Geschäftsbericht 2020 Kunststofferzeuger zwischen Corona und Kreislaufwirtschaft

Redakteur: Peter Königsreuther

Der Geschäftsbericht 2020 von Plasticseurope Deutschland beschreibt die wichtigsten Herausforderungen, die sich Kunststofferzeuger heute stellen müssen. Hier eine Zusammenfassung.

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Ganze 62 Seiten stark ist der Geschäftsbericht von Plasticseurope für das Jahr 2020. Hier bieten wir ihnen einige Auszüge daraus.
Ganze 62 Seiten stark ist der Geschäftsbericht von Plasticseurope für das Jahr 2020. Hier bieten wir ihnen einige Auszüge daraus.
(Bild: Plasticseurope)

Das zurückliegende Geschäftsjahr habe die kunststofferzeugende Branche in Deutschland durchaus gefordert. Zu den Hemmschuhen gehöre nicht nur die immer noch herrschende Corona-Pandemie, heißt es weiter. Die Produktion sank dabei um rund 1,6 Prozent auf 17,9 Millionen Tonnen. Der Umsatz schrumpfte um 8,7 Prozent. Kunststoff sei aber der Werkstoff des 21. Jahrhunderts. Denn Elektromobilität, Windenergie, Computer, die Medizin oder mit Blick auf das Smartphone – nichts kommt voran, ohne die polymeren, leichtbautauglichen Alleskönner, sagt Plasticseurope. Leider schon länger, so scheint es, haben sich Politik und Verbraucher auf diese Werkstoffklasse eingeschossen. Seit Kurzem wächst, ausgehend von den Kunststoffverbänden, allerdings auch Hoffnung auf einen Stimmungsumschwung: Die Vernetzung in der Wertschöpfungskette nimmt zu; gegenseitige Wertschätzung und gemeinsame Ziele sind dabei wichtige Treiber.

Für viele wichtige Produkte gibt es keine Werkstoffalternative

Doch die kunststofferzeugende Industrie unterstützte dabei, dass man relativ gut durch die Krise kommen konnte. Dazu gehörten flexible Arbeitszeitmodelle, Maßnahmen zur Stabilisierung von Wertschöpfungsketten und flexible Produktionen, wodurch dringend benötigte Hygiene- und Medizinartikel in großen Stückzahlen hergestellt werden konnten. Parallel drängen aber nach wie vor noch andere große Themen. Das betrifft etwa den Klima- und den Umweltschutz. Speziell deshalb greifen einige Teile dieses Geschäftsberichts die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN) auf. Sie liefern Antworten aus der Kunststoffbranche, um die Probleme lösen zu helfen. Sei es in lebensrettenden medizinischen Anwendungen, wie Blutbeuteln oder Beatmungszubehör, sei es im Rotorblatt eines Windrads oder als Folie in Solarzellen, die saubere und bezahlbare Energie liefern, sei es durch innovative Membranen oder widerstandsfähige Rohrsysteme, die Trinkwasser sauber fördern oder Sanitäreinrichtungen absichern. Es gehe dabei auch um die wirtschaftliche Basis unserer Industrie. Und damit auch um die Sicherung des Wohlstands in der Gesellschaft. Deshalb ist man gefordert, die Produktionsprozesse so energie- und ressourceneffizient zu machen, wie nur möglich, sagen die Vorsitzenden des Vereins.

Kreislaufwirtschaft klappt nicht im europäischen Alleingang

Während in der Regel die international aufgestellten Unternehmen der kunststofferzeugenden Industrie den Aufbau einer funktionierenden europäischen Kreislaufwirtschaft mit globaler Wirkung unterstützten, verliere die Politik sich oft im Klein-Klein von Einzelmaßnahmen. Wem, so fragt Plasticseurope, nützt es, wenn etablierte und sich etablierende Pfand- und Rücknahmesysteme verstärkt von Verboten und Kennzeichnungspflichten durcheinandergebracht würden? Denn mit Blick auf „Wegwerfartikel“ sei klar, Wegschmeißen kann es nicht sein! Die virtuelle 5. Umweltversammlung der Vereinten Nationen schlägt deshalb erste Pflöcke ein, damit im Februar 2022 endlich ein globaler Prozess beginnen kann, an dessen glücklichem Ende ein weltweites Abkommen gegen die Meeresvermüllung stehen soll, informiert der Verein. Das Ziel der Europäer bei dem Abkommen muss es sein, die immer noch deponierenden oder Müll exportierenden Amerikaner und Chinesen von Anfang an verpflichtend auf diese Reise mitzunehmen, so die Mahnung. Und Fakt sei, dass die Mitgliedsunternehmen zwar im globalen Wettbewerb stehen, doch im europäischen Raum schon heute höchste Umweltstandards erfüllten. Bei aller Hoffnung und Anstrengung bleibe abzuwarten, was im Falle eines Falles eine grüne Bundeskanzlerin und grün geführte Ministerien in Sachen Wirtschaft und Energie oder Umwelt- und Klimaschutz am Ende für ressourcenintensive Branchen wie die Chemie- und Kunststoffindustrie bedeuten.

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