Brennstoffzellen-History

Mercedes-Benz glaubt seit 30 Jahren an die Brennstoffzelle

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Der erste Demonstrator rollt schon nach zwei Jahren

Innerhalb weniger Wochen erarbeiten die Experten dann ein konkretes Konzept für ein Antriebsmodul und stellen es Weule vor, heißt es. Der Wissenschaftler gibt im November 1991 den Weg für den Bau eines Demonstrators frei. Das Ganze wurde mit Mitteln für zwei Jahre unterstützt. Das ist eigentlich nicht sehr lang für die Entwicklung einer Antriebsalternative, die es in dieser Ausführung noch nie gegeben hat, betont die Daimler AG heute. Doch das Ziel der emissionsfreien Mobilität war zu verlockend. Denn als Reaktionsprodukt des Wasserstoffs mit Luftsauerstoff bleibt lediglich Wasser übrig. Es handelt sich quasi um eine gebändigte und kontrollierte Knallgasreaktion, wie sie viele noch aus dem Chemieunterricht kennen.

Der weitere Verlauf ist heute Geschichte. Denn der Entwicklungs-Sprint gelingt tatsächlich. Am 13. April 1994 präsentiert man der Öffentlichkeit das NECAR („New Electric Car“). Zu diesem Zeitpunkt hat das wegweisende Fahrzeug übrigens bereits mehrere Tausend Kilometer auf dem Tachometer. Denn bereits seit Dezember 1993 fährt es störungsfrei.

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Genauer gesagt, wird ein Transporter des Typs Mercedes-Benz MB 100 zum rollenden Labor für die Zukunft der Antriebstechnik. Die Wahl fiel nicht auf diesen Transporter, weil damals die Nutzfahrzeuganwendung im Vordergrund gestanden habe. Aber das Antriebsmodul wiegt rund 800 kg und benötigt sehr viel Platz – es nimmt fast den gesamten Laderaum ein – das war der Hauptgrund. Somit stand fest, dass der Brennstoffzellen-Antrieb für Automobile geeignet ist. Mit einer Tankfüllung Wasserstoff schafft das NECAR rund 130 km bei einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h und einer Leistung von 30 kW (41 PS). Heute kann dieser Wasserstoff-Pionier im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart bewundert werden.

Brennstoffzellen-Expertise auf Nutzfahrzeuge übertragen

Dieser Erfolg bekräftigte das Unternehmen, den Weg weiter zu gehen. Und die Entwicklungsschritte in den Folgejahren machen die Brennstoffzellen-Technologie dann auch alltagstauglicher. Beispielsweise lassen sich seitdem alle Komponenten immer besser in Fahrzeugen integrieren. Die Leistung konnte gesteigert werden und die Kaltstartfähigkeit wurde optimiert, wie es rückblickend heißt. Jedes Brennstoffzellenfahrzeug dokumentiere in den Folgejahren diese Entwicklungsfortschritte. Auch Nutzfahrzeuge erhalten im Zuge dessen die neuartige Antriebstechnik. Zusätzlich wird sie in Bussen im regulären Linieneinsatz erprobt. Ihre Premiere feierte sie im NEBUS (New Electric Bus) im Jahr 1997. Danach sammelt Mercedes-Benz mit mehreren Dutzend Stadtbussen auf Basis des Citaro wertvolle Erkenntnisse im Linieneinsatz in zahlreichen Metropolen in Europa, Australien und China.

Nach 3 Minuten Tankzeit, über 400 km fahren!

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 2017 (IAA) in Frankfurt am Main präsentierte Mercedes-Benz die Vorserienversion des GLC-F-CELL als weltweit erstes Elektrofahrzeug mit Brennstoffzelle und Plug-in-Hybridtechnologie. Es wird seit 2018 von Flottenkunden und ab 2019 auch von weiteren Geschäfts- und Privatkunden eingesetzt. In nur drei Minuten lassen sich die Tanks des Fahrzeugs mit Wasserstoffgas füllen, das unter einem Druck von 700 bar steht. Die wasserstoffbasierte Reichweite des 155 kW (211 PS) starken Elektrofahrzeugs beträgt rund 430 km im NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus), dazu kommen im Hybridmodus noch einmal rund 50 km mit Strom aus der Batterie.

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