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Porträt Mit passendem Werkstoff Schwingungen reduzieren

| Autor/ Redakteur: Reinhold Schäfer / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Vor 50 Jahren wurde Getzner Werkstoffe gegründet und ist heute das weltweit führende Unternehmen im Schwingungs- und Erschütterungsschutz in den Bereichen Bahn, Bau und Industrie.

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Bei Gebäuden wie dem Konzerthaus Musiikkitalo in Helsinki ist der Schwingungs- und Erschütterungsschutz besonders wichtig.
Bei Gebäuden wie dem Konzerthaus Musiikkitalo in Helsinki ist der Schwingungs- und Erschütterungsschutz besonders wichtig.
(Bild: Getzner Werkstoffe)

Die Getzner Werkstoffe GmbH wurde 1969 als Getzner Chemie Ges.m.b.H. & Co. in Bürs (Österreich) gegründet. Ursprünglich sollte das Unternehmen als Tochtergesellschaft von Getzner, Mutter & Cie. für die Produktion von Kunstleder verantwortlich sein und das Textilgeschäft der Holding ergänzen. Im Rahmen der Kunstlederentwicklung experimentierte man auch mit Polyure­than-Schäumen. Das Ergebnis war dermaßen vielversprechend, dass Getzner das Geschäftsmodell gleich komplett umstellte: Mit der Einführung des seit Jahren geschützten Werkstoffes Sylomer kam 1976/77 der endgültige Umstieg auf die Entwicklung von Schwingungsschutzlösungen. „Die elastischen Lager aus unseren Werkstoffen befreien Fahrwege, Züge, Gebäude sowie Maschinen von Schwingungen. Unsere Hightechlösungen tragen somit zur Verbesserung der Arbeits-, Reise- und Lebensqualität bei. Darauf sind wir stolz“, erläutert Jürgen Rainalter, Geschäftsführer von Getzner.

Obwohl sich Getzner völlig von der Kunstlederherstellung abwendete, ist das Unternehmen über die Getzner Holding bis heute tief mit dem Familienunternehmen verbunden und arbeitet weiterhin eng mit ihm zusammen. Dank der Produktpalette können heute selbst stark schwingungsbelastete Bauflächen genutzt und der Gebäudewert positiv beeinflusst werden.

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Werkstoffe sind zum Teil seit vierzig Jahren im Einsatz

„Schon von Beginn an konnten wir mit Innovationen punkten, das treibt uns auch heute noch an“, schildert Rainalter. Das Alleinstellungsmerkmal von Getzner seien die vielen eindrucksvollen Langzeitreferenzen. „Aufgrund unseres langjährigen Bestehens können wir Projekte vorweisen, bei denen unsere Lösungen vierzig Jahre und mehr erfolgreich funktionieren.“ Auch ein halbes Jahrhundert nach der Gründung investiert Getzner stark in Forschung und Entwicklung. Erst kürzlich hat das Unternehmen mit der Produktreihe G-fit einen Schutz gegen Lärm und Vibrationen für Fitness-Studios auf den Markt gebracht. Erste Projekte sind bereits in der Umsetzung, unter anderem kommt der Schwingungsschutz in einem Crossfit-Studio in Zürich zum Einsatz.

Mehr Ruhe bedeutet mehr Lebensqualität

Zum als Warenzeichen geschützten Sylomer gesellten sich die eigens entwickelten Werkstoffe Sylodyn, Sylodamp und das Produktprogramm Isotop hinzu. Sie kommen in den Bereichen Bahn, Bau und Industrie zum Einsatz und reduzieren Vibrationen sowie Lärm. Damit verlängern sie die Lebensdauer der gelagerten Komponenten und senken so den Wartungs- und Instandhaltungsaufwand für Fahrwege, Fahrzeuge, Bauwerke und Maschinen. Die widerstandsfähigen und teils brandhemmenden Werkstoffe können an die unterschiedlichsten Kundenanforderungen angepasst werden.

Auch der internationale Erfolgskurs des Unternehmens begann mit dem Werkstoff Sylomer: 1983 wurde die Getzner Werkstoffe Deutschland GmbH in Grünwald gegründet, 1994 und 1996 folgten Büros in Jordanien und ein weiteres in Deutschland. Mittlerweile hat Getzner noch weitere Standorte in Japan, Indien, China, den USA und Frankreich. Zuletzt wurde 2018 ein eigener Produktionsstandort in Decatur (USA) eröffnet.

Erwähnenswerte Referenzbauten mit speziellen Anforderungen sind Getzner zufolge das Auditorium im Schloss Versailles (Frankreich), das Musikstudio der Red Bull Music Academy in Tokio (Japan), die Elbphilharmonie in Hamburg sowie die Seine Musi­cale in Paris (Frankreich).

Renommierte Referenzen zeigen Kompetenz

Ein aktuelles Projekt ist der Schwingungsschutz auf der Bahnstrecke von Sivas nach Ankara in der Türkei – erst kürzlich erhielt Getzner auch den Zuschlag für die zweite Bauphase. Durch den Bau dieser Hochgeschwindigkeitsstrecke, die auf Werkstoffen von Getzner lagert, wird sich die Dauer der Fahrt von bislang zwölf Stunden auf zwei reduzieren. Beachtlich ist auch ein weiteres Projekt: Beim Abbruch der Grandberry Mall in Tokio wurden auch die vor 14 Jahren eingebauten elastischen Punktlager von Getzner aus Sylodyn demontiert. Weil diese aber nach so langer Zeit immer noch den Schwingungsschutzanforderungen entsprechen, wurden sie beim Neubau der Mall kurzerhand wieder eingebaut.

Laufende Optimierungsbestrebungen

Getzner investiert nicht nur in Produkte und Dienstleistungen, sondern auch in die Optimierung des eigenen Betriebs: Im Rahmen des 2018 ins Leben gerufenen Projekts Operational Excellence (Opex) definieren interdisziplinäre Teams laufend Potentzale zur Effizienzsteigerung. Eine entscheidende Rolle dabei spielt die Digitalisierung. „Wir sehen in ihr nicht nur eine Möglichkeit, unsere Effizienz zu steigern, sondern auch die Prozesse zu optimieren: vom Vertrieb, über die Produktion bis hinein in die einzelnen Divisions. Wir testen permanent die technologischen Entwicklungen und machen sie uns zunutze. Dadurch können wir eine Qualität nachhaltig garantieren“, erklärt Jürgen Rainalter. Das Opex-Projekt umfasst alle Standorte von Getzner weltweit.

Mit 490 Mitarbeitern (davon 360 am Standort Bürs) erzielte das Unternehmen 2018 einen Umsatz von 100,3 Mio. Euro. Die Exportquote liegt bei 93 %.

* Weitere Informationen: Getzner Werkstoffe GmbH in 6706 Bürs (Österreich)

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