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Herausforderungen im USA-Markt nach der Trump-Wahl

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Verunsicherung aber keine Panik

Auch Insider wie Kai Bitter waren vom Wahlausgang überrascht und zögern mit einer Bewertung: Der für die Kanzlei Frost Brown Todd in Cincinnati tätige Anwalt sagt: „Noch sind die Auswirkungen der protektionistischen Ausrichtung der neuen Administration kaum absehbar. Änderungen sind insbesondere im Hinblick auf den NAFTA-Vertrag sehr wahrscheinlich.“

Er gehe davon aus, dass Unternehmen, die den US-Markt von Mexiko aus beliefern (wie Audi mit dem neuen Q5), einem erheblichen Risiko ausgesetzt sind, dass sich der Export in die USA signifikant verteuern wird. „Um den US-Markt unabhängig von den möglichen Änderungen in Handelsabkommen beliefern zu können, werden Unternehmen wohl auch in den USA produzieren müssen. Und gerade dies ist ja das erklärte Ziel von Donald Trump.“

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Der im Bundesstaat Ohio sehr gut vernetzte Bitter bestätigt, dass die angekündigten Steuersenkungen und Infrastrukturinvestition für deutsche Unternehmen, die bereits in den USA produzieren, positiv zu bewerten seien. Allerdings weist er auf Probleme hin, wenn diese global tätigen Unternehmen Muslime als Mitarbeiter in die USA schicken wollen. „Gespräche mit deutschen Mittelständlern, die bereits in den USA tätig sind oder derzeit Akquisitionen planen, zeigen Verunsicherung, aber keine Panik. Der US-Markt ist weiterhin sehr interessant. Ich denke, dass wir spätestens am Ende des ersten Quartals des nächsten Jahres besser absehen können, was uns erwartet.“ sagt Bitter.

Beispiel Hahn Automation

Mit der Ankündigung arbeitslose Bergarbeiter und Holzfäller wieder in Lohn und Brot zu bekommen, spricht Trump zwar ein gravierendes Problem der USA derzeit an, ob das durch Protektionismus nachhaltig gelöst wird, ist jedoch fraglich. Eines der Haupthemmnisse: Es besteht weiterhin eine Kluft zwischen den Fähigkeiten, die Arbeitgeber fordern, und den Fähigkeiten, die Arbeitssuchende besitzen.

Beispiel Hahn Automation, Hersteller von Spezialmaschinen für die automatisierte Fertigung, der überwiegend die Automobil- und deren Zulieferindustrie beliefert. Aus dem anfänglichen Vertriebs- und Servicestandort wurde aufgrund des rasanten Wachstums (40 Prozent Umsatzplus pro Jahr) schnell der Produktionsstandort in Hebron, im nördlichen Teil des Bundesstaates Kentucky an der Stadtgrenze zu Cincinnati.

Um dieses Wachstum zu stemmen, sind auch bei Hahn gut ausgebildete Mitarbeiter notwendig. Neben zuverlässiger Automatisierungstechnik sei die Qualifizierung von Mitarbeitern eines der zentralen Themen, sagt John Baines, Hahns Nordamerika-Präsident. Für ersteres nutze man das Netzwerk auch vieler deutscher Unternehmen. Beim Thema Bildung geht das Unternehmen zweigleisig vor. Zum einen werden deutsche Ausbilder und Nachwuchskräfte in die USA geholt (siehe auch Bild in der Bildergalerie zum Beitrag).

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