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Pipelinerohre

Millimeterarbeit in höchster Präzision: Rohre für die Ostsee-Pipeline

| Autor: Kirsten Haubert

Für den Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream hat die Europipe GmbH insgesamt rund 153.500 Rohre geliefert. Beim Biegen der Bleche für die bis zu 18 m langen Rohre vertraute das Unternehmen auf Pressengesenke von Schmolz + Bickenbach Guss. Denn es waren strenge Vorgaben zu beachten – die Toleranzen für Abweichungen liegen im Millimeterbereich.

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Mittels Versorgungsschiffen werden die Großrohre zum Verlegeschiff in der Ostsee transportiert, wo sie zu einem Rohrstrang verschweißt und in Wassertiefen von bis zu 220 Bar standhalten. (Bild: additiv pr)
Mittels Versorgungsschiffen werden die Großrohre zum Verlegeschiff in der Ostsee transportiert, wo sie zu einem Rohrstrang verschweißt und in Wassertiefen von bis zu 220 Bar standhalten. (Bild: additiv pr)

Langfristige Energiesicherheit – dieses Ziel soll mit dem Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream realisiert werden. Der erste 1220 km lange Strang wurde bereits im November 2011 in Betrieb genommen, im Laufe dieses Jahres erfolgt die Fertigstellung des zweiten genauso langen Abschnitts.

1838 km Rohre für Nord-Stream-Pipeline wiegen rund 1,6 Mio. t

Die Nord-Stream-Pipeline ist das derzeit größte und komplexeste Offshore-Projekt weltweit. Sie wird nach ihrer Fertigstellung jährlich über 55 Mrd. m3 Erdgas von Russland ins europäische Ferngasnetz einspeisen.

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Die Europipe-Gruppe mit Sitz der Zentrale in Mülheim an der Ruhr lieferte an Nord Stream insgesamt rund 153.500 Rohre – das entspricht 1838 km mit einem Gesamtgewicht von rund 1,6 Mio. t. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt etwa 1700 Mitarbeiter, Kerngeschäft ist die Produktion längsnaht- und spiralnahtgeschweißter Stahlrohre für die Öl- und Gasindustrie.

„Unsere Rohre halten höchsten Temperaturen in der Wüste ebenso stand wie niedrigsten Temperaturen im ewigen Eis oder dem extremen Druck der Tiefsee“, erklärt Dr. Andreas Liessem, Werksleiter im Mülheimer Großrohrwerk. Für die Nord-Stream-Pipeline von Wyborg (Russland) nach Greifswald produzierte Europipe längsnahtgeschweißte Großrohre. „Das ist der größte Auftrag, den Europipe jemals realisiert hat“, erklärt Liessem.

Europipe fertigte 4000 Rohre monatlich für die Pipeline

Für dieses Projekt fertigte das Unternehmen monatlich etwa 4000 Rohre mit einem Außendurchmesser von 48" (1220 mm) und mit Wanddicken zwischen 26,8 mm und 34,6 mm nach dem UOE-Verfahren (U-Formen, O-Formen, Expandieren). Dabei wird ein hochfestes Blech, das gleichzeitig höchste Zähigkeiten aufweist, auf einer U-Presse zu einem „U“ geformt. Danach erfolgt auf der O-Presse mit sich schließenden Gesenken die Umformung zu einem Schlitzrohr. Anschließend werden die Längskanten des Schlitzrohrs verschweißt.

Die endgültige, nahezu kreisrunde Form wird durch einen Expander herbeigeführt. Das 12 m lange längsnahtgeschweißte Rohr erhält Beschichtungen – innen zur Minderung der Reibung zwischen Gas und Rohrwand sowie außen zum Korrosionsschutz. Nach der zusätzlichen Betonummantelung sind die Rohre bereit zur Verlegung.

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