Armaturen-Prüfung Hochdruck-Druckluftstation lässt sich mobil einsetzen

Autor / Redakteur: Gerald Scheffels / Rebecca Vogt

Hartmann Valves nutzt eine transportable Hochdruck-Druckluftstation zum Prüfen seiner Armaturen. Die mobile Anlage stellt eine Druckluft von 420 bar bereit und soll zukünftig weltweit zum Einsatz kommen.

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Den notwendigen Prüfdruck von 420 bar stellt ein vierstufiger Hochdruckverdichter bereit.
Den notwendigen Prüfdruck von 420 bar stellt ein vierstufiger Hochdruckverdichter bereit.
(Bild: Unimatic)

Von 1900 bis circa 1930 dominierten Ölbohrtürme das Landschaftsbild in der Region westlich von Celle. 1905 förderten allein im kleinen Ort Wietze – dem Zentrum des Ölbooms – 32 Unternehmen Rohöl. Im Jahr 1909 waren es mehr als 113.000 t, was knapp 80 % der damaligen Gesamtfördermenge in Deutschland entsprach. Ab 1930 wurde die Exploration aufwendiger. 1963 stellte schließlich der letzte Bohrturm in Wietze die Förderung ein. Geblieben ist der Region bis heute ein dichtes Netzwerk von hoch spezialisierten Zulieferern der Öl-, Gas- und Energieindustrie.

Metallisch dichtende Kugelhähne und Bohrlochköpfe

Zu diesen Zulieferern zählt Hartmann Valves. Das Unternehmen wurde 1946 in Burgdorf gegründet und fertigt metallisch dichtende Kugelhähne und Ventile mit Durchmessern von ¼ bis 40 Zoll. Damit hat der Hersteller nach eigener Aussage eine besondere Position am Markt. Mario Heuer, Leiter der Produktion im Werk Celle, sagt: „Es gibt nur wenige Armaturenhersteller, die zu 100 % metallisch dichtende Armaturen herstellen.“

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Eine weitere Produktgruppe sind komplett gasdichte Bohrlochköpfe – sogenannte Wellheads – für die Erdgas- und Ölspeicherung sowie die Geothermie. Nahezu alle deutschen Energieversorger gehören zum Kundenkreis. Ein großer Anteil der Spezialarmaturen geht zudem in den Export. 1998 übernahm Hartmann Valves das Portfolio der Celler Maschinenfabrik. Seitdem hat das Unternehmen zwei Standorte, an denen rund 150 Mitarbeiter tätig sind. Aktuell erweitert das Unternehmen außerdem seine Produktion in Celle.

Die angefertigten Armaturen sind immer Unikate. Sie müssen hohe Anforderungen an Dichtigkeit, Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit erfüllen. Eine umfassende Prüfung – meistens verbunden mit einschlägigen Zertifizierungen und Kundenabnahmen im Werk – ist daher Pflicht. Zum Prüfumfang gehört ein Abdrücken der Armatur mit dem vorgesehenen Nenndruck plus Sicherheitszugabe. So werden Sitz und Festigkeit der gefertigten Abdichtung kontrolliert. Dabei schreiben die Kunden häufig auch die Zeitdauer der Druckprüfung vor: Sie variiert von 30 s bis zu 15 min. Ziel ist die sogenannte Null-Blasen-Dichtheit – auf Englisch: „zero bubbles“.

Mobile Hochdruck-Kompressorstation zum Prüfen entwickelt

Für diese Aufgabe nutzt der Hersteller eine Hochdruck-Kompressorstation, die von Unimatic in Norderstedt projektiert und gefertigt wurde. Als langjähriger Partner von Bauer Kompressoren hat das Unternehmen umfassende Erfahrung mit der Hochdrucktechnik – zum Beispiel bei der Planung und Wartung von Druckluftstationen für die 200-bar-Tauchflaschenabfüllung auf Schiffen. Die für Hartmann Valves gefertigte Station unterscheidet sich jedoch von diesen Anlagen durch eine wesentliche Eigenschaft. Thorsten Bockelmann, technischer Direktor bei Unimatic, berichtet: „Hier war räumliche Flexibilität erwünscht, um die Prüfanlage an beiden Standorten und auch für Tests bei den Kunden zu nutzen. Deshalb bot sich eine Containeranlage an.“

In einem schallgedämmten 20''-Container installierte Unimatic einen Bauer-Hochdruckkompressor der I-Baureihe. Der vierstufige Verdichter vom Typ I 18.1-15-V mit integriertem Trockner ist das größte Modell der Verticus-Baureihe. Bei einer Motorleistung von 15 kW stellt er maximal 510 l/min Druckluft mit 420 bar bereit. Umgeben ist der Kompressor von insgesamt 20 Speicherflaschen, die als Zwischenspeicher dienen. „Wenn die Station gestartet wird, füllt der Kompressor zuerst die Flaschen und liefert dann den nötigen Druck für die Prüfanlage“, erklärt Bockelmann.

Diese Lösung bewährt sich seit ihrer Installation im Werk Celle. „Mit der Anlage können wir alle Anforderungen der Kunden erfüllen und den Kompressor nicht nur in Celle, sondern bei Bedarf auch in Burgdorf nutzen. Die dort installierte Druckluftstation ist deutlich kleiner und stößt daher bei der Prüfung von sehr großen Armaturen an ihre Grenzen“, berichtet Heuer. Der Container soll aber zukünftig nicht nur in Celle und Burgdorf zum Einsatz kommen, sondern auch weitere Strecken zurücklegen. Heuer hierzu: „Unsere Armaturen sind langlebig. Wenn umfassendere Wartungsarbeiten nötig sind, kommen 80 % der Kugelhähne und Ventile ins Werk. 20 % werden aber vor Ort repariert und abschließend unter Nenndruck geprüft. Der Transport der Prüfanlage zum Anwender ist dann, je nach Standort, unter Umständen günstiger als die Vor-Ort-Beschaffung größerer Mengen von Speicherflaschen.“

Aus diesen Gründen hat Unimatic die Zu- und Abluftführung des Containers so ausgelegt, dass sie unter allen klimatischen Bedingungen den Anforderungen entspricht. Die zwei Abluftventilatoren werden thermostatisch gesteuert und eine elektrische Beheizung hält den Innenraum frostfrei. Auch die Zulassungsfähigkeit des Containers für den internationalen Transport wurde bei der Projektierung berücksichtigt. Somit kann Hartmann Valves nun weltweit Druckprüfungen bis 420 bar mit gleichbleibender Reproduzierbarkeit durchführen. Ein weiterer Vorteil: Auch am Heimatstandort Celle lässt sich der Container frei positionieren.

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