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Security beeinflusst Safety
„Doch gerade im Zusammenhang mit Industrie 4.0 wird es auch um den Einfluss der Security auf die Safety gehen“, betont VDMA-Mann Steiger. Denn bei vernetzten Systemen könne es neue Einflussgrößen auf die Gefährdung geben. Dazu meint Matthias Wolbert, Abteilungsleiter Vertrieb und Marketing bei Newtec in Mannheim: „Bisher gilt: So wie eine Anlage geplant ist, wird sie abgenommen und in Betrieb genommen. Bei Industrie 4.0 sprechen wir aber von sich selbst rekonfigurierenden Anlagen, die sich bedarfsgerecht neu organisieren… Das erfordert einen kompletten Umdenkungsprozess, auch im Dienstleistungssektor und bei den Komponentenherstellern.“
Newtec ist ein Entwicklungs- und Beratungshaus und beschäftigt sich intensiv sowohl mit Lösungen für die funktionale Sicherheit wie auch für die Security. „Jede einzelne Komponente muss zukünftig für sich gesehen sabotagesicher und zugriffssicher sein.“ Das gilt nicht nur für Industrie-4.0-Anwendungen, wie Jablonski betont: „Wir haben heute in den Unternehmen zahlreiche offene SPS installiert, die gar nicht Industrie-4.0-gerecht ausgelegt sind. Den Unternehmen ist oft gar nicht bewusst, dass sie damit eine offene Datentür im Betrieb haben.“
Security-Bewusstsein fehlt teilweise noch
Die Hersteller von Automatisierungstechnik hätten bereits auf diese Bedrohungslage reagiert, betont Wangelis Porikis, Sales Support PLC bei ABB Automation Products in Heidelberg: „Wir haben einen hohen Aufwand betrieben, um unsere SPS gegen Hackerangriffe zu sichern. Allerdings ist die Resonanz bei den Kunden eher bescheiden. Viele scheinen die Gefahr einfach nicht zu sehen.“ Das bestätigt auch Wolbert: „Viele Maschinenbauer, die wir kennen, gehen von einem Sunny-Day-Szenario aus – sie meinen, ihre Anlage ist eine Einzellösung und halten es für unwahrscheinlich, dass sie angegriffen wird.“
Jedoch mahnt Steiger, nicht zu komplexe Systeme zum Schutz von Maschinen zu entwerfen: „Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Im Maschinenbau stehen oftmals nicht die finanziellen und personellen Mittel zur Verfügung wie in der Prozessindustrie, um funktionale Sicherheit mit aufwendigen Methoden zu realisieren. Es werden daher Ansätze benötigt, die zum Beispiel auch für den Sondermaschinenbau handhabbar sind. Die bisherigen Normen zur funktionalen Sicherheit bieten das nach meiner Auffassung so nicht.“
Allerdings halte er es nicht für notwendig, die „Über-Norm“ ISO 12100 dafür zu ändern. „Denn mit der Vernetzung entstehen ja keine neuen Gefährdungen, sondern nur neue Phänomene, die zu einer Gefährdung führen können. Diese neuen Trigger muss man in der Normung jetzt auch mit ansprechen, wobei ich da eher die Normen im Fokus sehe, die Komponenten beschreiben“, so Steiger.
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