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Entzundern

Erst die richtige Strahlanlage entzundert zuverlässig

| Autor/ Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Die meisten Stahlstäbe verlassen das Stahlwerk Annahütte in Ainring-Hammerau, ohne vorher entzundert zu werden. Doch für einen kleinen Teil bestehen die Kunden darauf. Um diesen Prozess zu verbessern, hat das Unternehmen eine neue Strahlanlage installiert.

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Mit der neuen Strahlanlage von Agtos kann das Stahlwerk Annahütte seine Stahlstäbe besser entzundern.
Mit der neuen Strahlanlage von Agtos kann das Stahlwerk Annahütte seine Stahlstäbe besser entzundern.
(Bild: Itasse)
  • Manche Kunden des Stahlwerks Annahütte wollen ihre Stahlstäbe in entzundertem Zustand erhalten.
  • Mit einer neuen Strahlanlage von Agtos kann der Stahlhersteller die Bearbeitungsgeschwindigkeit steigern.
  • Die vier Schleuderräder der neuen Strahlanlage erlauben ein gleichmäßiges Entzundern der gesamten Staboberflächen.

Im Jahr 1537 gegründet, ist das Stahlwerk Annahütte heute der weltweit größte Hersteller von warmgewalzten Gewindestählen und europaweit führend bei rundem Stabstahl im dünnen Abmessungsbereich. Eingesetzt werden die Produkte in der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie, in der Werkzeugbranche, in der Kettenindustrie, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Agrartechnik, bei der Energiegewinnung oder im technischen Ingenieurbau. Dieses spezialisierte Angebot ermöglicht es dem Unternehmen, genau auf die Kundenwünsche einzugehen – ob bei der Legierungszusammensetzung, bei der Wärmebehandlung, bei Dienstleistungen oder eben beim Entzundern.

Vor dem Strahlen müssen die Stabstähle gerichtet werden

Dieser Prozess befindet sich innerhalb der Schwarzadjustage 3, in welcher die Stabstähle nach dem Walzprozess weiterverarbeitet werden. Die gerichteten Stabstähle werden per Eisenbahnwaggon an die Strahlanlage transportiert, um die Oberfläche von Zunder zu befreien. Das vorherige Richten ist wichtig, da sich ungerichtete Stäbe schlecht strahlen lassen. „Das war auch eine Vorgabe von Agtos“, erläutert Andreas Kammermeier, Assistent der Geschäftsführung im Stahlwerk Annahütte, beim Gespräch mit MM Maschinenmarkt.

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Vom Auflagetisch, der 7 t Vormaterial mit einem Durchmesser bis 40 mm aufnehmen kann, gelangen die Stäbe einzeln in die Strahlanlage und durchlaufen sie mit einer Geschwindigkeit von 1 m/s – schneller als auf der zuvor eingesetzten Maschine. Die neue Anlage von Agtos ist seit Ende Februar 2019 in Betrieb. „Bisher konnten wir alles mit der maximalen Geschwindigkeit strahlen“, berichtet Kammermeier. Dabei handelte es sich um niedrig oder unlegierte Stabstähle. Insgesamt werden jährlich circa 15.000 t Stangenmaterial gestrahlt. Als Strahlmittel setzt die Annahütte auf Empfehlung von Agtos niedrig gekohlten Stahlkies ein.

Geometrie der Stäbe fordert Strahlanlagen heraus

Das Strahlen der Stäbe ist aufgrund ihrer Geometrie dabei nicht ganz einfach. „Die Herausforderung ist, dass der gesamte Stab gleichmäßig gestrahlt werden muss, das heißt, die gesamte Oberfläche des Stabes muss vom Zunder befreit werden“, sagt Kammermeier.

Die zuvor eingesetzte Strahlanlage war mit drei Schleuderrädern ausgestattet, was eine schlechte Winkelüberdeckung zur Folge hatte. Es kam vor, dass die Mitarbeiter in der Adjustage 3 das Material zwei Mal strahlen mussten, um die gesamte Staboberfläche vom Zunder zu befreien. „Die neue Anlage hat vier Schleuderräder und damit ist die Winkelüberdeckung zu jeder Zeit gegeben. Dadurch kann auch bei höheren Durchlaufgeschwindigkeiten stets ein optimales Strahlergebnis erzielt werden. Dies war vorher nicht möglich“, erläutert der Assistent der Geschäftsführung.

Am Strahlen als Bearbeitungsverfahren für das Entzundern hält das Stahlwerk dabei bewusst fest, nach langjährigen und guten Erfahrungen mit der alten Anlage. „Wir haben uns auch die Möglichkeit des Laserentzunderns angesehen, dies wäre aber sehr kostenintensiv gewesen“, sagt Kammermeier.

Agtos hat es dann geschafft, die neue Strahlanlage in nur zweieinhalb Wochen aufzubauen, wie Kammermeier weiter berichtet. Dabei wurde nur die Anlage selbst ersetzt, Auflage- und Entnahmeeinrichtungen blieben bestehen. Auch sonst ist er von der Zusammenarbeit angetan, wie er sagt: „Wir haben uns sehr gut beraten gefühlt. Bei den technischen Klärungen hat uns das Gesamtkonzept aus Strahlanlage, Lärmschutz und Filteranlage überzeugt. Auch verschiedene Details wie die Ausführung der Schleuderräder oder die Auskleidung der Strahlkammer trugen zu unserer Entscheidung bei.“

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