Hannover Messe Preview Politik, Industrie und wichtige Themen in Hannover

Von Ralf Steck steck 5 min Lesedauer

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Neues Hallenlayout, neue Formate für Aussteller und Besucher, eine prominent besetzte Center Stage – Die Hannover Messe präsentiert sich vom 20.-24. April 2026 in vielen Aspekten neu aufgestellt. Brasilien ist Partnerland 2026.

Messechef Dr. Jochen Köckler begrüßte auf der Hannover Messe Preview über 100 internationale Journalisten.(Bild:  Raf Steck)
Messechef Dr. Jochen Köckler begrüßte auf der Hannover Messe Preview über 100 internationale Journalisten.
(Bild: Raf Steck)

Vor mehr als 100 Journalisten präsentierte Dr. Jochen Köckler, der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Messe AG, die Neuheiten rund um die Hannover Messe 2026. Die auffälligste Neuerung ist sicherlich der neue Hallenplan. Die bisher immer genutzte „einstellige“ Hallenreihe 2-9 bleibt geschlossen, die gesamte Messe verschiebt sich nach Westen rund um das Freigelände.

Schon seit Corona hatte die Hannover Messe die Halle 19-27 nicht mehr genutzt und sich auf den östlichen Teil der Messe mit den beiden Hallenzügen 2-9 und 14-17 sowie die südlichen Hallen 11-13 beschränkt. Die große, aber sehr Halle 1 ist schon seit vielen Jahren nicht mehr Teil der Hannover Messe.

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Nun verschiebt die Deutsche Messe die Messe zuzusagen „eins nach links“ und nutzt die Hallen 14-17 als östlichen Bereich, 11-13 im Süden, 23, 25 und 26 im Norden und die große Halle 27 im Westen. Im Zentrum befindet sich das Freigelände mit dem großen Expo-Holzdach und dem Hermesturm. Die auf dem Freigelände befindlichen Pavillons 32-35 werden laut Hallenplan nicht bespielt. Der neue Hallenplan ist kompakt und gut nutzbar – die Deutsche Messe macht das Beste aus der geschrumpften Ausstellungsfläche.

Prominente Besucher und ein großer Teil des Bundeskabinetts

Für Aussteller und Besucher bietet die Hannover Messe in diesem Jahr einige interessante Events und Areas – angefangen bei der Center Stage. Auf dieser tummeln sich prominente Redner von Luiz Inácio Lula da Silva, Präsident der Föderativen Republik Brasilien und Bundeskanzler Friedrich Merz über „Löwe“ Carsten Maschmeyer, Accenture-Chefin Julie Sweet und Schneekoppe-Inhaber (sowie Fußballweltmeister) Phillip Lahm bis hin zu Siemens-CEO Roland Busch und Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Mit Rev Lebaredian, Vice President of Omniverse, ist KI-Topfirma Nvidia prominent vertreten.

Auch zu anderen Gelegenheiten werden sich Politiker aus Bund und Ländern die Messeschwingtür in die Hand geben, nicht zuletzt die Bundesminister Bär, Reiche, Klingbeil, Pistorius und Wildberger. Ein Deep-Dive in die Welt der Automatisierung und des Maschinenbaus wird sicher interessante Erkenntnisse bringen.

Passend zum Boom der Verteidigungswirtschaft wird ein Defense Production Area in Halle 25 Tipps geben, wie Unternehmen an diesem Boom teilhaben können. Das Thema ist am Messe-Dienstag auch auf der Center Stage präsent. Ebenso mit Schwerpunkten herausgehoben sind unter anderem die Themen „5G & Industrial Wireless“, „AI Experience Pavilion“, „Digital Business & Operations“, „Industrial Security“, „Predictive Maintenance & Machine Learning“ sowie „Robotik, Logistik & Automation“.

Master Classes: Ausgesuchte Themen, ausgesuchte Teilnehmer

Ein interessantes Format, das im letzten Jahr getestet wurde und in diesem Jahr breiter ausgerollt werden soll, sind Master Classes und Round Tables, die in den „Solution Labs“, Eventflächen in jedem Schwerpunktbereich, stattfinden. Mit Themen zu diesen einstündigen Master Classes und Round Tables konnten sich die Aussteller um Slots in den Bereichen „Automatisierung & Digitalisierung“ (Halle 26), „Energie & Industrieinfrastruktur“ (Halle 12) sowie „Forschung & Technologietransfer“ (Halle 11) bewerben. Das Angebot war stark gefragt, die Messegesellschaft konnte aus über 200 Einreichungen auswählen.

Die Besucher müssen sich ebenfalls um die Teilnahme an den Master Classes bewerben, die Slots sind auf je 40 Teilnehmer beschränkt. Bei Überbuchung – und es scheinen sich auch hier schon teils über 200 Besucher für ein Thema zu interessieren – entscheidet der veranstaltende Aussteller, wer die Master Class besuchen darf. So wird auch im Publikum eine hochklassige Auswahl sitzen.

So bietet die Hannover Messe ein zwiespältiges Bild – auf der einen Seite schrumpfen die Ausstellungsfläche und die Zahl der Aussteller tendenziell immer mehr: Im Jahr des Besucherrekords 2017 waren es rund 6.500, 2026 noch 3.500. Damals waren es übrigens 225.000 Besucher, während man im laufenden Jahr etwa 123.000 erwartet.

Das führt natürlich zwangsläufig die ursprüngliche Idee der Hannover Messe, die deutsche Industrie in ihrer Breite abzubilden, ad absurdum. Auf der anderen Seite isat es unfair, diesen alten Ideen nachzutrauern und die Messe an diesen Jahren zu messen – der Trend geht seit vielen Jahren zu Spezialmessen für bestimmte Branchen, Themen oder Gegenden.

Auf der anderen Seite werden in Hannover auch in diesem Jahr die wichtigsten Themen verhandelt, die aktuell die Industrie prägen: KI, Digitalisierung, Automatisierung, Energie und Defence. Sonderevents mit prominenten Sprechern, Master Classes und andere Besucherangebote werden augenscheinlich gut angenommen und es gibt auch in diesem Jahr prominente Neuzugänge wie Rockwell Automation.

Und nicht zu vergessen: Die Hannover Messe ist DIE internationale Industriemesse in Deutschland. Das ließ sich alleine an der Journalistenschar ablesen, die bei keinem Event so international ist wie bei der Hannover Messe.

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Als Besucher wird man einen guten Überblick über diese wichtigen Themen und die Lösungen der Industrie dazu erhalten – und diesen breiten Überblick können Spezialmessen nun einmal nicht liefern. So bleibt Hannover eine Reise wert.

Die Hannover Messe steht für die großen Themen

Jaja, jedes Jahr das Gleiche: Die Hannover Messe schrumpft, wird irrelevant, ist nicht fokussiert genug. Die Ausstellerzahlen schrumpfen, die Besucherzahlen schrumpfen, die Ausstellungsfläche schrumpft. Nächstes Jahr müssen wir nicht mehr hin.

Und jedes Jahr machen wir uns wieder auf, im Frühjahr nach Hannover. Kein Fachjournalist und kein Entscheider aus der Industrie, aber eben auch kaum ein Politiker aus Bund und Ländern kann es sich leisten, nicht nach Hannover zu fahren. Denn am Ende ist die Hannover Messe doch wieder der Treffpunkt, auf dem die Industrie die großen Themen verhandelt: Demografischer Wandel, KI, Digitalisierung, der Wandel der Industrie insgesamt.

Solche übergeordneten Themen wird man auf den besser laufenden Spezialmessen nie in der Breite besprechen und diskutieren können wie in Hannover, denn hier ist genau die fehlende thematische Zuspitzung der Hannover Messe kein Nachteil, sondern Programm. Das zeigt sich auch an der Liste der angekündigten Politiker, die eben nicht das neueste Schräubchen interessiert, sondern genau diese „Großthemen“.

Eine ganz wichtige Funktion dieser Messe bleibt damit auf jeden Fall erhalten: Hannover ist das Event, wo sich Politik und Industrie treffen – welche anderen Industriemessen besucht denn ein großer Teil des Bundeskabinetts inklusive Kanzler? Wo sonst können Verbände und Unternehmer mit den Entscheidern in Bund und Ländern verhandeln, welche Rahmenbedingungen die deutsche Industrie braucht? Kaum eine Frage ist aktuell wichtiger.

Und so treffen wir uns wie jedes Jahr in Hannover, meckern über das (meist dann doch überraschend gute) Wetter und die Messe und sind doch wieder voller neuer Ideen und Erkenntnisse, wenn wir heimreisen.

Ein Kommentar von Ralf Steck

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