Digitalisierung/Industrie 4.0

Maschinenbau und Metallindustrie haben noch Nachholbedarf

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Wo Licht da auch Schatten: Eine Reihe von Industriezweigen weisen laut Studie einen mittle-ren Digitalisierungsgrad (= 20 bis 50 Prozent) und noch mehr einen geringen (unter 20 Pro-zent) auf. Betroffen sind demnach unter anderem die Hersteller von Metallerzeugnissen (21 Prozent), der Maschinenbau (17,4 Prozent) und der Kraftwagenbau (14 Prozent).

Einrechnen technologisch relevanter Zulieferungen verändert Digitalisierungsgrad

Die Initiatoren der Studie machen als Gründe hierfür im Vergleich zum Dienstleistungsgewerbe die hohe Anzahl nicht digitaler Patente sowie die bislang rein produktbezogene Betrachtung aus. So haben Industrieunternehmen beispielsweise Steuerungssoftware, Logistik-Dienstleistungen oder Storage-Lösungen eingekauft, aber nicht selbst patentieren lassen.

Rechnet man, so die Vorgehensweise, nun technologisch relevanten Zulieferungen und Vorleistungen aus anderen Branchen mit in die Analyse ein, so ergibt sich für eine Reihe von Wirtschaftszweigen ein veränderter Digitalisierungsgrad. Im Maschinenbau beispielsweise würde dieser von 17,4 Prozent auf 20,4 Prozent ansteigen; im Straßenfahrzeugbau von 14 Prozent auf 17,3 Prozent oder in der Chemie von 8 auf 12,6 Prozent.

Wachstum durch Digitalisierung

Die Studie arbeitet heraus, dass eine Gegenüberstellung von Digitalisierungsgrad und Wachstum der Wertschöpfung einen eindeutigen Zusammenhang aufzeigt: Branchen mit einem hohen Digitalisierungsanteil verzeichnen ein überdurchschnittliches Produktionswachstum.

Im Detail formulieren die Ergebnisse folgende Eckpunkte:

  • „Die jährliche Wachstumsrate der Bruttowertschöpfung über alle Wirtschaftsbereiche hinweg lag in Deutschland im Untersuchungszeitraum 1998 bis 2010 bei 1,5 Prozent. 0,5 Prozentpunkte davon lassen sich direkt auf die Digitalisierung zurückführen. Das sind mehr als zehn Milliarden Euro.
  • In der Industrie liegt der Wachstumsbeitrag der Digitalisierung ebenfalls bei 0,5 Prozentpunkten; im Fahrzeugbau, Maschinenbau und der Elektrotechnik fällt er mit je 0,4 Prozentpunkten etwas niedriger, in der Chemie- und Metallindustrie mit jeweils 0,7 Prozentpunkten etwas höher aus.
  • In Bayern liegt der Wachstumsbeitrag der Digitalisierung sowohl im gesamtwirtschaftlichen Schnitt als auch in der Industrie bei 0,4 Prozentpunkten pro Jahr. Das sind 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.“

VBW-Geschäftsführer Brossardt: „Unsere Untersuchung zeigt, dass die zunehmende Durchdringung aller Wirtschaftsbereiche mit digitalisierten Produkten und Prozessen in den letzten Jahren einen erheblichen Beitrag zum technischen Fortschritt und zum Wachstum der deutschen und bayerischen Wirtschaft geleistet hat.“

Er machte zudem deutlich, dass gerade in einer reifen Volkswirtschaft mit einer schrumpfenden Bevölkerung weder ein zusätzlicher Kapitalaufbau noch eine Beschäftigungsausweitung für merkliche Wachstumsimpulse sorgen könne. Der entscheidende Wachstumstreiber könne nur der technische Fortschritt sein. Deshalb müssen Bayern und Deutschland weiterhin auf die Digitalisierung setzen.

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