Automobilindutrie Kreditversicherer warnt: 18 % der mittelständischen Zulieferer in Gefahr

Redakteur: Svenja Gelowicz

Die Zulieferer leiden unter der Krise stärker als die Autohersteller. Das zeigt eindrücklich eine Studie der Kreditversicherung Euler Hermes.

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Der BMW-Stromer i3 wird im Werk Leipzig gefertigt. Modelle wie dieses sorgen für neue Wertschöpfung und weniger Umfänge zugleich.
Der BMW-Stromer i3 wird im Werk Leipzig gefertigt. Modelle wie dieses sorgen für neue Wertschöpfung und weniger Umfänge zugleich.
(Bild: BMW)

Die Belastung für Autozulieferer ist hoch, gerade mittelständische Unternehmen stehen dabei stark unter Druck. Die Kreditversicherung Euler Hermes warnt am Mittwoch (16. Dezember) in einer neuen Studie, dass 18 % der kleinen und mittelständischen Zulieferfirmen in Deutschland aktuell gefährdet sind. „Das sind deutlich mehr als bei den Automobilherstellern, etwa zwölf %, oder als in anderen Branchen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass 82 % der Unternehmen relativ gut aufgestellt sind“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Insgesamt seien die mehr als tausend Automobilzulieferer mit einem kumulierten Umsatz von 90 Milliarden Euro und 300.000 Beschäftigten für drei Viertel der Wertschöpfung des Automobilsektors verantwortlich.

Tier-2- und Tier-3-Zulieferer fehlt häufig Geld für Investitionen

Unter Druck stehen dabei besonders Zulieferer am unteren Ende der Wertschöpfungskette: Tier-2- und Tier-3-Zulieferer und besonders diejenigen, die nicht im Bereich Elektromobilität aktiv sind. „Sie sind nach wie vor stark von herkömmlichen Antriebsarten abhängig und verfügen nicht über genügend finanzielle Mittel, um eine Neuausrichtung mit wettbewerbsfähigen Produkten in der neuen Welt der Elektrofahrzeuge zu bewältigen“, sagt Maxime Lemerle, Leiter der Branchenrisikoanalyse bei Euler Hermes.

Die großen Tier-1-Zulieferer seien im Schnitt finanziell besser aufgestellt, um den Technologiewandel zu stemmen. Euler Hermes erwartet jedoch einen höheren Druck durch die Automobilhersteller, gerade im Hinblick auf die globale Aufstellung der Unternehmen.

Finanzkennzahlen: Große Einbußen bei Zulieferern

In den ersten neun Monaten musste die Autoindustrie laut der Analyse des Kreditversicherers kräftige Einbußen bei Umsätzen und Margen hinnehmen. Während bei den Autobauern der Umsatz um etwa 18 % einbrach, war es bei den Zulieferern ein Minus von 20 %. Das operative Ergebnis brach bei den OEMs derweil um rund ein Drittel ein, bei Zulieferern um die Hälfte.

Unternehmen reagieren, indem sie Lagerbestände abbauen oder Modelle schneller einführen. Der Verkauf schadstoffarmer Fahrzeuge führt jedoch bisher zu niedrigeren Margen im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.

„All dies zwingt die Unternehmen zu Personalabbau und Stellenkürzungen, zur Anpassung ihrer Portfolios und Produktionskapazitäten, sowohl bei Produkten und Marken als auch bei Absatzmärkten“, so Ron van het Hof.

Hoffnung durch E-Mobilität

Für Aufschwung sorge die Elektromobilität. Van het Hof: „Elektroautos erleben seit dem Herbst durch die Kaufanreize einen regelrechten Boom und Rekord-Marktanteile. Das dürfte allerdings nicht ausreichen, um den Einbruch der restlichen Sparten zu kompensieren.

Auch der starke chinesische Markt sorge für Hoffnung. Während der Kreditversicherer für Europa und die USA einen harten Wettbewerb in den schrumpfenden Märkten erwarte, seien im Reich der Mitte die Aussichten günstiger. „Zum einen sind Mobilitätseinschränkungen dort früher aufgehoben worden und zum anderen gibt es viele Erstkäufer, die im Zuge der Pandemie von öffentlichen Verkehrsmitteln oder gemeinsam genutzter Mobilität auf ein eigenes Auto umgestiegen sind“, so Ron van het Hof.

Insolvenzen: Mehr Großpleiten

Die Analyse wirft auch einen Blick auf das Insolvenzgeschehen. Insgesamt sei jenes rückläufig. Doch gerade in der Autoindustrie sowie im eng vernetzten Metallsektor gab es in den ersten Monaten 2020 große Pleiten. „In den ersten neun Monaten des Jahres haben wir in der Automobilindustrie mit zehn großen Insolvenzen mehr als doppelt so viele Fälle gezählt wie im Vorjahreszeitraum mit vier Groß-Pleiten“, sagt Van het Hof. „Auch im Metallsektor gab es mit neun großen Insolvenzen drei Mal so viele wie im Vorjahreszeitraum.“

Dieser Beitrag erschien zuerst bei unserem Partnerportal Automobil Industrie.

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