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02.07.2026

Grundwassersanierung – wie wird Grundwasser gereinigt?

Von Pump and Treat bis zur Grundwasserreinigung mit Aktivkohle: Wir erklären, wie Grundwasser saniert wird und was es kostet.

Wasserhaushalt, Trinkwasserschutz, industrielle Nutzung: Grundwasser ist in Deutschland ein besonders geschütztes Gut. Entsprechend streng sind die Anforderungen, wenn es zu Belastungen kommt und entsprechend komplex ist die Frage „wie wird Grundwasser gereinigt“ in der Praxis. Denn Grundwasser ist kein „Tank“, den man einfach entleert und neu befüllt, sondern ein dynamisches System aus Boden, Porenwasser, Strömungswegen und geochemischen Gleichgewichten.

Rechtlicher Rahmen ist das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), das Benutzungen und Eingriffe in Gewässer – einschließlich Grundwasser – regelt. Auch das Einbringen bzw. Einleiten von Stoffen in das Grundwasser oder Maßnahmen, die die Beschaffenheit des Grundwassers schädlich verändern können, sind grundsätzlich erlaubnispflichtig.

Die Ursachen für Grundwasserbelastungen sind vielfältig und reichen von Überdüngung (Nitrat) über Pestizideinsatz, versickerndes Abwasser, Leckagen aus Anlagen/Leitungen bis hin zu Altlasten (z. B. ehemalige Industrie- und Tanklagerstandorte) sowie Sickerwasser aus Deponien. Technisch entscheidend ist: Eine Grundwassersanierung sollte möglichst parallel zur Bodensanierung erfolgen. Wenn die Quelle (Kontaminationsherd im Boden) bestehen bleibt, wird die Fahne im Grundwasser immer wieder nachgespeist – Sanierungszeiten und Kosten steigen drastisch.

 

Grundwassersanierung nach dem Ort der Behandlung: ex situ vs. in situ

In der Praxis lassen sich Grundwassersanierung Methoden grob danach unterscheiden, ob das Wasser zur Behandlung an die Oberfläche geholt wird (ex situ/Pump and Treat) oder ob die Reinigung im Untergrund stattfindet (in situ).

Pump and Treat Verfahren: hydraulisch sichern, an der Oberfläche reinigen

Das Pump and Treat Verfahren ist das klassische Ex-situ-Konzept: Belastetes Grundwasser wird über Brunnen gefördert, in einer Aufbereitungsanlage gereinigt und anschließend abgeleitet (z. B. in ein Gewässer oder – nach Vorgaben – in die Kanalisation) oder teilweise wieder infiltriert.

In der Praxis wird Pump-and-Treat häufig eingesetzt, um eine Schadstofffahne hydraulisch zu sichern und ihre Ausbreitung zu stoppen – selbst dann, wenn das vollständige Erreichen sehr niedriger Zielwerte lange dauern kann. Behörden und Fachliteratur betonen, dass Pump-and-Treat zwar bewährt, aber oft langwierig und kostenintensiv ist, u. a. wegen Nachlieferung aus dem Boden und langsamer Desorption aus Feinkornbereichen.

Praxisnutzen: schnelle Eindämmung, klare Prozessführung, gute Mess- und Regelbarkeit.
Grenze: lange Laufzeiten, hoher Energiebedarf, Entsorgung von Konzentraten/Beladungen.

Für akute Lagen (z. B. Leckage, Havarie) kann eine mobile Wasseraufbereitung bzw. Abscheidertechnik helfen, kurzfristig zu sichern und erste Frachten auszutragen – als Brücke bis zur dauerhaften Sanierungsauslegung.

Bodenentgasung und Gas-/Dampfverfahren: flüchtige Stoffe aus Boden und Grundwasser holen

Bei flüchtigen oder leicht verdampfbaren Stoffen kommen Gasverfahren zum Einsatz: Belüftungsbrunnen bringen Luft in den Untergrund (Stripping), Saugbrunnen fassen die Gasphase ab. Varianten mit Dampf-Injektion (z. B. als thermische Unterstützung) können die Mobilisierung beschleunigen, sind aber energetisch aufwendig und stark standortabhängig.

Funnel and Gate: Grundwasserstrom passiv in eine Reaktionszone lenken

Ein Funnel-and-Gate-System nutzt dichtende „Funnel“-Wände, die den Grundwasserstrom trichterförmig in ein durchlässiges „Gate“ leiten. Im Gate sitzt das Reaktions- bzw. Filtermaterial – die Behandlung erfolgt unterirdisch, oft ohne Pumpen.

Reaktive Wand: permeable reactive barrier als durchströmter Untergrundreaktor

Die reaktive Wand (PRB) ist eine durchlässige Barriere aus reaktivem Material, die der Grundwasserstrom durchfließt. Schadstoffe werden je nach Material gebunden (Sorption) oder chemisch umgewandelt (z. B. reduktive Dechlorierung an Eisenmaterialien). Reaktive Wände gelten als gängige Bauform der passiven Abstromreinigung, erfordern aber saubere Standorterkundung und eine langfristige Material-/Hydraulikbetrachtung.

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