Zulieferindustrie Deutschlands Schrauben kommen aus NRW

Autor / Redakteur: Stefan Szkudlapski / Frank Fladerer

In Südwestfalen liegt die Hochburg der metallverarbeitenden Schraubenindustrie in Deutschland. Und obwohl diese Zulieferindustrie zu den ältesten gehört, hat sie ihre Wettbewerbsfähigkeit immer wieder unter Beweis gestellt, das zeigt eine aktuelle Studie.

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Ein Großteil der so wichtigen deutschen Zulieferindustrie hat seinen Standort in Nordrhein-Westfalen. So auch die Hersteller von mechanischen Verbindungselementen wie Schrauben, Muttern und Nieten.

Jahrhundertelang wurden Schrauben von Handwerksbetrieben nach Bedarf gefertigt. 1823 begann in Deutschland die industrielle Produktion, für die Altenloh, Brinck & Co. (ABC) in Ennepetal den Anfang machte. Innerhalb weniger Jahrzehnte bildete sich in der Umgebung die Basis der deutschen Schrauben- und Mutternproduktion. Und dieser Cluster besteht immer noch.

Über 75% der rund 160 deutschen Hersteller haben heute in NRW ihren Standort, wobei der Schwerpunkt in Südwestfalen liegt. Obwohl es mittlerweile auch jüngere Unternehmen gibt, sind die Betriebe mit einer über einhundertjährigen Geschichte in dieser Industrie überproportional vertreten.

Ein weiteres Charakteristikum ist die mittelständische Struktur der Branche. Von den deutschen Herstellern, beziehungsweise in Deutschland produzierenden Unternehmensgruppen, beschäftigen 70% der Unternehmen weniger als 100 Mitarbeiter und lediglich rund 20 Betriebe mehr als 200 Mitarbeiter.

Starke Konzentration

Jedoch hat auch hier in den letzten Jahren eine Konzentration stattgefunden. Einige Unternehmen wurden von Wettbewerbern übernommen, andere hingegen aufgrund des zunehmenden Wettbewerbes vom Markt gedrängt. So haben allein in den letzten drei Jahren 22 Unternehmen den Betrieb eingestellt.

Jedoch hat sich mit diesen Veränderungen auch die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller verbessert. Das zeigt sich auch an den steigenden Exporten der Branche. So konnten zwischen 2003 und 2006 die Exportmengen für Nieten um über 6% zulegen und auch die Preise im beobachteten Zeitraum um 5,7% steigen.

Um dieses zu erreichen, konzentrieren sich die deutschen Hersteller seit Jahren auf die Fertigung hochwertiger und hochqualitativer Zeichnungsteile, deren Anteil schon heute über 70% aller Verbindungselemente ausmacht. Die Fahrzeugindustrie und ihre

Systemlieferanten, die ja bekanntlich besondere Anforderungen an ihre Zulieferer stellen, nehmen rund 65% der deutschen Fertigung ab, deren Produktionswert 2004 etwa 2,52 Mrd. Euro betrug. Der Rest verteilt sich auf die Hausgeräte-, Möbel-, Elektro- und Bauindustrie.

Strategien gegen Importdruck

Um dem weiter steigenden Importdruck, insbesondere aus Ostasien, zu entgehen, haben die deutschen Hersteller weitere Strategien entwickelt. So werden den Abnehmern umfangreiche Dienstleistungen, beispielsweise Just-in-time-Lieferungen und Lagerhaltung (Kanban), eigene Verpackungssysteme sowie Anwendungsberatung und Systementwicklungen, angeboten.

Des Weiteren haben die größeren Unternehmen Produktionsstätten im Ausland gegründet. Eigene Verkaufsniederlassungen haben aber auch kleinere Unternehmen im Ausland, und das Handeln mit importierten Waren ist quer durch die Branche zu beobachten. Gerade für die kleineren Unternehmen ist dieses eine Möglichkeit, auch auf dem Markt für DIN-Teile wettbewerbsfähig zu bleiben.

Auch wenn die Hersteller von Schrauben, Muttern und Nieten zum Teil sehr alte Unternehmen sind, die Branche ist gut aufgestellt und wird sich weiterhin dem globalen Wettbewerbsdruck erfolgreich stellen. MM

Dipom-Kaufmann Stefan Szkudlapski ist freiberuflicher Unternehmensberater in 58640 Iserlohn

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