Interview mit dem CEO von Maxon Motor

Mit Automatisierung den Werkplatz Schweiz sichern

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SMM: Vor kurzem wurde bekannt, dass Maxon den britischen Getriebemotorenhersteller Parvalux übernommen hat. Was erhoffen Sie sich von dieser Akquisition?

Elmiger: Mit der Akkreditierung von Parvalux machen wir einen weiteren wichtigen Schritt hin zum kompletten Systemanbieter. Wir vergrößern unser Portfolio mit DC-Motoren im Leistungsbereich bis 1,5 kW, AC-Motoren sowie Schneckengetrieben. Damit eröffnen sich für uns spannende Märkte im Bereich der Medizintechnik; Stichwort Treppenlifte oder elektrische Rollstühle. Aber auch für die Robotik können wir nun Lösungen anbieten, die wir zuvor mit unseren Antrieben nicht abgedeckt haben. Die Vergrößerung der Maxon Gruppe ist ganz klar Teil unserer nachhaltigen Wachstumsstrategie. Wir wollen langfristig führend in unserem Antriebsmarkt sein, komplette Systemlösungen zur Integration in verschiedenste Anwendungen anbieten und gleichzeitig unseren Kunden den bestmöglichen Service anbieten.

SMM: Vor einer Weile gaben Sie den Einstieg in die Welt der E-Bikes bekannt. Wie läuft das Geschäft auf zwei Rädern?

Elmiger: Wir bieten seit drei Jahren ein komplettes Nachrüstkit aus Motor, Batterie und Powergrip an, mit dem praktisch jedes Fahrrad in ein E-Bike umgewandelt werden kann. Und glauben Sie mir: Jeder, der einmal damit gefahren ist, kommt begeistert zurück. Denn der Heckantrieb des Maxon Bikedrive hat ein wirklich tolles Drehmoment. Allerdings war uns auch von Anfang an bewusst, dass der E-Bike-Markt schwierig ist und niemand auf uns gewartet hat. Deshalb fokussieren wir uns inzwischen auch mehr auf das OEM-Geschäft. Hier laufen verschiedene Projekte, die in den nächsten zwei Jahren auf den Markt kommen werden.

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Gleichzeitig haben wir durch die Arbeit am Nachrüstkit unter anderem ein großes Know-how im Bereich Batterien und Batterienmanagementsystemen (BMS) aufgebaut und viel über Interfaces und Gesamtsysteme gelernt. Das hilft uns nun, in den E-Mobility-Markt vorzustoßen und dort als kompetenter Partner aufzutreten.

SMM: Der Robotikmarkt boomt, immer mehr „mechanische Kollegen“ werden weltweit installiert. Insbesondere kollaborativen Robotern wird eine große Zukunft vorausgesagt. Die kleinen Maxon-Motoren scheinen da wie prädestiniert für den Einsatz in solchen Cobots, oder?

Elmiger: Natürlich! Wobei es viele verschiedene Arten von Cobots gibt, die eine jeweils passende Antriebslösung benötigen. Eines unserer interessantesten Produkte diesbezüglich ist sicher die Frameless-Variante des bürstenlosen EC-Flachmotors. Rotor und Stator werden getrennt geliefert – ohne Lagerung und ohne Motorwelle – und erst beim Zusammenbau der Komponenten miteinander verbunden. Das spart Platz und Gewicht, was bei kollaborativen Robotern sehr wichtig ist.

Solche Cobots werden übrigens auch in unserer eigenen Produktion vermehrt zum Einsatz kommen. Einen ersten haben wir vor einem Jahr in Betrieb genommen und es werden laufend mehr werden. Denn Automatisierung ist eines von mehreren Mitteln, um den Werkplatz Schweiz langfristig zu sichern.

SMM: Der größte Umsatztreiber bleibt aber die Medizintechnik. Wo werden hier die Maxon-Lösungen eingesetzt?

Elmiger: Ja, der Medizinbereich macht nach wie vor weit über 40 Prozent unseres Umsatzes aus. Unsere Präzisionsantriebe kommen dabei sehr breit zum Einsatz: Insulinpumpen, Medikamentendosiersysteme, Analysegeräte, Operationsroboter oder Handgeräte für Chirurgen. Nicht zu vergessen sind bionische Prothesen oder Exoskelette. Das sind viele spannende Projekte, die uns täglich fordern, aber uns immer besser machen und natürlich auch unheimlich Spaß bereiten.

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Über den Autor

 Silvano Böni

Silvano Böni

Chefredaktor at - Aktuelle Technik, Vogel Communications Group AG