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Schnittstellenstandards auf der EMO Hannover 2019

Jetzt gibt es bald Konkreteres zum Begriff „umati“ zu erleben

| Autor/ Redakteur: Annedore Bose-Munde / Peter Königsreuther

Seit 2017 geistert die Bezeichnung „umati“ für einen Schnittstellenstandard im Werkzeugmaschinenbau durch die Branche. Über diese anfangs recht vage definierte Wortschöpfung können die Spezialisten jetzt Tacheles reden.

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Der Werkzeugmaschinenbau arbeitet seit Anfang 2017 an der Standardschnittstelle „umati“. Die EMO Hannover 2019 wird mit einem eigenen Showcase, gewürzt mit ersten praktischen Beispielen aus der Industrie, wie es heißt, eindrucksvoll demonstrieren, wie weit die Arbeit an dem Projekt gediehen ist.
Der Werkzeugmaschinenbau arbeitet seit Anfang 2017 an der Standardschnittstelle „umati“. Die EMO Hannover 2019 wird mit einem eigenen Showcase, gewürzt mit ersten praktischen Beispielen aus der Industrie, wie es heißt, eindrucksvoll demonstrieren, wie weit die Arbeit an dem Projekt gediehen ist.
(Bild: VDW / Chiron)

Mit der passgenauen Umsetzung der Schnittstelle „umati“ für die Werkzeugmaschinenbranche wurden seit zwei Jahren klare Inhalte und technische Eckdaten für die Realisierung erarbeitet, sagt der VDW. Was das im Einzelnen bedeutet und was die Besucher auf der EMO Hannover 2019 erwartet, erläutern heute schon drei Experten: Götz Görisch verantwortet beim VDW den Bereich Digitization and Industry 4.0 und ist Chairman der Joint Working Group „umati“. Bernd Zapf ist zuständig für den Bereich Development New Business & Technology bei der Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH in Nürtingen und Andreas Wohlfeld ist Lead Architect Smart Factory bei der Trumpf GmbH + Co. KG in Ditzingen. Er leitet außerdem die Modellierungsgruppe der Joint Working Group „umati“.

Der VDW-Experte Görisch resümiert:

Nach einem Workshop im VDW rund um die Themen Industrie 4.0, der Anfang 2017 stattfand, wurde deutlich, dass sich in der Standardisierung einiges tat. Nach einer Marktsondierung wurde jedoch auch klar, dass für die Werkzeugmaschinenbranche von dem Vorhandenen nichts nutzbar war. Mitunter wurden bereits zwischen Werkzeugmaschinenherstellern und Kunden aus der Automobilindustrie Standards vereinbart, aber eben nur bilateral. Deshalb flossen sehr viele Ressourcen in den Unternehmen in die Entwicklung und Pflege der verschiedenen Kundenimplementierungen. Diese soll die globale Schnittstelle „umati“ ablösen und so auch Kapazitäten für die Entwicklung neuer Funktion mit Kundennutzen schaffen.

Die Frage warum auf OPC UA als Kommunikationsstandard gesetzt werden soll wurde in den ersten Projektmonaten sehr intensiv besprochen und untersucht. In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat OPC UA einen regelrechten Boom erfahren und ist zum Quasistandard in der industriellen Kommunikation geworden. Dabei baut OPC UA auf Internettechnologien und Protokollen auf. Grundlegend wird damit spezifiziert, wie kommuniziert wird. Gleichzeitig lässt sich mit branchenspezifischem Know-how in Begleitspezifikationen, so genannten Companion Specifications, festlegen, was im Detail kommuniziert wird. Das heißt: Es wird mit den Specifications eine Art branchenspezifisches Wörterbuch ver-mittelt.

Das Feld ist zu großen Teilen schon bestellt

OPC UA ist außerdem als zugrundeliegende Spezifikation bereits eine IEC Norm (IEC 62541), also eine von der International Electrotechnical Commission (IEC) publizierte Norm. Die Begleitspezifikationen sind dabei derzeit noch so entwicklungsintensiv und werden schnell gebraucht, dass hier die klassische Normung nicht passend ist. Sobald sich die Companion Specifications stabilisiert haben, sollen sie langfristig in IEC/ISO Normen übernommen werden. Der VDW ist hier bereits im ISO/TC 184 vorbereitend aktiv – einem Gremium bei ISO (International Standardisation Organisation), das auf dem Gebiet Automatisierungssysteme und Integration normiert. Mit OPC UA sind die Grund-Implementierungen mit entsprechenden Tools bereits vorhanden, bei einem normalen Normungsprozess mit drei bis fünf Jahren Laufzeit hat man am Ende noch keine Implementierungen mit entsprechenden Tools.

Eine interessante „umati“-Show zur EMO Hannover

Der geplante Showcase auf der EMO Hannover 2019 wird nun zeigen, dass sich Maschinen verschiedener Hersteller mit „umati“ sicher, naht- und mühelos mit den IT-Systemen des Kunden verbinden lassen. Dazu haben wir eine vereinfachte Version des „umati“ Companion Specifications-Entwurfs veröffentlicht, mit dem Ziel, den Implementierungsaufwand bei den Teilnehmern zu reduzieren. Die Maschinen verbinden sich mit einem Aggregationsserver, der typischerweise bei Firmen auf Ebene des Shopfloors eingesetzt wird. Auf diesem Server werden die Daten aller Maschinen zusammengefasst und einem OPC UA Client in der Zielanwendung zur Verfügung gestellt. Da wir als VDW für die Messe einen solchen Democase nicht alleine bauen können, hilft uns hierbei T-Systems. Gleichzeitig werden sich viele Clients (Anwendungen) mit diesem Server verbinden, eine Besonderheit, denn die meisten Teilnehmer haben auch selbst ein digitales Produkt zur Nutzung der Daten. Zusätzlich haben wir relevante Mehrwertdienst-Anbieter wie Adamos oder Symmedia für die Teilnahme gewinnen können.

Einführung des Standards für Anfang 2020 möglich

Für das Demonstrationsszenario haben wir den Entwurf der Companion Specification genommen und eine typische Werkzeugmaschine festgelegt. Damit ist der Umsetzungsaufwand bei den Herstellern geringer und das Szenario enthält alles, was in der Standardisierungsarbeit bereits festgelegt wurde. Mit den Daten können die meisten der zehn Usecases, die für die erste Version festgelegt wurden, bedient werden – fokussiert auf die für den Showcase festgelegte Maschine.

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Wenn es nach mir ginge, dürfte der Standard noch in diesem Jahr erscheinen. Allerdings haben wir noch eine Menge Abstimmungsarbeit vor uns und gleichzeitig nach Einreichung des Release Candidates bei der OPC Foundation Fristen für Kommentierung und Einsprüche zu berücksichtigen. Realistisch für die Erscheinung ist deshalb Anfang nächsten Jahres. Was nicht bedeutet, dass nicht schon erste Implementierung eingesetzt werden könnten. Allerdings immer vor dem Hintergrund, dass zukünftig noch Anpassungen stattfinden können und müssen.

Und wann klappt's mit dem Produkt?

Ich gehe fest davon aus, dass die Werkzeugmaschinenhersteller mit ihren Entwicklungskunden schon erste konkrete Pilot-Umsetzungen auf der EMO Hannover besprechen werden. Die Lieferfristen werden dazu aber sicher ins kommende Jahr reichen. Gleichzeitig müssen die notwendigen Voraussetzungen durch das „umati“-Projekt für Testing und Zertifizierung geleistet werden – mit Blick auf eine verlässliche Qualität. Und nicht zuletzt muss das „umati“-Produkt für Werkzeugmaschinen und Softwareprodukte noch final beschrieben werden. Vor diesem Hintergrund gehe ich von ersten Produkten auch schon im kommenden Jahr aus.

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