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Interview

„Es ist Zeit für ein Umdenken!“

| Autor: Victoria Sonnenberg

Im Zweijahresrhythmus veranstaltet der koreanische Maschinenhersteller Doosan Machine Tools die DIMF – Doosan International Machine Tools Fair. Kunden und Partner aus aller Welt sehen dort als Erstes die Innovationen des Unternehmens.

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V.l.: Jeongjin Kim, Senior Vice President, Development Center, Doosan Machine Tools Co. Ltd., und Henry Kim, CEO Doosan Machine Tools Europe GmbH, auf der DIMF 2019.
V.l.: Jeongjin Kim, Senior Vice President, Development Center, Doosan Machine Tools Co. Ltd., und Henry Kim, CEO Doosan Machine Tools Europe GmbH, auf der DIMF 2019.
(Bild: Sonnenberg)

Doosan Machine Tools blickt als im Vergleich junges Unternehmen zwar auf eine nicht allzu lange, dafür aber auf eine recht erfolgreiche Historie zurück. Mit bislang mehr als 200.000 verkauften Maschinen, mehr als 350 Maschinen im Portfolio und einem globalen Händlernetz mit weltweit 167 Vertretungen etablierte sich Doosan als Global Player. Wie es dazu kam und welche Wünsche für die Zukunft noch offen sind, erklären Henry Kim, CEO Europe, und Jeongjin Kim, Senior Vice President Development Center, im Gespräch mit dem MM Maschinenmarkt.

Seit 1997 veranstaltet Doosan die DIMF. Wie kam es zu diesem Schritt?

H. Kim: Diese Zeit war wirtschaftlich gesehen sehr schwierig. Südkorea befand sich wie andere Staaten inmitten der Asienkrise. Als „Nachzügler“ der Branche hatten wir gerade eine neue Produktreihe entwickelt und wollten diese dem Markt und unseren Kunden zugänglich machen. Daraus entstand die Idee und auch die Umsetzung der 1. DIMF, die so erfolgreich wurde, dass sie seitdem alle zwei Jahre veranstaltet wird.

Welche Erkenntnis ging mit dieser Entwicklung für Sie einher?

J. Kim: Dass das Kundenbedürfnis an erster Stelle stehen muss – was der Erfolg der 1. DIMF und die positive Kundenresonanz bestätigt. Deshalb sind wir bestrebt, Kundenbedürfnisse immer besser zu verstehen und auf die Entwicklung unserer Produkte und Technologien anzuwenden. Die DIMF ist die perfekte Veranstaltung, um mit dem Kunden in den direkten Dialog zu treten. Als Ergebnis dieser Entwicklung konnte Doosan Machine Tools deutlich wachsen und die DIMF als für alle Seiten wertstiftende Messe etablieren.

Seit der ersten DIMF sind mehr als 20 Jahre vergangen. Wie würden Sie die Entwicklung von Doosan in dieser Zeit beschreiben?

J. Kim: In unseren Anfängen haben wir uns auf Standardprodukte fokussiert und eine Kundenbasis geschaffen, vor allem mit kleineren Herstellern von Automobilteilen und Standardmaschinenteilen. Mit der Entwicklung von großen und komplexen Maschinen kamen Kunden aus den Bereichen Energie, Bauindustrie, Luftfahrt, Medizintechnik, der Halbleiterindustrie, aber auch aus dem Formenbau hinzu. In Hinblick auf Komplexität und Flexibilität sind unsere Produkte wettbewerbsfähig. In Zukunft planen wir diese Wettbewerbsfähigkeit auch im Bereich der High-End-Maschinen.

Wettbewerbsfähigkeit geht heute auch oft mit dem viel diskutierten Begriff Industrie 4.0 einher. Ist Industrie 4.0 für Doosan ein großes Thema?

H. Kim: Natürlich ist Industrie 4.0 auch für uns der Schlüssel, um komplexe Produktionssysteme beherrschbar zu machen. In Korea sprechen wir allerdings von Smart Factory.

Sie bieten bereits entsprechende Lösungen an. Wie smart ist Ihre eigene Fertigung?

H. Kim: Unser Ziel ist die Überwachung und Analyse aller Produkte über den gesamten Lebenszyklus – vom Auftrag über das Design und die Produktion bis hin zum Service, um dabei Probleme zu eliminieren, bevor diese überhaupt entstehen können. Das ist unsere Vorstellung von der smarten Zukunft. Der Status quo sieht so aus, dass wir den Zustand unserer Produktionsanlagen im Verbund in Echtzeit überwachen und analysieren. Im zweiten Schritt soll das System mittels künstlicher Intelligenz auf der Grundlage großer Datenmengen eine vorausschauende Beurteilung vornehmen können.

Neben Industrie 4.0 beschäftigt sich Doosan mit Automatisierung. Was ist derzeit „State of the Art“ und was wird auf der EMO Hannover 2019 gezeigt?

J. Kim: Wir bieten ein großes Portfolio von Automatisierungslösungen an. Zum Beispiel den Quick Loader mit einer Beladungszeit von 2,9 s für Kugellagerringe. Das Automatisierungssystem wurde zur Steigerung der Produktivität entwickelt. Zusätzlich sind zahlreiche Applikationen möglich, wie beispielsweise Gantry- und Industrieroboter, aber auch Roboter auf fahrerlosen Transportsystemen. Darüber hinaus bieten wir für Doosan-Bearbeitungszentren eine Vielzahl von Mehrfachpaletten-/Arbeitssystemen an. Auf der EMO 2019 zeigen wir Ideen für den Zerspaner von morgen mit zwei Bearbeitungszentren, einem mobilen Roboter sowie einem Portalladesystem.

Auch die Komplettbearbeitung ist derzeit ein Thema für Sie ...

J. Kim: Das Drehen und Fräsen von Composites, das auf einem Drehzentrum begann, ist bereits eine alte Technologie. Dennoch muss bei einem großformatigen Drehzentrum ein Getriebe zur Erhöhung des Drehmoments der Hauptspindel eingesetzt werden. In diesem Fall ist es ein technologischer Unterschied, das unvermeidliche Getriebespiel beim Antreiben der C-Achse zu überwinden. Im neuen Maschinenmodell SMX 5100L konnte eine spindelfreie C-Achse entwickelt werden, die den Getriebezug des Drehmodus und den des Fräsmodus wechselt. In den 5-Achs-Maschinen der DVF-Baureihe wurden Drehen und Fräsen in einer Maschine kombiniert, indem der Drehtisch und die Hauptspindel mit Drehfunktion ausgestattet wurden – einer Funktion, die unerlässlich ist für das Verzahnungsfräsen.

Mit Cufos haben Sie eine intuitive Bedienoberfläche entwickelt. Was hat es damit auf sich?

H. Kim: Cufos (Customized User Friendly Flexible Operating System) ist eine offene Steuerung von Doosan. Maschinen, die damit ausgestattet sind, unterstützen vielfältige Funktionen, so zum Beispiel ein System zum Kollisionsschutz, ein Multipaletten-Betriebssystem oder das Werkzeugmanagement. Derzeit verfügbar für Multitaskingmaschinen, wird Cufos bald auch für 5-Achs-Maschinen erhältlich sein.

Bedienerfreundlichkeit ist demnach auch ein Thema bei Doosan?

H. Kim: Wenn man es technologisch unnötig übertreibt, kann das bei Kunden oft einen negativen Effekt haben. Doosan verfolgt daher die Praktikabilität aus Kundensicht. Da liegt auch die Stärke von Doosan, dass wir uns bei den Grundfunktionen treu bleiben. Unsere koreanische DNA macht sich zudem nicht nur in der Verantwortung gegenüber unseren Produkten, sondern auch in Hinblick auf unseren intensiven Kundenkontakt bemerkbar.

Welche Rolle spielt Ihr koreanisches Verantwortungsbewusstsein für Deutschland?

H. Kim: Doosan hält in Korea 35 % Marktanteil und zählt zu den führenden Unternehmen mit dem Ziel, global die Nummer 3 zu werden. In Deutschland merken wir noch Zurückhaltung, was die Wahl koreanischer Maschinen betrifft. Allerdings bemerken wir auch, dass sich bei den deutschen Kunden langsam ein Wandel hin zum Umdenken zeigt. Die Zeit ist reif dafür!

Die EMO Hannover 2019 wird dafür die nächste Bühne bieten. Worauf darf der Besucher gespannt sein?

J. Kim: Natürlich stellen wir verschiedene neue Maschinen aus. Interessant für jeden Besucher werden allerdings die Automationslösungen sein. Wir sind sehr auf die Reaktionen gespannt.

Wo sieht sich Doosan in Zukunft?

H. Kim: Im Segment der Standardmaschinen nehmen wir bereits eine führende Rolle in der Branche ein. Nun arbeiten wir daran, dass Doosan in Zukunft auch in der High-End-Branche an Relevanz gewinnt.

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Victoria Sonnenberg

Victoria Sonnenberg

Redakteurin MM MaschinenMarkt, MM MaschinenMarkt