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Studie Führungskräfte in der Identitätskrise

| Autor: Melanie Krauß

Jede dritte Führungskraft in Deutschland fühlt sich belastet und verunsichert. Damit verschenken Unternehmen viel Potenzial, obwohl die Bedingungen für wirksame Führung bekannt sind.

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Selbstzweifel und erhöhte Belastung: Führungskräfte haben es nicht leicht.
Selbstzweifel und erhöhte Belastung: Führungskräfte haben es nicht leicht.
(Bild: ©Romolo Tavani - stock.adobe.com )

Führungskräfte fühlen sich häufig nicht ausreichend unterstützt und leiden an Selbstzweifeln. Dies ist das Ergebnis des neuen „Führungskräfte-Radars 2019“ der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung (RMI) an der Universität Witten/Herdecke. So leiden der Studie zufolge 30 % der Befragten unter einer hohe Führungsbelastung. Jede fünfte Führungskraft (21 %) glaubt, den eigenen Ansprüchen an eine Führungskraft nicht gerecht zu werden. Jeder Vierte (26 %) stimmt der Aussage zu, mehr zu einer Gruppe beizutragen, wenn sie von jemand anderem geführt wird.

Dies stellt den Forschern zufolge ein gravierendes Führungsproblem für Unternehmen dar: Eine hohe Belastung wirke sich signifikant negativ auf den Erfolg von Führung aus. Dadurch gebe es beispielsweise weniger Verbesserungen in der Produktivität und eine erkennbar geringere Mitarbeiterzufriedenheit.

Unklare Ziele, viel Bürokratie und Zweifel an Mitarbeitern

Insbesondere Führungskräfte mit hoher Führungsbelastung klagen über diffuse Unternehmensziele und zu viel Bürokratie für die eigenen Aufgaben. Zudem nehmen sie Mitarbeiter in ihrem Führungsumfeld häufiger als destruktiv war. Im Gegensatz dazu empfinden Führungskräfte mit einer geringeren Belastung ihre Aufgaben häufiger als klar (87 % zu 82 %) und den Aufgabenbereich als weniger stark formalisiert (44 % zu 56 %).

Der größte Unterschied zwischen den beiden Gruppen zeigt sich jedoch im Bezug auf die Mitarbeiter. So ergab die Studie, dass rund 45 % der stark belasteten Führungskräfte eine skeptische Haltung zu ihren Mitarbeitern haben. Bei den weniger belasteten sind es lediglich 16 %. Das ist besonders gefährlich. Denn gelingt es den Führungskräften nicht, die Motivation ihrer Mitarbeiter zu steigern, zeigt sich den Forschern zufolge ein Demotivationseffekt direkt bei den Führungskräften. Als Resultat droht ein Teufelskreis, bei dem die Leistung auf beiden Seiten abnimmt.

Führungskräfte befähigen

Wirksame Führung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie hängt auch von günstigen Bedingungen im Unternehmen ab. „Führungskräfte selbst brauchen motivierende und unterstützende Bedingungen, um wirksam zu führen und eine kreative und innovative Arbeitsatmosphäre für ihre Teams zu schaffen sowie Veränderungen umzusetzen“, sagt Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung.

In Entwicklungsgesprächen mit Führungskräften empfehlen die Experten daher, die Belastung zu thematisieren. Mit ebenenübergreifenden Workshops und Coachings können Personalabteilungen ihren Führungskräften Unterstützung anbieten.

Jede Führungskraft muss an sich arbeiten, wenn sie ihrem Anspruch gerecht werden will. Manchmal erfordert es jedoch auch einen beherzteren Schritt: Wer dauerhaft unter der Führungsverantwortung leidet, soll sich, so die Forscher, aus der Verantwortung nehmen und andere Aufgaben wahrnehmen.

Seminartipp

Das Seminar Ingenieure als Führungskraft hilft Fachkräften dabei sich auf Ihre Aufgabe als Führungskraft vorzubereiten. Themen sind unter anderem:

  • Selbstmanagement und Zeitmanagement,
  • Kommunikationstheorie und Gesprächsführung,
  • Teamentwicklung und Teamanalyse,
  • Kreativtechniken

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Über den Autor

 Melanie Krauß

Melanie Krauß

Redakteurin Management & IT und Karriere & Weiterbildung