Energietechnik Die Brennstoffzelle – eine unendliche Forschungsgeschichte?
Die Brennstoffzellen-Statistik für Deutschland zeigt, dass noch über 70% der Investitionen in Forschung und Entwicklung gehen. Das ist charakteristisch für eine junge Technik, die aber schon früh mit hohen Erwartungen beladen wurde. Dieses verzerrte Bild wird nun korrigiert.
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Vor rund zehn Jahren boomten Brennstoffzellen – in den Medien. Auf diese publizistischen Erregungskurven baute Dr. Kornelia Konrad von der Eidgenössischen Anstalt für Wasser- und Umweltforschung Eawag bei Zürich ihren Vortrag auf der Fachtagung F-Cell in Stuttgart, der bislang wenig beachtete Aspekte der Innovationsdynamik in den Blick rückte. Wie die Soziologin darlegte, war dieser Prozess bei Brennstoffzellen von mehreren Akteuren geprägt, die unterschiedliche Interessen und Erwartungen einbrachten und dabei verschiedene und zum Teil verzerrte Bilder der Sachlage produzierten.
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stieg zum Beispiel die Anzahl der Artikel, in denen Brennstoffzellen erwähnt wurden, seit 1993 von fast null auf rund 150 im Jahr 2001 und fiel dann abrupt auf etwa 100 ab – auf ein Niveau, das bis 2006 anhielt. Auch in den VDI-Nachrichten gab es diesen Verlauf.
Viel Hype, kaum griffiges Zahlenmaterial
Im Handelsblatt setzte die Berichterstattung später ein, schoss aber – analog zu den Kursen am Neuen Markt – hoch wie eine Flamme und erlosch. Auf der politischen Bühne ging es eher auf und ab, etwa im Takt zu den aufgelegten Förderprogrammen. Die Fördermittel erhöhten sich hingegen von 1993 bis 2006 stufenweise, und auch die Wissenschaft publizierte in diesem Zeitraum unbeeindruckt mit steigender Intensität über Brennstoffzellen.
All das lief parallel zu den Projekten des Brennstoffzellen-Pioniers Geoffrey Ballard in Kanada und von Daimler, die ab 1993 – teils im Jahresrhythmus – mit Brennstoffzellen betriebene Fahrzeuge vorstellten. Dabei seien Erwartungen geweckt, aber nicht erfüllt worden, sagt Konrad. Die Medien reagierten darauf zunächst intensiv und dann mit weniger und negativeren Berichten; von „absoluter Enttäuschung“ könne man aber nicht sprechen, meint die Wissenschaftlerin. Solche Höhenflüge seien noch normal, weil für alle größeren Technologieprojekte oft mit hohem Aufwand Aufmerksamkeit zu erregen versucht werde, die dann nachlasse. Generelle und mehrmalige Enttäuschung könne jedoch zu Ansehensverlust führen.
Dürftige Datenbasis für Investitionsentscheidungen
Solche Reputationskurven sind Konrad zufolge nicht zu unterschätzende Aspekte der Innovationsdynamik, denen Techniker nach ihrer Erfahrung aber meist nur wenig Bedeutung beimessen. Sie halten sich lieber an Fakten, die für die junge Brennstoffzellen-Industrie aber nur sehr zerstreut oder gar nicht vorliegen. Diese Lücke quält auch Fachleute wie Prof. Dr. Werner Tillmetz, Vorstand des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und Lehrstuhlinhaber an der Universität Ulm. Es sei „sehr aufwändig“, bekennt er, aus den vielen Pressemitteilungen und Informationsplattformen relevante Daten für Investitionsentscheidungen zu selektieren.
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