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Supply Chain 4.0

Digitale Zwillinge revolutionieren die Supply-Chain-Planung

| Autor/ Redakteur: Mauro Adorno / Sebastian Human

Systembasierte Ansätze sind in der Supply-Chain-Planung auf dem Vormarsch. Damit ist auch das Konzept des digitalen Zwillings ins Rampenlicht gerückt.

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Der Analyst Marc Halpern stellte in seiner Präsentation „Busting the Myth of Digital Twins to Deliver Value“ auf der Gartner Supply Chain Executive Conference in Phoenix drei Schlüsselkonzepte für den digitalen Zwilling in der Supply Chain vor.
Der Analyst Marc Halpern stellte in seiner Präsentation „Busting the Myth of Digital Twins to Deliver Value“ auf der Gartner Supply Chain Executive Conference in Phoenix drei Schlüsselkonzepte für den digitalen Zwilling in der Supply Chain vor.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

Den digitalen Zwilling kann man sich als eine Art ultimativen „Was-wäre-wenn“-Planer vorstellen, der es ermöglicht, die Widerstandsfähigkeit einer komplexen, mehrschichtigen globalen Supply Chain im Einzelnen zu testen. Auf der Gartner Supply Chain Executive Conference in Phoenix, die im Mai dieses Jahres stattfand, erläuterte der Analyst Marc Halpern in seiner Präsentation „Busting the Myth of Digital Twins to Deliver Value“ drei Schlüsselkonzepte für den digitalen Zwilling in der Supply Chain. Dabei hob er Folgendes hervor:

1. Digitale Zwillinge sind mehr als nur CAD. Sie sind virtuelle Pendants zur physischen Welt, die die Einzigartigkeit eines Produkts und seines Lebenszyklus modellieren. Sie verlinken und überwachen Echtzeitdaten in einer Simulationsumgebung.

2. Digitale Zwillinge sind selten exakte Kopien. Sie können unterschiedliche Aspekte der Supply Chain und der Produkte in unterschiedlicher Detailliertheit widerspiegeln – von den Zulieferern bis hin zu den Service-Merkmalen. Das Ausmaß und die Gründlichkeit der Simulation hängen aber von der Bedeutung der Information für die Supply Chain ab.

3. Digitale Zwillinge antizipieren nicht immer alle Informationen. Unerwartete Ereignisse können zu kontinuierlichen Veränderungen und Ergänzungen führen.

In diesem Video erfahren Sie, was man unter digitalen Zwillingen versteht!

Mit digitalen Zwillingen lassen sich die Geschäftsplanung, der Beschaffungsprozess und das Lieferantenmanagement verbessern. Sie werden dazu verwendet, den Einfluss zufälliger Ereignisse auf die Supply-Chain-Planung zu messen – zum Beispiel wenn aufgrund von Überschwemmungen ein Distributionszentrum vorübergehend ausfällt. Bei Toolsgroup nutzen wir den digitalen Zwilling vor allem, um den Einfluss von Werbe- und Sonderaktionen auf die Nachfrage, den Bestand und mögliche Kompromisse bei den Service-Leveln möglichst genau vorherzusagen.

Der Teufel liegt im Detail

Wie erstellt man einen digitalen Zwilling? Dafür muss erst einmal die finanzielle und operative Seite des Geschäfts gut eingerichtet und aufbereitet sein, am besten im Rahmen einer Vertriebs- und Operations-Planungsinitiative (S&OP). In dem Blogpost „Prepare for the Impact of Digital Twins“ betont die Gartner-Analystin Christy Pettey, dass digitale Zwillinge nicht in einem Vakuum entwickelt würden. Stattdessen müssen sie gegen eine ökonomische Architektur, die Umsätze, Gewinne, ROI und Kostenoptimierung beinhaltet, getestet und die Fortschritte bei der Einführung neuer Produkte oder Dienstleistungen präzise evaluiert werden.

Aus technologischer Sicht muss die zugrunde liegende Software in der Lage sein, alle Daten, die potenziell die Lieferkette und damit das Supply Chain Management beeinflussen könnten, zu orchestrieren. Dafür müssen viele verschiedene Datenarten berücksichtigt werden, sowohl traditionelle Supply-Chain-Daten als auch Daten aus anderen Unternehmensanwendungen (wie zum Beispiel CRM-Systemen) und unstrukturierte Online-Daten zum Demand Sensing. Ältere ERP-Systeme sind dafür genauso wenig geeignet wie Tabellenkalkulationen à la Excel. Vielmehr braucht es eine Supply-Chain-Planungsplattform, die in der Lage ist, die gesamte Supply Chain vom Nachfragesignal bis hin zum Zulieferer zu modellieren.

Die heutigen Supply Chains sind komplexe, breit orchestrierte und adaptive Systeme, deren Prozesse in viele Richtungen verlaufen - und das meist gleichzeitig. Der Teufel liegt somit in den Details, also in der Qualität des zugrunde liegenden Datenmodells. Oder wie es in dem Blogpost von Gartner heißt, in der Genauigkeit, mit der das Modell die Realität in dem Augenblick, in dem die Antworten generiert werden, abbildet.

Praxisbeispiel: Einsatz eines digitalen Modells bei SKF

Die Erfahrung unseres Kunden SKF, eines weltweit führenden Anbieters von Lagern und Lagereinheiten, verdeutlicht die Komplexität des Unterfangens. SKF hat einen digitalen Zwilling seines gesamten Distributionsnetzwerks erstellt. Dazu wurden die Stammdaten von mehr als 800.000 SKU (Stock Keeping Units), verteilt über 40 Installationen und fünf verschiedene Systeme, genutzt. Mit Hilfe des digitalen Zwillings konnte das Unternehmen von einem regionalen auf ein global integriertes Planungsmodell umstellen. Dadurch brauchen die Planer nicht mehr nur lokal zu agieren, sondern können nun, basierend auf dem umfassenden Einblick in die Daten und die volle Kontrolle über die Referenzdaten, auch globale Entscheidungen treffen. In zwei Fabriken von SKF laufen die 22 Lagerhallen mittlerweile auf Autopilot.

Damit das Konzept des digitalen Zwillings Erfolg hat, muss also erst einmal die finanzielle und operative Seite des Geschäfts gut konzipiert und aufbereitet sein – am besten mittels S&OP-Initiativen. Zudem müssen möglichst alle die Supply Chain potenziell betreffenden Daten erfasst werden, wobei die Qualität des zugrunde liegenden Datenmodells gewährleistet sein muss. Ein erheblicher Aufwand – der sich allerdings lohnt, wie das Beispiel von SKF zeigt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Industry of Things und wurde von Sebastian Human betreut!

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