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Roboter

Die Endmontage verlangt eine intelligente Automatisierung

| Redakteur: Rüdiger Kroh

„Je individueller gefertigt wird, desto mehr ist die Flexibilität mobiler Roboter von Vorteil”, sagt Prof. Dr. rer. nat. Sabina Jeschke, Direktorin des Institutsclusters IMA/ZLW & IfU der RWTH Aachen.
„Je individueller gefertigt wird, desto mehr ist die Flexibilität mobiler Roboter von Vorteil”, sagt Prof. Dr. rer. nat. Sabina Jeschke, Direktorin des Institutsclusters IMA/ZLW & IfU der RWTH Aachen. (Bild: Winandy – Aachen)

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Der Rohbau in der Automobilindustrie ist sozusagen das Wohnzimmer für Roboter. In keinem anderen Anwendungsgebiet sind die Stückzahlen so groß. Aber auch im Automobilbau steht die Robotik vor neuen Herausforderungen, zu denen wir Prof. Dr. Sabina Jeschke, Direktorin des Institutsclusters IMA/ZLW & IfU der RWTH Aachen, befragten. Für sie bietet die Montage das größte Automatisierungspotenzial. Die Mensch-Roboter-Kooperation sieht sie erst am Anfang.

Beim Thema Roboter in der Automobilindustrie hat man sofort das Bild von Roboterlinien im Rohbau im Kopf. Wie hoch ist der Automatisierungsgrad in anderen Bereichen der Automobilfertigung und welches Potenzial verbirgt sich dort?

Vereinfacht unterscheidet man im Automobilbau die vier großen Phasen Presswerk, Rohbau, Lackiererei und Montage. Während die ersten drei einen Automatisierungsgrad von meist über 90 % haben, liegt der Anteil im Endmontagebereich bei nur etwa 20 %. Klar ist jedenfalls, dass der größte Zuwachs in diesem Bereich zu erwarten ist. Neben der Nutzung der neuen Möglichkeiten der Industrie-4.0-Techniken aus wirtschaftlicher Perspektive kommt hier ein eher arbeitswissenschaftliches Argument zum Tragen. Viele der Tätigkeiten in der Endmontage, wie ständiges Über-Kopf-Arbeiten oder Rein- und Rausklettern in die Karosserie im Minutenrhythmus, sind ergonomisch hoch belastend. Dort sind neue, intelligente Automatisierungstechniken dringend notwendig, um die körperlichen Belastungen für die Mitarbeiter zu reduzieren.

Die Mensch-Roboter-Kooperation wird stark von der Automobilindustrie forciert. Welches Potenzial sehen Sie für MRK-Arbeitsplätze in der Automobilindustrie?

Die Chance für die Mensch-Roboter-Kooperation liegt im großen Automatisierungspotenzial in der Montage. Denn wir werden in der Montage nicht von heute auf morgen einen Wechsel auf eine automatisierte Fertigung erleben, sondern eher einen graduellen Wandel über ein bis zwei Jahrzehnte. Das heißt umgekehrt, dass wir vermehrt zu hybriden Teams aus Menschen und Robotern kommen, die gemeinsam bestimmte Fertigungsschritte übernehmen. Dabei hat der Einsatz der Mensch-Roboter-Kooperation wirtschaftliches und gesellschaftliches Potenzial. Auf der wirtschaftlichen Seite sind verbesserter Ressourceneinsatz, höhere Effizienz und geringere Nacharbeiten zu erwarten. Auf der gesellschaftlichen Seite kommen die Verbesserung ergonomischer Aspekte und damit die Erhöhung des Gesundheitsstandards und der Lebensqualität der Mitarbeiter dazu. Und schließlich haben wir – speziell in Deutschland, aber auch in anderen Hochlohnländern – noch eine weitere Thematik: den demografischen Wandel. Auf der Skala der kommenden zwei Jahrzehnte werden wir nicht in der Lage sein, unsere Produktionszahlen zu halten oder gar zu steigern, wenn wir nicht zu neuen, umfassenden Formen der Automatisierung kommen. Denn uns gehen schlicht die Arbeitskräfte aus, die diese auszehrenden Jobs am Fließband ein Leben lang machen können und wollen.

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