südafrika gehen Schmelzöfen ohne Deckel in Betrieb, der enorme Energieverlust stört bisher niemanden.
(Bild: Riba)

Wer in diesen Tagen nach Südafrika reist, muss sich auf finstere Stunden einstellen. Lichter und Ampeln in den Städten fallen gern mal aus, berühmte Sehenswürdigkeiten bleiben dunkel und geschlossen, Steckdosen liefern nur zeitweise Saft. Die Erklärung: Südafrika leidet enorm unter Strommangel. Derzeit sind von den 46.000 MW, die der staatliche Energieversorger Eskom in seinen Büchern stehen hat, oft nur 40.000 MW verfügbar. „Um den Zusammenbruch des gesamten Stromnetzes zu vermeiden“, schreibt Eskom auf seinen Webseiten, wird der knappe Strom nach einem internen Load-Shedding-Plan mal hierhin, mal dorthin verteilt.

Eklatanter Strommangel bedroht Existenz der Gießereien

Das ist eine brisante Situation, vor allem für energieintensive Industrien wie die Gießereibranche. „Wenn sich die Sicherheit der Energieversorgung nicht schnell bessert, sind viele Gießereien am Ende“, fürchtet John Davies, Leiter des South Africa Institute of Foundrymen. Und mit den Gießereien kämen auch Teile der wichtigen Abnehmer wie Fahrzeugbau und Minenindustrie ins Trudeln.

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Bei Mangelwirtschaft ist es klug, seine Abhängigkeit vom knappen Angebot zu lockern – und zwar am besten durch moderne Technik, die den Energiebedarf mindert und gleichzeitig Emissionen und Treibhausgase reduziert. Das ist die Idee hinter dem Forschungsprojekt Effsa-Found des Bundesforschungsministeriums, das seit 2013 südafrikanische und deutsche Gießer und Fachleute an einen Tisch bringt.

In Südafrika produzieren derzeit 178 Gießereien mit circa 15.000 Beschäftigten etwa 400.000 t guten Guss, davon 60 % aus Eisen- und 40 % aus Nichteisenwerkstoffen. Für nahezu alle Gießereien in Südafrika gilt: Sie haben nicht nur mit dem Energiemangel zu kämpfen. Sie waren zudem jahrzehntelang politisch und wirtschaftlich isoliert, was 20 Jahre nach Ende der Apartheid immer noch spürbar ist. Neun der Gießereien sind direkt bei Effsa-Found beteiligt. Sie fertigen vor allem Verschleißteile aus hochchromhaltigem, weißem Gusseisen für die Fahrzeug-, die Minen- und die Kraftwerksindustrie und repräsentieren zusammen über die Hälfte des Eisengussmarktes. „In diesen Betrieben loten wir aus, wie deutsche Effizienztechnologie am sinnvollsten eingesetzt werden kann“, formuliert Projektleiter Manuel Bosse vom Düsseldorfer Institut für Gießereitechnik (IfG).

Alte Gießereianlagen und hohe Produktvielfalt treiben die Kosten hoch

Das ist ein ausgesprochen ehrgeiziges Ziel. Denn die Liste der Probleme in südafrikanischen Gießereien ist nahezu beliebig lang: Schmelzöfen, Konverter und Formanlagen sind meist 35 Jahre und älter, Energieverbrauch und Energieverschwendung entsprechend hoch. Viele Betriebe fertigen 100 oder gar 200 verschiedene Produkte, was jegliche Automatisierung erschwert und die Produktionskosten in die Höhe treibt.

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