Suchen

Porträt Hugo Junkers schreibt Luftfahrtgeschichte

Autor / Redakteur: Alexander Völkert / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Mit seinen Erfindungen revolutioniert er sowohl Deutschlands Küchen und Bäder als auch die europäische Luftfahrt. Vor 160 Jahren wurde Hugo Junkers geboren.

Firmen zum Thema

Die F 13 „Annelise“ nach dem Höhenweltrekord mit der Besatzung: Dipl.-Ing. Friedrich Brandenburg, Dipl.-Ing. Georg Madelung, Pilot Emil Monz,Techniker Kurt A. Erfurth, Dipl.-Ing. Duckstein, Jfa-Buchhalter Rudolph Müller, der Leiter der Instrumenten-Abteilung der DVL, Robert Gsell und sein Mitarbeiter Dipl.-Ing. Fritz Müller.
Die F 13 „Annelise“ nach dem Höhenweltrekord mit der Besatzung: Dipl.-Ing. Friedrich Brandenburg, Dipl.-Ing. Georg Madelung, Pilot Emil Monz,Techniker Kurt A. Erfurth, Dipl.-Ing. Duckstein, Jfa-Buchhalter Rudolph Müller, der Leiter der Instrumenten-Abteilung der DVL, Robert Gsell und sein Mitarbeiter Dipl.-Ing. Fritz Müller.
(Bild: Archiv Bernd Junkers)

Er war ein kreativer Unternehmer und Erfinder seiner Zeit, ein Kapitalist mit ethischen Grundsätzen. Der Vater von zwölf Kindern turnt bis ins hohe Alter, ist ein begeisterter Schwimmer, spielt Klavier und singt dazu. Hugo Junkers pflegt Kontakte zu den Meistern der Bauhaus-Kunst, ist ein Pazifist und ein Demokrat und unterscheidet sich damit als Unternehmer von vielen anderen seiner Zeit. Aus einem Kaliometer entwickelt er einen Gasbadeofen und später den Durchlauferhitzer. Als er sich mit der Fliegerei beschäftigt, ist Hugo Junkers über 50 Jahre alt. Sein Patent des „dicken Flügels“ und seine Idee der Ganzmetallbauweise lassen in den 1920er-Jahren völlig neue Flugzeuge entstehen, die in den 1930ern über allen Kontinenten fliegen. Die Entwicklung der zivilen Luftfahrt war Junkers stets ein Anliegen, eines, das ihm nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zum Verhängnis werden sollte.

Flugzeuge für die zivile Luftfahrt

Dass das warme Wasser einfach aus dem Wasserhahn kommt und dazu noch so oft und so viel, wie man möchte, ist vor etwa 100 Jahren eine kleine Revolution in Deutschlands Bädern und Küchen. Gasbadeöfen von Junkers sind in den 1920er Jahren das solide Fundament des Unternehmens neben dem oftmals krisengeprägten Flugzeugbau. Weltbekannt wird es aber mit seinen Flugzeugen, die Luftfahrtgeschichte schreiben. Als 1929 Hugo Junkers als hochgeehrter und international bekannter Pionier der Luftfahrt seinen 70. Geburtstag feiert, ist sein Unternehmen nicht nur der größte Arbeitgeber in Dessau, sondern auch der größte Flugzeugbauer Europas. Seine Darbietungen zu seinem 70. Geburtstag erstaunten seine Belegschaft. Wie ein kleiner Junge turnt er ausgelassen, macht einen Kopfstand, spielt Klavier und singt. Gerne verlegt der passionierte Schwimmer wichtige Treffen in letzter Minute in die Dessauer Badeanstalt oder lässt Mitarbeiter zum Strand an die Ostsee zur Besprechung kommen. Seine Flugzeuge stellen Höhenweltrekorde auf, überqueren als erste den Atlantik in Ost-West-Richtung und fliegen 1933 sowohl in Schweden, der Türkei, den USA, Kanada und Russland als auch in Australien, Afrika und Südamerika. 1929 schließlich zwingt die Weltwirtschaftskrise Hugo Junkers, seine Gasgerätefabrik an Bosch zu verkaufen. Dadurch kann er seine Flugzeugwerke vor einer Übernahme bewahren. Die Produktion und der steigende Verkauf der seit 1930 produzierten Ju 52 tragen in Folge zu einer wesentlichen Verbesserung der Unternehmenssituation bei.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Hugo Junkers wird vor 160 Jahren geboren

Hugo Junkers wird am 3. Februar 1859 in Reydt (heute Teil von Mönchengladbach) geboren. Trotz einer verwachsenen Hand treibt er Sport, turnt am Reck und spielt Klavier. Als er zehn Jahre alt ist, stirbt seine Mutter. Der junge Hugo gilt als verstört und eigensinnig, grübelt gerne und viel; vor allem die Technik interessiert ihn so sehr, dass er später in Aachen und Berlin Maschinenbau studieren wird. 1888 geht er im Alter von 29 Jahren nach Dessau und wird Mitarbeiter einer Gasfabrik. Fünf Jahre später erhält er auf der Weltausstellung in Chicago die Goldmedaille für sein Patent auf ein Kaliometer. Nur ein Jahr später entwickelt Junkers daraus einen Gasbadeofen und wenig später den Durchlauferhitzer. Mit 38 Jahren folgt er 1897 einem Ruf als Professor für Thermodynamik an die Technische Hochschule Aachen. Dort heiratet er und dort werden elf von zwölf Kindern geboren. Ab 1909 unterstützt er die Flugforschungen seines Kollegen P Reisner. Bereits ein Jahr später lässt er seinen „dicken Flügel“ patentieren – eine freitragende, unverspannte Tragfläche mit dickem Profil, hohl und mit Blech verkleidet. Durch die Idee der Metallbauweise revolutioniert Junkers innerhalb von 20 Jahren die Fliegerei.

Anneliese – Tochter und Prunkstück der zivilen Luftfahrt

Vor 100 Jahren verlässt die F13 „Annelise“ (benannt nach des Unternehmers zweitgeborener Tochter) das Werk in Dessau. Junkers präsentiert damit ein komfortables Linienflugzeug aus Aluminium, in der die Passagiere in einer geschlossenen, beheizbaren Kabine in Plüschsesseln Platz finden. Und mit „Annelise“ wird am 13. September ein Höhenweltrekord von 6750 m aufgestellt. Fast 10 Jahre später gelingt am 12. April 1928 mit einer Junkers W 33 der erste Nonstopflug von Ost nach West über den Atlantik: in 36,5 Stunden von Irland nach Greeny Island, einer vorgelagerten Insel der kanadischen Labrador-Halbinsel.

Junkers erhält Hausverbot im eigenen Werk

1933 wird Hugo Junkers unter Hausarrest gestellt, darf sein Werk nicht mehr betreten und wird am 18. Oktober gezwungen 49 % seines Unternehmens dem Dritten Reich zu übereignen. Zwei Jahre forscht er noch „im Exil“ in München und stirbt dort an seinem 76. Geburtstag als gebrochener und gedemütigter Mann. Er sei „ein Demokrat, Pazifist und Querkopf, der ausgeschaltet werden muss“, verlangt der frisch gebackene Reichsminister für Luftfahrt, Hermann Göring, der nach den Jahren des Verbotes militärisch nutzbarer Flugzeuge zwischen 1919 und 1933 die Produktion militärischer Flugzeuge vorantreiben und eine schlagfertige Luftwaffe aufbauen will. Da steht der Demokrat und Pazifist Hugo Junkers im Weg, dessen Flugzeuge stets für die zivile Nutzung dienten. Die Ju 52, bald schlicht unter dem Namen „Tante Ju“ bekannt, ist seine letzte und wohl bekannteste Erfindung. Die später im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Stuka Ju 87 und der Bomber Ju 88 haben mit dem Pionier der Luftfahrt nichts mehr zu tun, denn nach seinem Tod verkauft die Witwe von Junkers die restlichen 51 % des Unternehmens an das Dritte Reich. Als am 7. März 1945 alliierte Flugzeuge mit 600 t Bomben 85 % von Dessau und die gesamten Flugzeugwerke zerstörten, war der Name Junkers endgültig Geschichte.

(ID:46075685)