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Wo liegen derzeit noch die Hemmnisse für den vermehrten Einsatz der Mensch-Roboter-Kooperation?
Zum einen in offenen Sicherheitsfragen, an die sich dann auch verschiedene rechtliche Fragen anschließen. Wichtig ist, dass diese sicherheitstechnischen Aspekte nicht die Debatte dominieren und die Potenziale und die Notwendigkeiten aus Sicht der Wirtschaft in einer globalen Welt außer Acht lassen. Wir Deutschen tendieren dazu, Innovationen vor lauter Regulierungswut zu zerreden. Zum anderen liegen bremsende Faktoren darin, dass die Roboter für eine sichere Mensch-Maschine-Kooperation mehrheitlich gerade erst entstehen. Das heißt, diese Systeme müssen zur Serienreife kommen, sie müssen von den Anwendern beschafft werden, die Prozesse müssen entsprechend umgestellt werden und gegebenenfalls sind auch komplexere bauliche Veränderungen notwendig oder wenigstens sinnvoll.
Welche Chancen und Anwendungen sehen Sie für mobile Roboter in der Automobilindustrie?
In einer engen Mensch-Maschine-Kooperation sind mobile Systeme in vielen Kontexten den stationären überlegen. Das trifft insbesondere dann zu, wenn sich Aufgaben der Produktion, also ein konkreter Fertigungsschritt, mit Aufgaben der Intralogistik vermischen, was wir zunehmend beobachten. Insgesamt gilt: Je individueller gefertigt wird – kleine Losgrößen oder sogar Losgröße 1 –, desto mehr ist die Flexibilität mobiler Roboter von Vorteil. Dort wo wir es eher mit großen Losgrößen zu tun haben, können mobile Systeme zwar zur Optimierung von Prozessen beitragen, aber es lassen sich auch mit stationären Systemen sehr gute Lösungen erreichen.
Immer wieder kommt die Forderung auf, Roboter müssten so einfach zu programmieren und zu bedienen sein wie ein iPhone. Wie weit sind wir von dieser Vision noch entfernt?
Es ist zu unterscheiden zwischen einer einfachen, intuitiven Benutzung eines Roboters durch einen nicht speziell ausgebildeten Werker einerseits und der Programmierung, der Gestaltung der Intelligenz der Systeme andererseits. Letzteres wird, insoweit es durch Menschen geschieht, noch über lange Zeit eine Spezialistendomäne bleiben.
Eine weitere sehr spannende und zukunftsweisende, bisher fast nur in der Wissenschaft diskutierte Linie ist die der selbstständigen Weiterentwicklung von Kompetenzen durch die robotischen Systeme selbst. Auch dort werden Übertragungen menschlicher Kognition und Verhaltensmodelle deutlich: So könnte ein Roboter durch das Ansehen von Videos lernen, wie eine Tätigkeit zu absolvieren ist. Der Ansatz wurde erstmals von meinem Karlsruher Kollegen Rüdiger Dillmann unter dem Stichwort „Internet of Skills“ vor einigen Jahren in die Debatte eingebracht. Heute hat Google bereits einiges der dahinterliegenden Konzepte aufgegriffen. Ein solches Vorgehen hätte verschiedene Vorteile. Zum einen wäre das Erlernen von Verfahren möglich, über die der Anwender selber keine Kompetenz besitzt. Zum anderen entstünde so ein gleichartiges, gemeinsames Lernkonzept für Menschen und Roboter, denn auch Menschen lernen in hohem Maße durch Beobachtung und Nachahmung. Es entstünden so vergleichbare „mentale Modelle“, die eine hervorragende Grundlage für eine intensive und sichere Kooperation darstellen könnten.
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