VDMA-Jahrespressekonferenz Keine Krisenstimmung im Maschinen- und Anlagenbau

Von Stefanie Michel

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Wie der VDMA auf seiner Jahres-Pressekonferenz bekannt gab, wird die Produktion 2022 um 1 Prozent steigen, nächstes Jahr um 2 Prozent sinken. Dennoch spricht keiner von Krise sondern sieht den Maschinen- und Anlagenbau für die Zukunft gerüstet. Dennoch bleiben Forderungen an die Politik nicht aus.

VDMA-Präsident Karl Haeusgen: „Wir erwarten für 2023 ein leichtes Minus von 2 Prozent, aber das ist sicherlich keine Krise.“(Bild:  VCG / Screenshot)
VDMA-Präsident Karl Haeusgen: „Wir erwarten für 2023 ein leichtes Minus von 2 Prozent, aber das ist sicherlich keine Krise.“
(Bild: VCG / Screenshot)

Das Jahr 2022 war unerwartet, anstrengend – und für den Maschinen- und Anlagenbau dennoch kein Fiasko. VDMA-Präsident Karl Haeusgen verglich auf der Jahres-Pressekonferenz des Verbands die Situation mit der „rauen See“, auf der man sich befunden hat. Der Ukraine-Krieg löste eine hohe Inflation aus, die Energieversorgung ist kritisch und die Lieferketten haben sich seit der Corona-Pandemie nicht erholt. Die Gegebenheiten in 2022 waren also herausfordernd, doch Haeusgen gibt sich zuversichtlich: „Die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau haben einmal mehr mit ihrer unternehmerischen Freiheit ihre Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit bewiesen. Daher sind wir zuversichtlich, unser Ziel eines realen Produktionswachstums von 1 Prozent in diesem Jahr zu erreichen.“

Eine Blitzumfrage des VDMA zeit: Die Stimmung im Maschinenbau ist Ende 2022 nicht schlecht, vielleicht eher vorsichtig. (Bild:  VDMA)
Eine Blitzumfrage des VDMA zeit: Die Stimmung im Maschinenbau ist Ende 2022 nicht schlecht, vielleicht eher vorsichtig.
(Bild: VDMA)

Bisher hat sich der Maschinen- und Anlagenbau sehr resilient gezeigt: trotz der schweren Bedingungen ist die Auftragslage auch für 2023 gut, Entlassungswellen gab es nicht. Zudem gab es in den Lieferketten etwas Entspannung bei Kunststoffen, Metallen und Chemikalien. Auch für die nahe Zukunft sieht Haeusgen den Maschinen- und Anlagenbau gut aufgestellt, denn die großen Herausforderungen, wie beispielsweise die klimaneutrale Energieversorgung, sei große Chance für die Branche – auch wenn sie gleichzeitig ebenfalls darauf angewiesen ist.

Von Januar bis einschließlich Oktober lag die reale Produktion im Maschinen- und Anlagenbau noch um real 0,4 Prozent unter ihrem Vorjahreswert. Der Auftragseingang blieb in den ersten zehn Monaten des Jahres real um 1 Prozent unter dem Vorjahr, die Auftragsreichweite betrug im September 2022 noch 11,9 Monate und ist damit unverändert sehr hoch.

Wie die Blitzumfrage des VDMA zeigt, sind die Engpässe bei Elektronikkomponenten noch gravierend, bei anderen Erzeugnissen gab es leichte Entspannung.(Bild:  VDMA)
Wie die Blitzumfrage des VDMA zeigt, sind die Engpässe bei Elektronikkomponenten noch gravierend, bei anderen Erzeugnissen gab es leichte Entspannung.
(Bild: VDMA)

Für 2023 geht man von einem schwachen Wachstum in China, von weiterhin hohen Energiepreisen sowie einer steigenden Inflation und steigenden Zinsen aus. Das spürt natürlich auch die Investitionsgüterindustrie, allerdings weniger stark als zu Beginn des Ukraine-Kriegs, wie Haeusgen berichtet. Deshalb rechnet der VDMA für 2023 weiterhin mit einem leichten realen Produktionsrückgang von 2 Prozent. „Das ist weit entfernt von den Rückschlägen früherer Jahre und zeigt die Robustheit unserer Industrie“, so Haeusgen. „Das ist sicherlich keine Krise!“ Auch die Unternehmen teilen diese Einschätzung, wie die VDMA-Blitzumfrage zeigt: nahezu die Hälfte der Befragten (48 Prozent) ist optimistisch oder verhalten optimistisch, lediglich 14 Prozent zeigen sich pessimistisch oder verhalten pessimistisch.

Für 2023 erwartet der VDMA einen leichten realen Produktionsrückgang von 2 Prozent.(Bild:  VDMA)
Für 2023 erwartet der VDMA einen leichten realen Produktionsrückgang von 2 Prozent.
(Bild: VDMA)

Er fordert allerdings auch von der deutschen und europäischen Politik, dass die Unternehmen auf eine verlässliche und bezahlbare Material- und Energieversorgung bauen können: Märkte offen zu halten und alle zur Versorgung notwendigen Maßnahmen rasch und mit möglichst wenig bürokratischem Aufwand umzusetzen“, mahnte Haeusgen. Oft seien politische Entscheidungen geprägt von Bürokratie und Regulierung, die die Industrie in ihrer Entwicklung behindern. Außerdem fordert der VDMA Investitionen in Digitalisierung, Infrastruktur und Bildung. So kommen in Deutschland nur 3 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Unternehmen von staatlicher Seite – laut Haeusgen ein „mikroskopischen Umfang“, denn in Großbritannien und Frankreich investiert der Staat 7 Prozent und mehr.

Arbeitskräftemangel ist großes Hindernis für Wachstum

Mit 1,019 Millionen Menschen (Stand September 2022)in den Stammbelegschaften (Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten) bleibt der Maschinen- und Anlagenbau der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland – ein Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutlich mehr als die Hälfte (54 Prozent) der vom VDMA im Herbst befragten Maschinenbaufirmen wollen ihren Personalstand im kommenden Jahr sogar ausbauen, gut 30 Prozent wollen ihn konstant halten.

Wie Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA, betont, sorgen gerade die in den nächsten Jahren in Rente gehenden „Babyboomer“ für eine Verstärkung des Arbeitskräftemangels.(Bild:  VCG / Screenshot)
Wie Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA, betont, sorgen gerade die in den nächsten Jahren in Rente gehenden „Babyboomer“ für eine Verstärkung des Arbeitskräftemangels.
(Bild: VCG / Screenshot)

Allerdings haben die Unternehmen unverändert große Schwierigkeiten, diese Stellen auch zu besetzen. Der allgemeine Fachkräftemangel führt dazu, dass nahezu alle befragten Firmen (97 Prozent) hier Engpässe spüren. Im Moment gibt es im Maschinenbau 14.000 offene Stellen und laut Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA, gehen jetzt die Babyboomer in Rente. Das Problem wird sich also nicht von alleine lösen aufgrund der alternden Gesellschaft in Deutschland. Es fehlt an allen Arbeitskräften – vom angelernten Hilfsarbeiter bis hin zur qualifizierten Fachkraft. Deshalb fordert Haeusgen zum einen das inländische Potenzial zu nutzen (damit meint er vor allem die Frauenquote zu erhöhen und über längere Arbeitszeiten nachzudenken), zum anderen die Einwanderung ausländischer Arbeitskräfte zu erleichtern (z. B. die Berufsabschlüsse anzuerkennen oder private Arbeitsvermittlungen zuzulassen).

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