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Roboter Kurze Lieferzeiten dank smarter Automatisierung

| Autor / Redakteur: Hakan Yilmaz / Mag. Victoria Sonnenberg

Intelligent und kollaborativ – Seite an Seite mit dem Fertigungspersonal können flexibel und schnell einsetzbare Roboter Prozesse automatisieren und die Wettbewerbsfähigkeit selbst von KMU mit geringen Losgrößen steigern.

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Deonet hat sämtliche Fertigungsanlagen automatisiert und setzt für die Montage mehrere Yumi-Roboter von ABB ein.
Deonet hat sämtliche Fertigungsanlagen automatisiert und setzt für die Montage mehrere Yumi-Roboter von ABB ein.
(Bild: ABB)

Dank intelligenter, kollaborativer Automatisierung kann sich das niederländische Fertigungsunternehmen Deonet nicht nur gegen Billiganbieter behaupten, sondern den Kunden auch kürzere Lieferfristen und stetige Produktinnovationen bieten. Dabei setzt das Unternehmen auf den kollaborativen Zweiarm-Roboter Yumi von ABB. Als Hersteller von Werbeartikeln wie personalisierten USB-Sticks, USB-Karten, Schlüsselanhängern und Kugelschreibern beliefert das Unternehmen Kunden in der ganzen Welt. Mit Yumi kann Deonet nun Präzisionsprozesse effizient automatisieren und gleichzeitig vielfältige Produktvarianten bearbeiten, die oft in Kleinmengen gefertigt werden.

Intelligente Automatisierung sichert Qualitätsstandards

So automatisiert Yumi beispielsweise den lasergestützten Prozess beim präzisen Anbringen von Klebepunkten auf vielfältigen Formen für USB-Memory-Sticks und -karten. Denn läuft der Prozess nicht sorgfältig ab, kann der Klebstoff Fäden ziehen, das Produkt beschädigen und so die hohen Qualitätsstandards von Deonet gefährden. Da Werbeartikelkunden individualisierte Produkte mit kurzer Lieferzeit erwarten, hat Deonet seine Produktion auf kleinere Mengen und größere Vielfalt – bei gleichzeitig höherer Produktionsgeschwindigkeit, Qualität und Flexibilität – umgestellt. Aufgrund der wenig vorhersagbaren Auftragslage, konzentriert sich das Unternehmen darauf, alle Prozesse intelligent zu steuern. Dafür hat Deonet die Möglichkeiten der kollaborativen Automatisierung mit Yumi, dem Zweiarm-Roboter von ABB, geprüft.

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„Wir haben sämtliche Fertigungsanlagen und Druckpressen automatisiert und setzen nun für die Montage mehrere Yumi-Roboter ein“, erklärt Rob van Berkom, CEO von Deonet. „Yumi ist unser erster Roboter“, erläutert Mike Verjans, CTO von Deonet, weiter. „Für uns als Kleinunternehmen war es wichtig, dass wir den Roboter selber programmieren können und nicht auf externe Integrationsexperten angewiesen sind. Auch muss dies schnell gehen, da sich unsere Produktion laufend ändert. Die einfache und auf unterschiedliche Produkte adaptierbare Programmierung von Yumi ist wichtig für unsere Produktivität.“

Buddy-System für eine effektive und individuelle Fertigung

Ein weiterer Grund Yumi anstelle eines traditionellen Industrieroboters einzusetzen, war die flexible und einfache Integration in den Produktionsprozess. Yumi wird direkt neben mit Menschen besetzten Arbeitsstationen eingesetzt und führt mit seinen beiden Roboterarmen die bei der Kleinteilmontage notwendigen Bewegungen auf engstem Raum hochpräzise aus. Die Reichweite der Roboterarme entspricht dabei in etwa der Reichweite von menschlichen Armen. Der Platzbedarf für eine Automatisierungslösung wird auf ein Minimum reduziert.

Yumi montiert USB-Sticks und -Karten

Durch das inhärent sichere Design können Mitarbeiter zudem mit Yumi bei bestimmten Anwendungen ohne weitere Schutzmaßnahmen Hand in Hand arbeiten. Ein Deonet-Mitarbeiter ist im sogenannten Buddy-System für fünf Yumis zuständig. Er überwacht den Fertigungsprozess, stellt das Material bereit und führt finale Qualitäts- und Funktionskontrollen durch. Yumi übernimmt hingegen die Montage der USB-Sticks und -Karten. Dazu greift er aus einer Ablage jeweils eine Kunststoffkarte im klassischen Scheckkartenformat und bringt sie in Montageposition. Gleichzeitig greift der zweite Arm einen Speicherchip. Das in die Roboterhand integrierte Visionsystem lokalisiert den Chip und führt ihn zu einer Klebestation, die mittels E/A-Signalen über die Robotersteuerung gesteuert wird. Ein Sensor überprüft dabei, ob der Klebepunkt korrekt aufgetragen wurde. Beide Arme fügen anschließend Karte und Speicherchip zusammen und geben das fertige Produkt in eine dafür vorgesehene Ablage beziehungsweise in einen Ausschussbehälter, sollte die USB-Karte nicht korrekt schließen und der Roboter seine Endposition nicht erreichen.

Darüber hinaus bietet Yumi höchste Flexibilität beispielsweise bei gleichbleibenden Aufgaben wie dem Aufnehmen einer Ablage oder der Platzierung eines Chips. Neue Größen oder Formen von USB-Karten und -Sticks können einfach hinzugefügt werden, ohne die Fertigung unterbrechen zu müssen.

„Unsere Mitarbeitenden im Fertigungsbereich mussten sich natürlich zuerst an Yumi gewöhnen. Aber als sie dann überzeugt waren, dass der Roboter sicher ist und unsere Produktivität erhöht, hießen sie ihn im Team willkommen“, so Joanie Slegers, Assembly Department Manager bei Deonet. „Es ist auch klar, dass der Roboter keine Jobs ersetzen soll. Denn je mehr Roboter wir einsetzen, desto mehr Leute brauchen wir für die Planung, die Steuerung der Roboter und die Qualitätskontrolle.“

Geschäftsführer Rob van Berkom fügt hinzu: „Kollaboration ist für Deonet das Schlüsselwort der nahen Zukunft. Heute ist unsere Fertigung nicht nur wirtschaftlicher, wir können auch viel mehr Produkte herstellen als früher. Denn bisher war es zu teuer, diese in Europa zu produzieren. Wir fertigen mit einer Station bereits 3000 Teile pro Tag in einer Schicht. Man kann sich also ausrechnen, was in zwei oder drei Schichten alles möglich ist. Dies wird zu einem Wachstum führen, das mehr Leute und mehr Roboter erforderlich macht.“ MM

* Hakan Yilmaz ist Business Line Manager Assembly & Testing bei ABB in 61169 Friedberg, Tel. (0 60 31) 85-0 hakan.t.yilmaz@de.abb.com

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