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Interview

Mit digitaler DNA für die Zukunft gewappnet

| Autor: M. A. Benedikt Hofmann

Im Gespräch mit MM-Chefredakteur Benedikt Hofmann erläutert Fanuc-Firmenchef Dr. Yoshiharu Inaba, welche Bedeutung Digitalisierung und Vernetzung für sein Unternehmen haben.

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Die Roboter von Fanuc kommen unter anderem in der Automobilindustrie zum Einsatz.
Die Roboter von Fanuc kommen unter anderem in der Automobilindustrie zum Einsatz.
(Bild: Fanuc)

Allenthalben wird über die Veränderungen gesprochen, die Unternehmen durch die Digitalisierung durchlaufen. Muss sich auch Ihr Unternehmen wandeln, um dem Rechnung zu tragen?

Für uns ist die Digitalisierung an sich nichts wirklich Neues. Als Experte für CNC-Technik haben wir schon vor Jahrzehnten begonnen, Maschinen und Anlagen zu digitalisieren. Aber natürlich weiß ich, was Sie meinen. Der Begriff Digitalisierung ist heute anders besetzt und hat eine weiter gefasste Bedeutung. Diese Digitalisierung und vor allem Vernetzung hat das Potenzial, die Fertigung grundlegend zu verändern. Bis die Industrie so weit ist, wird aber noch etwas Zeit vergehen.

Wo liegen die Gründe dafür? Im Alltag ist die digitale Vernetzung beispielsweise schon flächendeckend angekommen.

Das liegt an der Komplexität. Man kann Smartphones oder Consumer-Apps nicht mit Lösungen in der Fertigungsindustrie vergleichen. Hier haben wir ganz andere Anforderungen, denen die Lösungen entsprechen müssen. Nehmen Sie beispielsweise das Konzept der Industrie 4.0, das zum Ziel hat, Maschinen so miteinander zu vernetzen, dass eine ganze Fabrik mit einem System und von einem Punkt aus gesteuert werden kann. Bis wir so weit sind, gibt es noch viele Schritte zu gehen. Ist diese Entwicklung aber geschafft, wird der Umbruch sehr schnell gehen, auch dessen muss man sich bewusst sein. Das kommt durch die enorme Skalierbarkeit und Adaptierbarkeit digitaler Lösungen.

Gestaltet Ihr Unternehmen diese Entwicklung aktiv mit?

Natürlich, digitale Lösungen stecken in unserer DNA. Beispielsweise haben wir in Japan bereits eine offene Plattform für das Internet der Dinge vorgestellt, mit der wir unsere Kunden in ihrer Entwicklung unterstützen. 2019 werden wir diese Plattform auch in den USA und in Europa ausrollen.

In diesem Zusammenhang ist gerade beim Umgang mit den erhobenen Daten noch vieles unklar. Wie positioniert sich Ihr Unternehmen bei dieser Frage?

Für uns steht fest, dass der Besitzer einer Produktionsstätte auch die uneingeschränkte Hoheit über die dort erhobenen Daten haben muss. Wir können um die Erlaubnis bitten, dass uns diese Daten zur Verfügung gestellt werden, um die Prozesse zu verbessern. Auf diesem noch recht jungen Feld besteht noch ein großer Bedarf für internationale gesetzliche Regelungen. Die Entwicklung geht so schnell, dass die Gesetzgeber nicht Schritt halten können.

Wie diese Regelungen zukünftig aussehen, wird auch große Auswirkungen darauf haben, wie Künstliche Intelligenzen im industriellen Umfeld zum Einsatz kommen.

Dr. Yoshiharu Inaba im Gespräch mit MM-Chefredakteur Benedikt Hofmann.
Dr. Yoshiharu Inaba im Gespräch mit MM-Chefredakteur Benedikt Hofmann.
(Bild: FANUC/Daniel Hermann)

Natürlich. KI kann ihr Potenzial dann am besten entfalten, wenn ein uneingeschränkter Zugriff auf die erhobenen Daten besteht. Nur so kann sie Muster erkennen, Ableitungen erstellen und aus dem Erfassten lernen. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir unsere eigenen Daten für diese Zwecke nutzen können. In unsere Produktion in Japan haben wir etwa 1000 Werkzeugmaschinen und mehr als 4000 Roboter im Einsatz. Die Daten, die wir erheben und analysieren, nutzen wir, um unsere Systeme und Prozesse zu optimieren. Die Ergebnisse aus dieser Arbeit kommen natürlich auch unseren Kunden zugute.

In diesem Bereich erwächst Ihnen zunehmend neuer Wettbewerb aus den Reihen der großen IT-Unternehmen. Wie möchten Sie sich von diesen abheben?

Es geht hier nicht darum, einfach eine Software zu entwickeln und diese zur Verfügung zu stellen. Viel wichtiger ist, den Fertigungsprozess zu verstehen und Lösungen anzubieten, die perfekt auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten sind. Das können wir, dank unserer jahrzehntelangen Erfahrung, wie kaum ein anderer.

Lassen Sie uns noch ein wenig über den deutschen Markt sprechen. Wie bedeutend ist dieser für Ihre Zukunftspläne?

Natürlich spielt Deutschland eine große Rolle. Das Land ist weltweit eines der Schwergewichte in Sachen Produktion. Allerdings betrachten wir den deutschen Markt nicht mehr isoliert, sondern im Kontext eines gesamteuropäischen Wirtschaftsraums. Es ist uns sehr wichtig, die Unterschiede in der Gesetzgebung und den Landessprachen zu berücksichtigen.

Spielen regionale Unterschiede auch bei der Entwicklung neuer Produkte eine Rolle, beispielsweise in Bezug auf die zu Beginn angesprochene Digitalisierung und Vernetzung?

Absolut, die Lösungen müssen an die Bedürfnisse auf den verschiedenen Märkten angepasst werden. Auch deshalb haben wir im September 2017 unser European Development Center in Deutschland eröffnet. Dieses Center wird uns unter anderem dabei helfen, unsere Softwarelösungen für den europäischen Markt zu optimieren.

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Über den Autor

M. A. Benedikt Hofmann

M. A. Benedikt Hofmann

Chefredakteur, MM MaschinenMarkt