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Interview Hollands Mittelständler fassen wieder Tritt

| Autor/ Redakteur: Heinrich Morgenroth / Stéphane Itasse

Nach schwierigen Jahren hat die niederländische Industrie wieder Tritt gefasst. Wie Jos Kleiboer, Direktor der Koninklijke Metaalunie, des niederländischen Verbandes der Maschinen- und Metallbaufirmen, im Atheneum-Interview erläutert, sind die Erwartungen für 2015 gut. So wirkt sich die gute Auftragslage der großen internationalen Konzerne positiv auf die Geschäfte der kleinen und mittelständischen Industrieunternehmen in Holland aus, die hauptsächlich als Zulieferer tätig sind. Koninklijke Metaalunie hat 14.000 vorwiegend mittelständische Mitglieder.

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„Die Stimmung in der Industrie in den Niederlanden ist wieder gut und man agiert selbstbewusst“, sagt Jos Kleiboer, Direktor des Verbands Koninklijke Metaalunie.
„Die Stimmung in der Industrie in den Niederlanden ist wieder gut und man agiert selbstbewusst“, sagt Jos Kleiboer, Direktor des Verbands Koninklijke Metaalunie.
(Bild: Atheneum)

Herr Kleiboer, wie entwickelt sich derzeit die niederländische Industrie?

Wir haben in Holland ökonomisch schwierige Zeiten hinter uns. Zum einen ist das auf die globalen Krisen 2009 und dann noch einmal 2013 zurückzuführen. Auf der anderen Seite gab es speziell in Holland Probleme, weil die Aufträge für Baumaschinen stark zurückgegangen sind. Ein Drittel der Unternehmen ist direkt oder indirekt vom Bausektor abhängig. Das ist in Deutschland oder in der Schweiz anders. Seit 2014 ist eine deutliche Besserung zu erkennen und auch für 2015 sind die Erwartungen gut. Die großen internationalen Firmen haben deutlich mehr Aufträge in ihren Büchern zu verzeichnen. Das wiederum wirkt sich positiv auf die KMU der Industrie aus, die hauptsächlich Zulieferer sind. Starke Sektoren in Holland, die das Wachstum unterstützen, sind die Lebensmittelindustrie (+ 2 %), der Maschinenbau (+ 4 %) und der Fahrzeugbau (+ 8 %). Als Beispiel für die vollen Auftragsbücher liefert die VDL Bus & Coach soeben 236 Leichtbaubusse an die BVG in Berlin.

Was sind die Gründe für dieses Wachstum in den Niederlanden?

Die Stimmung in der Industrie in den Niederlanden ist wieder gut und man agiert selbstbewusst. Die einseitige Entwicklung zum Dienstleistungsland wird ein wenig zurückgenommen. Ohne eigene Produktion kann man wirtschaftlich nicht so stark sein wie beispielsweise Deutschland. Diese Botschaft sendet auch die Politik und setzt den Fokus mit Förderprogrammen wieder auf die Industrie. Das wirkt sich auch auf die Ausbildung von Fachkräften aus: Immer mehr junge Leute sehen ihr Jobchancen in der Industrie und Ingenieur- und Fachausbildungen sind neuerdings sehr gefragt.

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Wie ist die Lage bei den kleineren und mittleren Industrieunternehmen?

Der Verband Metaalunie vertritt mit den KMU die Mehrzahl der industriellen Unternehmen. Über 13.000 Mitglieder aus dem Maschinenbau, Stahl- und Metallbau und der Landwirtschaftstechnik gehören dazu. Bei unseren Mitgliedern hält sich in diesem Jahr die positive Stimmung konstant. Das ist sehr wichtig. In den letzten Jahren gab es nach einem positiven ersten Quartal meist ein Stimmungstief im darauffolgenden. Die Lage stabilisiert sich mehr und mehr. Auch werden neue Mitarbeiter eingestellt. Dabei steigt nicht nur die Exportentwicklung, sondern auch die Binnennachfrage. Insgesamt möchte ich aber darauf hinweisen, dass diese Entwicklungen langsam vorangehen. Der einzige Markt, der nicht so gut läuft, ist der Bereich der landwirtschaftlichen Maschinen, wo 1000 unserer Mitglieder angesiedelt sind. Hier gibt es derzeit eine rückläufige Nachfrage und wenig Innovationen.

Welchen Einfluss haben die zuletzt niedrigen Öl- und Gaspreise auf die übrige Industrie?

Es gibt hier zwei Seiten zu betrachten. Auf der einen Seite befeuern niedrige Öl- und Gaspreise das ökonomische Wachstum. Die geringeren Energiepreise entwickeln sich zu einem kleinen Produktionsvorteil. Auf der anderen Seite gehen aber die Innovationen im Bereich erneuerbare Energien wie Offshore-Anlagen zurück. Dadurch erwirtschaften unsere Zulieferer aus diesem Sektor weniger Umsätze.

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