Cloud Computing

Digitaler Baustein für das Internet der Dinge

Seite: 2/4

Firmen zum Thema

Public, Private oder Hybrid Cloud?

Die Begrifflichkeiten, die einem im Umgang mit Cloud Computing begegnen, sind gerade für Digitalisierungsneulinge nicht einfach zu verstehen. Grundsätzlich bedeutet der Begriff Cloud Computing einfach nur, dass Speicherplatz oder Rechenleistung über das Internet zur Verfügung gestellt wird, also dezentral und skalierbar. Unterschieden wird dabei zwischen drei möglichen Standorttypen: Public Cloud, Private Cloud oder Hybrid Cloud.

Eine Public Cloud steht nicht nur einzelnen Unternehmen, sondern vielen Anwendern über das öffentliche Internet zur Verfügung, die Abrechnung des Service erfolgt meist nutzungsbezogen. Der Vorteil für Unternehmen: Rechen- und Datenkapazitäten sind problemlos anpassbar, das Einrichten ist einfach und kostengünstig. Zusätzlich müssen keine hohen Investitionen in eigene Hardware getätigt werden, auch die Wartung übernimmt der Provider, der ebenfalls für die Verfügbarkeit garantiert. Und auch wenn der Name so manchen Anwender verunsichert: In der Public Cloud sind die Daten einzelner Kunden strikt voneinander getrennt. Allerdings werden diese Daten einem externen Dienstleister übergeben, was in manchen Branchen zu datenschutzrechtlichen Problemen führen könnte.

Private-Cloud-Lösungen werden dagegen exklusiv für Unternehmen zur Verfügung gestellt. Wie bei den meisten Cloud-Angeboten auch gibt es dabei eine Vielzahl an Möglichkeiten. So können die Daten entweder auf firmeneigenen Rechnern gelagert oder von Dritten gehostet werden. Im Gegensatz zur Public Cloud ist die private Variante allerdings nicht über das Internet erreichbar (genutzt werden stattdessen etwa VPN-Verbindungen) und bietet somit ein hohes Maß an Sicherheit und Kontrolle. Ein weiterer Vorteil: Die Nutzung kann ganz auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten werden und unterliegt nicht den Einschränkungen einer Public Cloud.

(Bild: KPMG)

Private Clouds sind beliebt, da die Kontrolle über die Daten nicht an einen Drittanbieter abgegeben werden muss und die private Variante ein Höchstmaß an Sicherheit bietet, da nur autorisierte Anwender Zugriff erhalten und das System in sich geschlossen ist. Zudem ist eine Private Cloud preisgünstiger als eine herkömmliche IT-Infrastruktur.

Eine Mischung der beiden, gerade genannten Cloud-Varianten ist die Hybrid Cloud. Sie bietet den öffentlichen Zugang und die Erreichbarkeit einer Public Cloud, sichert aber auch schützenswerte Daten und datenschutzkritische Anwendungen in einer Private Cloud. Das sorgt für ein Höchstmaß an Flexibilität: Während die sensiblen Daten in der Private Cloud liegen, können die Anwendungen dazu in der Public Cloud betrieben werden. Allerdings ist das Management einer Hybrid Cloud komplizierter, da Geschäftsprozesse genau analysiert und dem richtigen Cloud-Teil zugeordnet werden müssen.

Besonders beliebt sind nach einer Marktstudie von Pierre Audoin Consultants derzeit Multi-Cloud-Systeme, also eine Mischung verschiedener Cloud-Anbieter und -betriebsmodelle. Diese sind allerdings nicht leicht zu konfigurieren (schließlich muss sehr konkret bestimmt werden, welche Daten wohin wandern) und bedürfen in den meisten Fällen der Unterstützung durch externe Systemintegratoren.

Von IaaS bis PaaS

Cloud Computing ist heutzutage weit mehr als ein rein dezentraler Speicherort für Daten aller Art. Das Geschäft mit der digitalen IT-Infrastruktur, also Serverkapazitäten und Speicher (IaaS; Infrastructure as a Service) wurde um Softwareanwendungen (SaaS; Software as a Service) erweitert. So kommt mittlerweile kaum eine Office-Anwendung ohne Cloud-Anbindung aus, auch immer mehr ERP- oder MES-Hersteller schwenken auf diese neue Art der Softwaredistribution um. Klar, schließlich bieten sich völlig neue, lukrative Geschäftsmodelle, zudem wird der Kunde stärker an die Software gebunden, wenn die Daten in der Cloud des Anbieters liegen. Ein zentraler, digitaler Baustein ist Cloud Computing bei einem zentralen Thema der Industrie 4.0: Das Internet der Dinge (engl. Internet of Things, IoT, oder auch IIoT für Industrial Internet of Things) würde ohne Cloud Computing nicht existieren.

Betreibern von Maschinenparks bietet sich dadurch die Chance, ihre Anlagen miteinander zu vernetzen und aus den so gewonnenen Daten Erkenntnisse zu ziehen, die nicht nur in die eigene Effizienzsteigerung fließen, sondern auch das Potenzial haben, neue Geschäftsmodelle zu generieren. So weit die Theorie. In der Praxis scheitern solch zukunftsweisende Visionen oft an der harschen Realität fehlenden Know-hows und Budgets. Eigene Anwendungen zu entwickeln, ist langwierig und teuer, oft ist zudem der Ausgang ungewiss. Unternehmen scheuen deshalb das ressourcenfressende Risiko. Geholfen wird ihnen über Cloud-Services, die als Plattformen für IoT-Anwendungen Hersteller und Kunden gleichermaßen bedienen wollen (PaaS/Platform as a Service).

Ein Anbieter, der das Potenzial einer Cloud-Plattform nutzen will, ist Bosch. Das Technologieunternehmen hat bereits 2016 die Bosch IoT Suite vorgestellt und sich selbst zum „Full-Service-Provider für Vernetzung und das Internet der Dinge“ ernannt. Bosch bietet neben der benötigten Technik wie Sensoren entsprechende Software zur Vernetzung sowie über die Plattform auch entsprechende Services. Seit 2017 ist die IoT Suite auch über Amazon Web Services verfügbar.

(ID:44867583)

Über den Autor