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Adamos: Maschinenbauer packen selbst an

Ein weiteres Beispiel sorgte erst vor Kurzem für Schlagzeilen: Fünf namhafte Industrieunternehmen (DMG Mori, Dürr, Software AG, Zeiss, ASM PT) hatten sich zusammengetan, um nach eigenem Bekunden die Digitalisierung des Maschinen- und Anlagenbaus selbst in die Hand zu nehmen und das ehrgeizige Ziel anzugehen, einen globalen IoT-Standard zu etablieren. Dabei helfen soll eine eigene IoT-Plattform, orchestriert von einem eigens dafür gegründeten Unternehmen, der Adamos GmbH.

Ein Maschinenbau-Joint-Venture entsteht: Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender von DMG Mori, Ralf W. Dieter, Vorstandsvorsitzender der Dürr AG, Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG, und Thomas Spitzenpfeil, Vorstand der Carl Zeiss AG (v.l.)
Ein Maschinenbau-Joint-Venture entsteht: Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender von DMG Mori, Ralf W. Dieter, Vorstandsvorsitzender der Dürr AG, Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG, und Thomas Spitzenpfeil, Vorstand der Carl Zeiss AG (v.l.)
(Bild: Sonnenberg)

„Bei der Digitalisierung muss der Maschinen- und Anlagenbau selbst Standards setzen und die Entwicklung vorantreiben. Das geht nur mit starken Partnern. Daher bieten wir mit Adamos ein offenes Netzwerk mit führendem Maschinenbau-, Produktions- und Software/IT-Know-how – von Maschinenbauern für Maschinenbauer, ihre Zulieferer und Kunden“, erklärte Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender von Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori AG, auf der Pressekonferenz Anfang September, auf der Adamos vorgestellt wurde.

Die Plattform soll künftig Serviceleistungen aus der Cloud rund um die Maschinen der Partner anbieten, neue Beteiligungen sind ausdrücklich erwünscht. So rechnen die Gründungsmitglieder derzeit damit, die Zahl der teilnehmenden Unternehmen auf zehn hochschrauben zu können – mit Namen hält man sich allerdings noch bedeckt. Zweck der Plattform ist es, Unternehmen ein Angebot an IoT-Applikationen zur Verfügung zu stellen – gleichzeitig können diese über digitale Marktplätze eigene Apps entwickeln und anbieten –, um so ihren eigenen Kunden einen digitalen Zusatzservice anbieten zu können. Adamos will dazu mit der App Factory und dem technologischen Know-how der Partnerunternehmen den Entwicklungsaufwand für Kunden so gering wie möglich halten. Bereits jetzt ist zum Beispiel DMG Moris eigenes App-Portfolio, Celos, über Adamos erhältlich, ebenso wie Tapio (Homag), Loxeo (Dürr) und Zeiss.

Technisch basiert Adamos auf Cumulocity IoT, einer Plattform, die von der Software AG beigesteuert wird und die Anfang September 2017 offiziell vorgestellt wurde. Betrieben wird die Plattform von der gleichnamigen GmbH, einer Tochterfirma der Software AG. Die Cumulocity GmbH hat ihre Wurzeln bei Nokia Networks und im Silicon Valley, wurde 2012 ausgegründet und der Firmensitz nach Düsseldorf verlegt. Im März 2017 wurde Cumulocity von der Software AG gekauft. Cumulocity betreut derzeit nach eigenen Angaben etwa 100 IoT-Kunden, betreibt weltweit 25 Cloud-Infrastrukturen – und kann damit eine fundierte Expertise im Bereich IoT vorweisen, die man sich bei der Software AG nur zu gerne ins Haus geholt hat.

Adamos ist somit keine Plattform, die bei null anfängt. Man baut auf einem seit 2010 entwickelten, bereits vielfach genutztem Produkt auf, das den eigenen Bedürfnissen angepasst und mit dem eigenen digitalen Brand versehen werden kann. „Das Joint Venture ist aus der Idee entstanden, gemeinsam zu lernen“, erläutert Cumulocity-CEO Bernd Groß. „Uns war klar“, so Groß, „dass wir die Herausforderung der Digitalisierung nur mit Gleichgesinnten in der Industrie erarbeiten können, mit denen wir das Lernen teilen.“ Zusätzlich brauchte es eine stabile, funktionierende und erprobte Grundtechnologie – eben Cumulocitiy IoT.

100 Maschinenbauer sollen Adamos nutzen

Über Adamos können Maschinenbauer und -anwender also nicht nur Cloud-IoT-Applikationen nutzen, sondern auch selbst welche für ihre eigenen Kunden entwickeln. Der eigentliche Aufwand dafür ist laut Groß weit geringer als eine komplette Eigenentwicklung. „Ohne Adamos müssen Unternehmen 80 % des Systems selbst entwickeln, mit Adamos benötigen Sie noch 10 bis 15 %, nämlich nur die reine Applikation“, erklärt der Cumulocity-Geschäftsführer.

Während eine mögliche Applikation mit Unterstützung, etwa durch Trainingsprogramme, gemeinsam auf den Weg gebracht wird (die Programmierung der App können dann, bei IT-unerfahreren Unternehmen, einfach Dritt­anbieter leisten), übernimmt Adamos nahezu alles Weitere, vom Anbinden der Maschinen über das Security-Konzept, das Gerätemanagement, die Verfügbarkeit bis hin zum Konvertieren der Protokolle oder Firmwaremanagement. „Sie können Sich also ganz darauf fokussieren, was Sie wirklich differenziert“, schließt Groß. Des Weiteren hält sich Cumulocity IoT im Hintergrund, das Marketing und die Verbreitung der Apps liegt ganz in der Hand der Betreiber.

(Bild: KPMG)

Mit bisher fünf genannten Partnern steht Adamos noch ganz an Anfang. Doch die Idee der Zusammenarbeit greife um sich, heißt es. „Wir bekommen im Moment ein sehr positives Feedback“, berichtet Groß – nicht ohne Stolz. Entsprechende Anfragen, sich am Netzwerk zu beteiligen, häuften sich. „Unser Ziel ist es, langfristig 100 Maschinenbauer weltweit in die Adamos zu integrieren“, legt Groß die Marschroute offen. Für größtmögliche Freiheit setzt Adamos zudem auf offene Schnittstellen, um mögliche Partner nicht mit zu strengen Standards zu verschrecken.

Bei der Suche nach dem richtigen Cloud-Anbieter setzen deutsche Unternehmen in erster Linie auf Datensicherheit. Microsoft etwa, das die Daten seiner Kunden treuhändisch von der Deutschen Telekom verwalten lässt, punktet damit ebenso wie mit dem Konzept, die Cloud-Infrastruktur ausschließlich in Deutschland aufzubauen, was den Cloud-Betrieb nach deutschen Datenschutzregeln garantiert. Zwar ändert die im nächsten Jahr in Kraft tretende europäische Datenschutz-Grundverordnung hier einiges (wir berichteten ausführlich im Maschinenmarkt 38/2017), doch ein solides Sicherheitskonzept bleibt weiterhin ein wichtiges Verkaufsargument der Cloud-Anbieter.

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