Kein anderes Land hat so viele Hidden Champions wie Deutschland. Was dahinter steckt und was man von ihnen lernen kann.
Hidden Champions spielen in Deutschland eine besonders große Rolle für die Wirtschaft.
(Bild: KI-generiert)
Was sind Hidden Champions?
Der Begriff „Hidden Champions“ stammt aus den 90er-Jahren und wurde geprägt vom deutschen Wirtschafts-Wissenschaftler Hermann Simon. Es handelt sich dabei um mittelständische Unternehmen, die in ihrem Marktsegment oder ihrer Nische global führend sind. Das heißt, sie sind in ihrer Branche die Nummer eins, zwei oder drei auf dem Weltmarkt. Oder alternativ: die Nummer eins auf ihrem Heimatkontinent.
Weitere Kriterien: Der Jahresumsatz beträgt dabei in der Regel weniger als drei Milliarden Euro. Und die Unternehmen sind in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt. Daher der Begriff „Hidden“, zu Deutsch: versteckt.
Dies ist oftmals darauf zurückzuführen, dass es sich um Unternehmen aus dem B2B-Bereich handelt. Das heißt, der Endverbraucher ist nicht der Abnehmer. Während der Sportartikel-Hersteller Adidas vielen ein Begriff sein dürfte, gilt das nicht für DMG Mori. Dabei ist das Unternehmen einer der weltweit bedeutendsten Hersteller von Werkzeugmaschinen.
Ihre Position am Markt beruht oftmals nicht auf Kostenvorteilen. Vielmehr basiert sie auf der eben dieser Innovation und einem hohen Forschungsanteil. Die Unternehmen haben eine hohe Fertigungstiefe und entwickeln viel selbst. Dadurch können ihre Produkte nicht so leicht imitiert werden.
In der Wirtschaft spielen sie eine wichtige Rolle. Das trifft insbesondere auf Deutschland zu, da hier besonders viele Hidden Champions angesiedelt sind. Diese tragen erheblich zur wirtschaftlichen Stabilität und zum Exporterfolg bei.
Was sind die Hidden Champions in Deutschland?
Die große Mehrheit der Hidden Champions in Deutschland stammt aus der Industrie. Laut einer Auswertung von „Die deutsche Wirtschaft“ handelt es sich um ganze 87 Prozent. Deutlich geringer ist die Anzahl bei den Dienstleistern (11 Prozent) und im Handel (2 Prozent).
Doch: In welcher Branche gibt es die meisten Hidden Champions? Insbesondere der Maschinenbau ist hier stark vertreten. Von den 3000 erfassten Unternehmen stammen mehr als 10 Prozent (311) aus dieser Branche. Auf Platz zwei und drei folgen Automobil-Zulieferer (122) und die Elektrotechnik (121).
Die meisten Hidden Champions stammen dabei aus Nordrhein-Westfalen (520), Baden-Württemberg (498) und Bayern (431). Das liegt unter anderem daran, dass sich in diesen Bundesländern Industrie-Schwerpunkte befinden.
So ist Bayern beispielsweise die Heimat für BMW und Audi. In Baden-Württemberg haben Unternehmen wie Daimler und Porsche ihren Sitz. Nordrhein-Westfalen ist hingegen eine der wichtigsten Chemie-Regionen in Europa und historisch stark vom Stahl geprägt.
Welches Land hat die meisten Hidden Champions?
Mit knapp 1.600 Hidden Champions hat Deutschland mit Abstand die meisten Hidden Champions. Das zeigt eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft. Von den weltweit insgesamt 3.400 Hidden Champions entspricht das knapp der Hälfte.
Auf Platz zwei folgt dann die USA mit 350 und auf Platz drei Japan mit 283 Hidden Champions. Berücksichtigt man jedoch die Einwohnerzahlen, ergibt sich ein anderes Bild. Dann nämlich liegen Österreich und die Schweiz mit jeweils 171 auf Platz zwei und drei. Der deutschsprachige Raum macht somit mehr als die Hälfte (56 Prozent) aller Hidden Champions weltweit aus.
Erwähnenswert ist zudem China. Die Republik hat angelehnt an das Konzept des Hidden Champion bereits 2021 ein Programm aufgelegt. Darüber sollten eigene, sogenannte „kleine Riesen“ kreiert werden.
Es lässt sich also festhalten: China holt auch in diesem Bereich deutlich auf.
Lernen von den Hidden Champions – Beispiele
In unserer aktuellen Interviewreihe sprechen wir mit den Geschäftsführern von Hidden Champions. Dabei geben sie Einblicke, wie sie strategisch mit den derzeitigen Herausforderungen in der Industrie umgehen.
Es zeigt sich: Insbesondere für global agierende Unternehmen, die in einer bestimmten Nische tätig sind, ergeben sich Vorteile. Gleichzeitig sind aber auch viele der Strategien generell hilfreich und umsetzbar für Mittelständler. Und natürlich für die, die sich (noch) auf dem Weg zum Weltmarktführer befinden.
Stand: 08.12.2025
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