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Digitale Transformation Ein Mittelständler digitalisiert

| Autor / Redakteur: Sandra Roth / Simone Käfer

Ein Werkzeug- und Formenbauer in der Transformation. Was verändert sich bei dem Mittelständler durch die Umstellung auf Industrie 4.0 und Digitalisierung?

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Die Fischerwerke digitalisieren sich. Schon in 
der ersten Phase wurden Vorteile sichtbar.
Die Fischerwerke digitalisieren sich. Schon in 
der ersten Phase wurden Vorteile sichtbar.
(Bild: Fischer)
  • Datengestütztes Arbeiten und automatisierte Prozesse sind die Basis für die Einführung von Industrie 4.0.
  • Die Digitalisierung der Anfangsprozesse wirkt sich effizienzsteigernd auf die Folgeprozesse aus.
  • Das bisherige Nebeneinander von analogen Hilfsmitteln und einzelnen, nicht verknüpften Softwarelösungen ist ersetzt worden durch datengestütztes Management von Prozessen mit automatischer Selbstoptimierung.

Pilotwerkzeuge gehören zum Portfolio genauso wie Multikavitäten Serienwerkzeuge oder Multikomponentenwerkzeuge. Nun hat der Fischer Werkzeugbau auch in Sachen Digitalisierung und Industrie 4.0 einen großen Fortschritt erzielt. Ein guter Teil der Roadmap ist bereits umgesetzt.

Fischer treibt die Digitalisierung im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung in allen Geschäftsbereichen voran. Auch der in Horb am Neckar angesiedelte Werkzeug- und Formenbau ist bei der digitalen Transformation weit fortgeschritten. „Die Industrie-4.0-Strategie des Fischer Werkzeug- und Formenbaus verfolgt das Ziel, die Potenziale der digitalen Vernetzung ganzheitlich zu erschließen“, erklärt Bernd Ströhlein, Leiter Werkzeugbau, die Stoßrichtung. „So erreichen wir zum einen eine Effizienz- und Effektivitätssteigerung der internen Prozesse und generieren zum anderen zusätzlichen Kundennutzen.“

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Den IST-Zustand ermitteln

Zur Vorbereitung der Umstellung hatte ein Projektteam in Zusammenarbeit mit der Industrieberatung WBA Aachener Werkzeugbau Akademie eine Industrie-4.0-Strategie für unseren Werkzeug- und Formenbau entwickelt. Alle Beteiligten hatten zunächst den IST-Zustand ermittelt und die Verbesserungspotenziale der einzelnen Bereiche bewertet. Aus den gewonnenen Erkenntnissen entwickelte das Projektteam eine Roadmap, die die Handlungsfelder und einen Zeitplan zur Umsetzung der einzelnen Schritte umfasste. Dabei wurden die freiwerdenden Mitarbeiterkapazitäten und der erforderliche Investitionsaufwand ermittelt. „Hier bestätigte sich das hohe Potenzial der identifizierten Lösungen“, sagt Bernd Ströhlein.

Der Einstieg hat Folgen

Es zeigte sich, dass sich die Digitalisierung der Anfangsprozesse effizienzsteigernd auf die Folgeprozesse auswirkt. Wird zum Beispiel die Anfrageaufnahme mit IKOffice (Software speziell für den Werkzeug- und Formenbau) bewerkstelligt, verringert sich der Aufwand für die anschließende Kalkulation und fördert somit die Entwicklung hin zu einer vollautomatischen Kalkulation. Überhaupt sind datengestütztes Arbeiten und automatisierte Prozesse die Basis für die Einführung von Industrie 4.0. Im Werkzeug- und Formenbau bei Fischer ermöglicht sie die Umstellung auf eine Fertigung ohne Papier und Zeichnung. Bei der Erstellung der Festlegung der Fertigungsstrategie und Ermittlung von Vorgabezeiten erhöht sich die Planungsgenauigkeit, durch ähnlichkeitsbasierte Arbeitsvorbereitung läuft die Fertigung reibungslos ab.

Weniger Chancen für Fehler

Bei der Erstellung der CAM-Programme hilft die Digitalisierung, den Aufwand zu reduzieren. Und bei der Werkerselbstkontrolle werden händische Dokumentation und aufwendige Fehlerdokumentation ersetzt durch digitale Fehlererfassung, zum Beispiel mit Kameramessung in der Produktion als Kontrollinstrument. Erleichterung und Optimierung bringt Industrie 4.0 auch bei der Programmierung der Fertigungszelle samt Job-Management: Hier können große Einsparpotenziale durch reduzierte manuelle Tätigkeiten sowie durch Verringerung von Fehlermöglichkeiten und Wechselzeiten ausgeschöpft werden. Die Entwicklung geht hier hin zur Automatisierungszelle.

Bei der Musterung sorgen die datengestützten Prozesse für verbesserte Datenqualität und -eindeutigkeit, dadurch reduzieren sich die Fehlermöglichkeiten, die Musterungsprozesse werden beschleunigt. Der optimierte Musterungsprozess ist somit ein gutes Instrument, den Kunden Vertrauen zu vermitteln.

Wissen, wo das Wissen lagert

Die bisher beschriebenen Verbesserungen kommen auch dem Wissensmanagement zugute: Denn mit dem neuen Aufbau wird das vorhandene Wissen jetzt komplett systematisch dokumentiert. Das bedeutet einen reduzierten Suchaufwand für den Zugriff auf das dokumentierte Wissen. Schließlich bringt die Digitalisierung auch beim Werkzeugmanagement samt Werkzeuglebenslauf große Fortschritte. Digitales Werkzeugtracking per QR-Codes macht den hohen Suchaufwand zur Bereitstellung aller benötigten Informationen zum Werkzeug überflüssig. Zudem erzeugt das automatisierte Tracking Warnmeldungen, falls Werkzeugbewegungen nicht durch Mitarbeiter quittiert werden.

Für die Implementierung der Maßnahmen kommen insgesamt 53 Industrie-4.0-Anwendungen zum Einsatz, darunter auch Eigenentwicklungen von Fischer. Das bisherige Nebeneinander von analogen Hilfsmitteln und einzelnen, nicht verknüpften Softwarelösungen ist ersetzt worden durch datengestütztes Management von Prozessen mit automatischer Selbstoptimierung. Zum Ende des Jahres 2020 soll ein Großteil der Maßnahmen umgesetzt sein.

* Sandra Roth arbeitet bei Fischerwerke in 72178 Waldachtal, Tel. (0 74 43) 12-62 51, sandra.roth@fischer.de

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