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Modell für Industrie 4.0

Kleine Fabrik für intelligente Projekte

| Autor/ Redakteur: Sandra Roth / Udo Schnell

Eine Lernfabrik im Schreibtischformat zeigt, wie Industrie 4.0 funktioniert. Vom Wareneingang über die Produktion bis hin zur Auslieferung. Sie wird bereits in vielen Unternehmen eingesetzt. Der Hersteller simuliert damit im eigenen Innovation Lab Zukunftsszenarien.

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Bei der Lernfabrik wird auf einem Dashboard eine Einkaufssituation simuliert.
Bei der Lernfabrik wird auf einem Dashboard eine Einkaufssituation simuliert.
(Bild: Jakob Studnar - www.fotostudnar.de)

„Produziere rotes Teil!“, ruft Kim Mäder aus dem Bereich IT. Sie arbeitet im Innovation Lab in der IT-Abteilung der Unternehmensgruppe Fischer, zu der die weltweit bekannten Befestigungssysteme zählen. Vor ihr steht ein ungefähr 1 m breites und 1 m langes Modell, bestehend aus den gängigen Fischertechnik-Bausteinen.

Kaum ausgesprochen, setzt sich die Miniaturfabrik in Bewegung: Ein roter Baustein – das zu fertigende Produkt – wird aus dem Regal im Lager geholt, wo verschiedene Rohstoffe lagern. Mit einem Sauggreifer wird das Gut direkt in die Fertigungsstraße transportiert. Dort durchläuft der rote Baustein verschiedene Fertigungsschritte: Drehen, Fräsen, Stanzen – einer nach dem anderen wird abgearbeitet. Zum Schluss wird das fertige Wunschprodukt ins Hochregallager eingeliefert und ist abholbereit. „Unser Fokus liegt auf der Simulation und der Demonstration von digital vernetzten Anwendungen in einer realen Produktionsumgebung“, sagt Guido Schubert. Er leitet seit zwei Jahren den neu gegründeten Vertriebszweig „Industrie“ bei Fischertechnik.

Sprachgesteuerte Fertigung ist ein Zukunftsszenario

Die sprachgesteuerte Fertigung ist eines der Zukunftsszenarien, die derzeit im Fischer Innovation Lab erprobt werden. Die dortige IT betreut fünf Unternehmensbereiche – Fischertechnik ist einer davon.

Ein anderes Szenario ist der Online-Bestellvorgang, mit dem die komplette Abwicklung einer Bestellung in Losgröße 1 nachgebaut wird. Die individuelle Einzelfertigung wird bereits in einigen Branchen umgesetzt und gewinnt nun auch in klassischen Massenproduktionsbetrieben vermehrt an Bedeutung.

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Bei Fischer läuft es so: Auf einem Dashboard wird eine Einkaufssituation simuliert, wie sie nahezu jeder vom Privatgebrauch her kennt. Das Wunschprodukt wird konfiguriert und in den Warenkorb befördert.

Mit der Bestellung wird eine gläserne Fertigung in Gang gebracht. Der Käufer kann online von überall her mitverfolgen, an welchem Stand der Fertigung sein Wunschprodukt sich gerade befindet und natürlich auch wann es letztendlich zur Verfügung stehen wird. Die einzelnen Produktionsdaten werden per Sensoren und Aktoren ausgelesen und über eine Cloud übertragen.

Vorausschauende Wartungsintervalle abbilden

Aber auch Wartung und Steuerung einer Produktion lassen sich mit der kleinen Fabrik nachahmen. Mit den gewonnenen Daten werden Fertigungsprozesse transparent und lassen sich auch aus der Ferne gut überwachen. Sind alle Fertigungsschritte richtig ausgeführt worden?

Die Sensoren in der Miniaturfertigung übertragen die entsprechenden Daten. Müssen Instandhaltungsmaßnahmen oder gar Reparaturen geleistet werden? Die jeweiligen Informationen können über eine Cloud an das Smartphone des verantwortlichen Maschinenbedieners gesendet werden.

Mit einer intelligenten Datenverwertung lassen sich so auch vorausschauende Wartungsintervalle abbilden. „Man könnte auch einen Geräuschsensor einbauen, der einen Techniker alarmiert, wenn die Anlage ungewöhnliche Geräusche von sich gibt“, ergänzt Kim Mäder, die mit ihrem Team beim Experimentieren mit der Anlage viele Ideen für weitere zukunftsweisende Projekte entwickelt. So ist die Simulation künftiger Logistiklösungen angedacht – auch Intralogistik zum Beispiel. Ebenso die kaufmännische Nutzung der generierten Daten und Ankopplung an ERP-Systeme, eine Softwarelösung zur Steuerung von Geschäftsprozessen, könnte mit der Anlage simuliert werden.

Simulation gibt Impulse für die tatsächliche Umsetzung

„Hier wird deutlich, was zukünftig möglich ist und wo es sich lohnt, weiter zu investieren. Durch die Simulation wird klarer und verständlicher, was in der Realität dann als Erstes umgesetzt wird“, berichtet Guido Schubert.

Die Industrie-4.0-Fabrik im Schreibtischformat findet in Unternehmen wie SAP oder IBM Einsatz sowie an zahlreichen Universitäten, Berufsschulen und in Ausbildungsbetrieben.

* Sandra Roth ist in der Unternehmenskommunikation der Fischerwerke GmbH & Co. KG in 72178 Waldachtal tätig

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