Der Einsatz von KI in der Industrie treibt die nächste industrielle Revolution voran. Dafür sind Daten und deren Verarbeitung sowie eine leistungsfähige Infrastruktur Voraussetzung. Deshalb setzt die Hannover Messe nun auf das Thema Datacenter.
Ohne leistungsfähige KI-Rechenzentren kann die Industrie KI-Anwendungen nicht skalieren.
(Bild: Deutsche Messe)
Für die Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Industrie ist Zugriff auf riesige Datenmengen nötig. Dadurch steigen die Anforderungen an Rechenleistung, Speicherplatz und Konnektivität kontinuierlich. Um KI-Anwendungen skalieren zu können, benötigen Anbieter deshalb robuste Datacenter. Welche Möglichkeiten es gibt, will die Hannover Messe zeigen. Neben Anbietern von KI-Lösungen für Fabriken, Energiesystemen und Lieferketten werden Unternehmen, die Datacenter planen, bauen und betreiben, auf der Messe ausstellen.
Förderung für (eine) Gigafactory
Im Juli 2026 hat die Europäische Kommission die Ausschreibung für bis zu sieben AI Gigafactories eröffnet. Dabei handelt es sich um Datacenter, die für das Training und die Weiterentwicklung von KI genutzt werden sollen. Jedes Center soll über 100.000 KI-Beschleuniger verfügen. Mit bis zu 10 Milliarden Euro öffentlichen Mitteln sollen mindestens 20 Milliarden Euro private Investitionen mobilisiert werden. Laut Bundesregierung soll mindestens eine Gigafactory in Deutschland entstehen. Die Auswahl ist für Anfang 2027 geplant, unmittelbar vor der Hannover Messe.
AI Gigafactories decken den enormen Rechenbedarf zentraler KI-Modelle ab. Für viele industrielle Anwendungen, etwa in der Qualitätssicherung oder im Energiemanagement, sind jedoch kleinere, dezentrale Kapazitäten mit minimaler Verzögerung erforderlich. Die Wahl des richtigen Datacenters (vor Ort, ausgelagert oder in der Cloud) richtet sich stets nach dem jeweiligen Anwendungsfall. In der Praxis setzen sich daher zunehmend hybride Systemarchitekturen durch.
„Die großen KI-Projekte in Europa stehen erst am Anfang. Niemand weiß heute genau, wie das KI-Rechenzentrum von morgen aussieht – deshalb müssen wir Standort, Energie und Architektur von Anfang an zusammendenken“, erklärt Alexander Hauser, Geschäftsführer, Hyceon (vormals TTSP HWP) sowie Beirat und designierter Vizepräsident der GDA (German Datacenter Association). „Rechenzentren werden Teil der industriellen Infrastruktur – etwa, wenn ihre Abwärme Quartiere und Produktionsstandorte versorgt.“
Power für die Industrie von morgen
Perspektiven für zukunftsfähige Energieversorgung von Produktionsbetrieben
(Bild: VCG)
Von der Energiebeschaffung über Eigenstromversorgung und Speicherkonzepten bis hin zu Effizienzstrategien in der Energienutzung: der INDUSTRIAL ENERGY SUMMIT vernetzt Entscheider, Ingenieure und industrielle Anwender und liefert Antworten auf die Frage, wie eine wettbewerbsfähige Energieversorgung für Fertigungsbetriebe konkret aussieht. Die Themen und Lösungen der Veranstaltung sind praxisnah, technisch fundiert, und insbesondere für die produzierende Industrie von essenzieller Bedeutung.
Datacenter Pavilion in Halle 17: Treffpunkt für Lösungen
Der Datacenter Pavilion in Halle 17 bietet Anbietern von Datacenter-Lösungen eine gezielte Plattform für den Industriemarkt. Im Umfeld der Themen KI, Konnektivität und IT/OT-Sicherheit treffen Aussteller dort auf Entscheider, die nach digitalen Infrastrukturen suchen. Auf dem Freigelände daneben steht ein Datacenter in Stahlmodulbauweise, das komplett ohne Beton auskommt. Es folgt den Vorgaben der EU-Taxonomie sowie den Prinzipien des zirkulären Bauens und dient als Beispiel für nachhaltige Entwicklung und die Verringerung von Treibhausgasemissionen.
Darüber hinaus präsentieren weitere Unternehmen aus den Bereichen Automatisierung, Digitalisierung und Energie Produkte und Anwendungen für AI Gigafactories und industrielle Infrastrukturen. Dazu zählen beispielsweise Amazon Web Services, Connaxion, Hyceon, IONOS, Leadership Datacenter, Logstrup, Rittal, Schneider Electric, Schwarz Digits und Siemens.
Das Themenspektrum reicht von KI-Datacenter und Hochleistungsrechnern über flexible Cloud-, Miet- und dezentrale Serverstrukturen bis hin zu konkreten Industrieanwendungen in den Bereichen Produktion, Automatisierung, Qualitätssicherung und Energiemanagement. Nachhaltige Infrastruktur bildet einen weiteren Schwerpunkt: Es handelt sich dabei um Lösungen für die Stromversorgung, den Netzanschluss, die Kühlung und die Abwärmenutzung.
Vorträge auf der Center Stage und in den Solution Labs
„Rechenzentren sind die Fabriken der digitalen Zukunft. KI braucht Compute, Compute braucht Infrastruktur. Der Datacenter-Fokus der Hannover Messe 2027 schließt die industrielle Wertschöpfungskette“, betont Holger Zultner, Geschäftsführer von Leadership Datacenter.
Das Rahmenprogramm hebt das Thema Datacenter ebenfalls hervor. Auf der Center Stage geht es am Messedienstag in einer Session um das Thema „AI Resilience & Sovereignty“. Unter dem Motto „Datacenter Denkfabrik” stehen die Solution Labs am Dienstag- und Mittwochvormittag ganz im Zeichen von Datacenter. In Masterclasses, Roundtables und Fachvorträgen treten Anbieter mit Anwendern in den direkten Dialog, um deren konkrete Anforderungen an Rechenleistung, Energieeffizienz und Konnektivität zu erfahren.
Stand: 08.12.2025
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