Equipment-as-a-Service gilt als wichtiges Zukunftsmodell für den Maschinen- und Anlagenbau. Doch sehen das auch die Entscheiderinnen und Entscheider der deutschen Industrie so? Was machen Angebot und Nachfrage? Wir geben Ihnen einen exklusiven Einblick in die neue Studie von Relayr.
EaaS-Modelle können einen Wandel innerhalb des Geschäftsmodells produzierender Unternehmen darstellen – doch wie weit ist die Industrie hier?
Spricht man von digitalen Geschäftsmodellen, kommt man um einen Begriff nicht umhin: Servitization. Für produzierende Unternehmen bedeutet das konkret eine Erweiterung ihres Kerngeschäfts in Richtung einer Kombination aus Sachgütern und Dienstleistungen. Im Kontext digitaler Geschäftsmodelle gilt das als wichtiger Baustein des zukünftigen ökonomischen Fundaments der deutschen Industrie.
Aber kommt das so auch bereits in den Unternehmen an? Wie denken Verantwortliche aus Fertigung und Produktion hierzulande über das Geschäftsmodell Equipment-as-a-Service? Diese und weitere Fragen beantwortet eine neue Studie von Relayr, einem Unternehmen der Munich Re Group, die in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Forsa entstanden ist und uns bereits vor Veröffentlichung vorlag.
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Für seine Studie „Equipment-as-a-Service in der Fertigungsindustrie“ befragte der IIoT-Spezialist im April 2022 gezielt Personen in Positionen mit Entscheidungsbefugnis mit dem Ziel, den aktuellen Stand zu Implementierung und Nutzung von EaaS-Modellen innerhalb der deutschen Fertigungsindustrie zu ermitteln. Von den 200 befragten Unternehmen lassen sich mit 125 knapp zwei Drittel als Maschinenbauer und somit potenzielle Anbieter von EaaS-Lösungen klassifizieren. 75, folglich ein gutes Drittel, zählen zu den potenziellen Nutzern, also Unternehmen, die Maschinen und Anlagen innerhalb ihres Geschäftsmodells einsetzen.
Die Ergebnisse der empirischen Studie bieten einen Überblick über den Status quo der Umsetzung von Equipment-as-a-Service-Modellen, beleuchten aber auch Treiber und Potenziale für die Unternehmen. Zusätzlich untersuchen die Studienverantwortlichen die Bereitschaft und Voraussetzungen sowie die Herausforderungen für die Realisierung von EaaS-Modellen innerhalb der Unternehmen.
Mehrheit plant EaaS-Start innerhalb eines Jahres
Von den befragten Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigen sich 86 % schon heute aktiv mit dem Thema Equipment-as-a-Service. Die Befragung zeigt, dass sich 80 % von ihnen auch für das Anbieten eines entsprechenden Modells entscheiden. Umgekehrt schließen auf Anbieterseite nur 4 % derjenigen, die sich bereits mit EaaS befasst haben, eine Umsetzung aus. 54 % der Unternehmen planen für die kommenden 12 Monate ein, mit der Entwicklung ihres EaaS-Angebots zu beginnen.
Zum Erhebungszeitpunkt der Befragung haben 14 % der Firmen ein EaaS-Angebot im Portfolio, von denen 94 % Services begleitend zu ihren Maschinen anbieten. Hinzu kommen 50 %, die schon ausgewählte Assets oder Anlagengüter über ein EaaS-Finanzierungsmodell wie Pay-per-Part oder Pay-per-Use offerieren. 11 % haben sogar bereits ihr komplettes Geschäftsmodell lückenlos auf EaaS-Finanzierungsmodelle umgestellt.
Von denjenigen Entscheidungsbefugten, die sich aktuell noch in der Planungsphase befinden, bekunden je 64 %, begleitende Services für ihre Maschinen und auch ausgewählte Assets über ein EaaS-Modell anbieten zu wollen.
Anwendungsseite mit Luft nach oben
Auf Seiten der Kundinnen und Kunden entsprechender Equipment-as-a-Service-Angebote zeigt sich hingegen ein etwas anderes Bild: 35 % der potenziellen Nutzerinnen und Nutzer haben dem Thema bislang noch gar keine Aufmerksamkeit gewidmet, lediglich 11 % nutzen bereits ein solches Angebot. Ein Viertel der Befragten plant jedoch einen Umstieg, mehrheitlich innerhalb der kommenden 12 Monate. Als ein entscheidendes Hemmnis identifizieren die Studienverantwortlichen fehlendes Fachwissen. So wünschen sich laut der Erhebung 43 % mehr Know-how über EaaS-Modelle, also wie diese funktionieren und welche Anbieter am Markt existieren. 41 % haben Wissensbedarf zu Predictive-Maintenance- und Remote-Service-Möglichkeiten, die Equipment-as-a-Service-Modelle häufig kennzeichnen.
Anbieter und Nutzer versprechen sich unterschiedliche Vorteile
Erwartete Vorteile für die Anbieter Für die Anbieter von Equipment-as-a-Service erscheint allem voran die Möglichkeit, durch generierte Nutzungsdaten die eigenen Maschinenfunktionen, -kapazitäten und -operationen anpassen und verbessern zu können, mit 39 % als größter Anreiz. Dass hiervon wiederum auch die Kunden profitieren können, wird ebenfalls als positiver Effekt wahrgenommen. Mit etwas Abstand folgen dann die weiteren Möglichkeiten. 26 % erhoffen sich beispielsweise positive Effekte, wie die Möglichkeit Betriebszeitgarantien auszusprechen, durch Condition Monitoring und Predictive Maintenance. Ebenfalls 26 % gehen von einer Steigerung der Unternehmensumsätze durch die Übernahme von After-Market-Dienstleistungen aus.
Erwartete Vorteile für die Nutzer Auch wenn für die befragten Entscheidungsbefugten nicht nur einzelne Faktoren, sondern eine Vielzahl von Verbesserungen in verschiedensten Bereichen attraktiv erscheinen, zeigt sich auf Seiten der Nutzer der erwartete positive Effekt auf die finanzielle Planungssicherheit mit 30 % als Hauptargument für EaaS-Angebote. So erwarten sich die Kunden von Maschinenbauunternehmen eine weniger stark ausgeprägte Kapitalbindung, indem eine einmalig sehr hohe Anschaffungsinvestition gegen eine laufende Mietgebühr getauscht und somit ein Wandel vom CAPEX- hin zum OPEX-Modell vollzogen wird.
24 % der Befragten gehen außerdem davon aus, mit einem EaaS-Angebot Produkte zu erhalten, die stets auf dem neusten Stand der Technik sind. Fast genauso wichtig ist für sie mit 23 % die erwartete Möglichkeit, ebenfalls von Predictive Maintenance und Condition Monitoring profitieren zu können, sowie der Umstand, das operative Risiko auf Seiten des Anbieters zu wissen. 21 % empfinden außerdem entsprechende Uptime-Garantien als wichtigen Vorteil.
Stand: 08.12.2025
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EaaS-Zeitalter hat begonnen
Auch wenn der Servitization-Ansatz seit über 100 Jahren existiert, erfolgt die Erschließung des damit verbundenen Potenzials für neue Geschäftsmodelle erst seit der Jahrtausendwende. Die Relayr-Studie verdeutlicht, dass Globalisierung und Digitalisierung – und mit ihr vor allem das Internet of Things – als Treiber eines Paradigmenwandels im Anlagen- und Maschinenbau fungieren können. Der ausgeprägte Fokus aufs reine Produkt, den gerade deutsche Unternehmen völlig zu recht lange Zeit pflegten, wird zunehmend in Richtung verwandter Dienstleistungen erweitert. Dementsprechend entwickeln sich Equipment-as-a-Service-Modelle zu interessanten Geschäftsmodellen – für Anbieter wie Nutzer.
Zur Methodik Befragt wurden im Zeitraum vom 12. bis 22. April 2022 200 Entscheider (auf Direktoren-, Generaldirektoren- und Regionalleiter-Ebene sowie Abteilungs- und Teamleiter) in Unternehmen der produzierenden Industrie mit mehr als 100 Mitarbeitern in Deutschland, die zufällig ausgewählt wurden. Die Befragung erfolgte mittels Online-Interviews anhand eines strukturierten Fragebogens.