Maschinenbau Innovationsmanagement im Maschinenbau durch Kundennähe erfolgreicher gestalten

Redakteur: Ken Fouhy

Frankfurt/Main (kf) – Die Innovationsmanagement-Studie „Wachstumspotenzial im Maschinenbau“ unterstreicht die Wichtigkeit des Kundennutzens als Hauptausrichtung für Innovationen. Derzeit schlummern erhebliche Potenziale auch im Service Geschäft. Weitere wichtige Erkenntnisse: Die Beherrschung der Systemintegration und des Projektmanagements sind kritische Stellgrößen für die Rentabilität vor allem für Endhersteller

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Kundenorientierung muss bei Innovationen in Maschinenbau weiter zunehmen, sind sich die Initiatoren der Studie „Wachstum in Maschinenbau“ (v.l.n.r.)Prof. Ronald Gleich, Dr. Thomas Steiger und Hartmut Rauen überzeugt Bild: Fouhy
Kundenorientierung muss bei Innovationen in Maschinenbau weiter zunehmen, sind sich die Initiatoren der Studie „Wachstum in Maschinenbau“ (v.l.n.r.)Prof. Ronald Gleich, Dr. Thomas Steiger und Hartmut Rauen überzeugt Bild: Fouhy
( Archiv: Vogel Business Media )

Nicht hochtechnische Innovationen, sondern anwendungsorientierte Weiterentwicklungen von bestehenden Produkten und Dienstleistungen sind der zentrale Erfolgsfaktor für weiteres Wachstum im deutschen Maschinenbau. So lautet das Ergebnis der Studie „Wachstumspotenziale im Maschinenbau“, die in Zusammenarbeit mit der European Business School, Oestrich-Winkel, und der Stuttgarter Unternehmensberatung Technologie Management Gruppe und dem VDMA, Frankfurt, entstand. Mehr als 80 Unternehmen beteiligten sich an der Studie. Die teilnehmenden Unternehmen haben eine durchschnittliche Umsatzrendite von 7,8%.

„Für den Unternehmenserfolg wird zunehmend entscheidend sein, dass bei allen Innovationen der Kundennutzen im Vordergrund steht. Dafür ist die enge Zusammenarbeit von F&E-Abteilung und Vertrieb unerlässlich“, betonte Ronald Gleich, Professor an der EBS und Leiter des Strascheg-Instituts bei der Präsentation der Studienergebnisse wahrend der VDMA-Tagung „Innovationsmanagement“ am 20. November 2007 in Frankfurt. Insbesondere für die Endhersteller werde es immer wichtiger, ihre Kunden und deren Bedürfnisse genau zu kennen. Endgültig vorbei scheinen damit die Zeiten, in denen das innovativste Unternehmen gleichzeitig auch das erfolgreichste war. „Wer künftig seine Neuentwicklungen in erster Linie am technisch Machbaren orientiert, wird scheitern“, ist Dr. Thomas Staiger, Geschäftsführer bei der TMG, überzeugt. „Innovativ ist immer das, was der Kunde direkt als Nutzen wahrnehmen kann – und nicht unbedingt, was sich ein Entwicklungsingenieur im stillen Kämmerchen ausdenkt“, meint Staiger.

So setzen auch lediglich 14% der befragten Unternehmen auf Innovationen als wichtigsten Wachstumspfad. Die übrigen Gesellschaften fokussieren sich stärker auf die Erschließung von internationalen Märkten und neuen Kundengruppen.

Renditestarkes Service-Geschäft im Maschinenbau

Ein großes Potenzial für künftiges Wachstum der Maschinenbauunternehmen liegt im Ausbau des Service-Bereichs. Bei einem Umsatzanteil von durchschnittlich nur 13% sieht Staiger hier deutlichen Nachholbedarf. So erhalten die Unternehmen zwar von 92% ihrer Kunden Folgeaufträge für weitere Produkte, die Service-Angebote nach dem Verkauf nutzen hingegen nur 54%.

„Den Service-Bereich sollten die Unternehmen schnellstmöglich als „Life-Cycle-Business“ verstehen und ihre Angebote erweitern“, rät Staiger, „zumal, wenn man die zusätzlichen Impulse für die Kundenbindung berücksichtigt und die hohen Renditen sieht, die sich hier erwirtschaften lassen.“ So ergab die Befragung, dass das Service-Geschäft ungefähr doppelt so hohe Margen wie das Produkt-Geschäft liefert und den größten Einfluss auf die künftige Renditeentwicklung hat.

Internationalisierung des Maschinenbaus weit fortgeschritten

Für das künftige Unternehmenswachstum wird der weitere Ausbau der Internationalisierung wichtig. Allerdings sind die Unternehmen des deutschen Maschinenbaus bereits sehr gut aufgestellt. Die teilnehmenden Großunternehmen sind demnach in allen relevanten Märkten aktiv, aber auch die kleineren.

Überrascht zeigte sich Professor Gleich davon, „dass die erzielte Rendite umso höher ist, je weiter weg das Unternehmen vom Endkunden ist und je standardisierter seine Produkte sind“. So ist den Studienergebnissen zufolge die durchschnittliche Rendite beim Komponentenlieferanten nahezu doppelt so hoch wie beim Endhersteller. Staiger führt dies darauf zurück, dass die Endhersteller viele unterschiedliche, komplexe Prozesse managen müssen und dafür eine hohe Systemkompetenz notwendig ist.

„Häufig verfügen diese Unternehmen zwar über eine Top-Technologie, im Projektmanagement gibt es aber häufig noch strukturelle Verbesserungspotenziale.“ Staiger empfiehlt den Endherstellern zudem, die Standardisierung ihrer Produkte mittels Plattformstrategien und eines modularen Aufbaus weiter voranzutreiben.

Maschinenbau-Unternehmen spüren Fachkräftemangel

Unternehmen des Maschinenbaus leiden derzeit unter dem Fachkräftemangel im Inland, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Innovationsaktivitäten durch den Fachkräftemangel im Ingenieursbereich zumindest teilweise beeinträchtigt sind, und sehen ihr künftiges Umsatzwachstum dadurch negativ beeinflusst. Betroffen sind insbesondere größere Unternehmen, die als Folge in den nächsten fünf Jahren mehr Mitarbeiter im Ausland einstellen wollen.

Eine weitere Möglichkeit, dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist die Bildung von Innovationskooperationen, mit denen der überwiegende Teil der befragten Unternehmen zufrieden ist. Danach leisten diese Kooperationen einen wichtigen Beitrag im Innovationsprozess und ermöglichen oftmals schnellere, günstigere und bessere Ergebnisse als unternehmensinterne Innovationen. Die Partner für eine solche Zusammenarbeit kommen zumeist aus dem Inland und sind in erster Linie Kunden, Hochschulen bzw. Forschungsinstitute oder Lieferanten.

Maschinenbauer konzentrieren F&E-Aktivitäten im Inland

Die Studie ergab zudem, dass bei einer deutlichen Mehrheit der Unternehmen die F&E- und Konstruktionsaktivitäten zentral im Inland gebündelt sind. Lediglich 35% beschäftigen im Ausland Mitarbeiter in diesen Bereichen. Demzufolge entstehen auch nahezu alle Produktideen in Deutschland. Auch künftig wollen die Maschinenbauunternehmen solche Mitarbeiter primär im Inland einstellen, allerdings planen rund 20%, ihre Kapazitäten auch in China zu erweitern.

„Es macht durchaus Sinn, den F&E-Bereich im Inland zu belassen, auch wenn der Exportanteil sehr hoch ist“, meint Wirtschaftsprofessor Gleich. „Eine zentrale Einheit kann effizienter sein und zudem wird der Know-how-Abfluss unterbunden.“ Wichtig sei dann allerdings, dass es eine direkte Kommunikation zwischen dem ausländischen Vertrieb und der F&E-Abteilung im Inland gebe, „damit die regionalspezifischen Besonderheiten in die jeweiligen Produkte einfließen“, so Gleich weiter.

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