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Cross Industry Business Neue Geschäftsfelder für den Mittelstand

| Autor / Redakteur: Utz-Volker Jackisch und Zeynep Yaman / Robert Horn

Neue Produkte zu entwickeln, bedeutet oft ein schweres Risiko für Unternehmen, es erfordert einen hohen Einsatz von Kapital und Zeit. Cross Industry Business kann gerade für mittelständische Unternehmen eine hocheffiziente und risikoarme Alternative sein.

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Mit der Cross-Industry-Methode hat die Rampf-Gruppe den Bereich Composites als Tätigkeitsfeld ausgemacht – und passend dazu ein kanadisches Compositeunternehmen übernommen.
Mit der Cross-Industry-Methode hat die Rampf-Gruppe den Bereich Composites als Tätigkeitsfeld ausgemacht – und passend dazu ein kanadisches Compositeunternehmen übernommen.
(Bild: Rampf)

Wer sein Unternehmen auch langfristig gut aufstellen möchte, kommt nicht an ihr vorbei – der Frage nach künftigen Umsatzträgern. „Womit wird die nächste Generation ihr Geld verdienen?“ Auch die Geschäftsführer Matthias und Michael Rampf suchen gemeinsam mit dem Innovations- und Technologiemanager der Rampf-Gruppe, Dr. Utz-Volker Jackisch, nach Antworten.

Ihr Vater Rudolf Rampf hatte seit 1980 das Unternehmen aus Grafenberg aufgebaut. Vor Projektbeginn zählte die international aktive Rampf-Gruppe fünf Geschäftsfelder, die Bereiche wie Modellbaumaterialien, Anlagenbau oder Recycling umfassten. „Gibt es Konzepte, die die eigenen Kompetenzen systematisch nutzen, um neue Geschäftsfelder zu generieren?“ Diese Frage führte die beiden Geschäftsführer zur neuen Cross-Industry-Business-Methode (CIB).

Das Rad nicht neu erfinden

In Klassikern sowie neuerer Management-Literatur finden sich viele Ansätze, wie neue Märkte erschlossen werden können: Business Model Generation, Blue Ocean Strategy oder Disruptive Innovation. Diese Strategien beinhalten häufig ein hohes Risiko, da sie auf „Neue-Märkte-Neue-Produkte“-Kombinationen abzielen. Im Gegensatz dazu ist der Grundgedanke von Cross Industry Innovation, bewährte Lösungen auf neue Anwendungen zu übertragen.

Mittels kreativer Kombinationen von bestehenden Kompetenzen werden neue Ideen und Anwendungen für Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle erzeugt. Man muss das Rad schließlich nicht jedes Mal neu erfinden. Dabei wird zwischen der Inside-out- und der Outside-in-Perspektive unterschieden. Beim prominenteren Outside-in-Ansatz suchen Unternehmen Lösungen für Probleme. BMW fand für sein Steuerungssystem „iDrive“ Technologielösungen in den Funktionen der Joysticks von Spielekonsolen. Dyson nutzte für seine Zyklone das Know-how aus einem Sägewerk.

Relativ unbekannt ist bislang der Inside-out-Ansatz: Unternehmen suchen Probleme, also neue Anwendungsfelder, für eigene Lösungen und Kompetenzen. „Das ist doch unser Tagesgeschäft, werden viele sich denken“, sagt Prof. Dr. Thomas Abele von TIM Consulting aus Stuttgart. Eine große Herausforderung der Cross Industry Innovation liegt jedoch in der Identifizierung dieser neuen Geschäftsfelder und dem nötigen Zugang zu fremden Branchen. Frei nach dem Motto der Dumont-Reiseführer: Man sieht nur das, was man kennt!

Das Wissen um das eigene Können

Cross-Industry-Innovationen entstehen derzeit selten nach einer bestimmten Systematik, da es bislang keine entsprechenden Vorgehensmodelle zur Einbindung von branchenfremden Unternehmen gibt. Die neue Cross-Industry-Business-Methode bietet jedoch jetzt ein effizientes und in Industrieprojekten bereits bewährtes Vorgehen.

Üblicherweise ist bei branchenübergreifendem Denken Networking entscheidend. Unternehmer stoßen dabei jedoch oft schnell an ihre Grenzen: Denn ab einer gewissen Schwelle verringern sich die Kontaktpunkte, das Engagement nimmt ab. Auch treten bei der Suche im eigenen Netzwerk sogenannte „Local Search Bias“ auf: kurz gesagt, geeignete Anwendungsfelder in anderen Märkten liegen außerhalb der Betrachtungsperspektive, es fehlen die Anknüpfungspunkte. „Das konnten wir mit der neuen ,Cross-Industry-Business’-Methode umgehen“, berichten Matthias und Michael Rampf.

Kompetenzsuche mithilfe von Mindmaps

Zunächst gilt es, das interne Know-how etwa mithilfe von Technologieportfolios so zu bewerten, dass geeignete Kompetenzen abstrahiert werden können. Für die explorative Suche werden diese Informationen dann in Mindmaps und einem analytischen, morphologischen Kasten strukturiert. „Für die Suche nach neuen Anwendungsfeldern des eigenes Know-hows stehen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zur Verfügung“, erklärt Abele.

Mögliche Quellen wie Patente sind ordentlich strukturiert und könnten auch maschinell verarbeitet werden. Zudem existiert eine Vielzahl an Datenbanken mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Als nützlich haben sich zudem soziale Netzwerke erwiesen: Experten erstellen dort durch ihre Profile selbst eine Verbindung zwischen Fähigkeiten und Anwendungen. Aus den Recherchedaten entstehen Ideen, welche nach einer Bewertung in Business-Plänen vertieft werden. Die Rampf-Gruppe konnte unter anderem durch die Suche mit der „Cross-Industry-Methode“ insgesamt 150 Ideen für neue Geschäftsfelder generieren. „Drei mögliche Anwendungsfelder wurden dann als Business-Plan ausgearbeitet“, berichten die beiden Geschäftsführer, die von dem neuen Konzept überzeugt sind.

Das größte Potenzial der drei untersuchten Anwendungsfelder hatte schließlich der Bereich Composites. Konsequent war die daraus resultierende Übernahme des kanadischen Unternehmens Apex Composites, eines Komplettanbieters im Leichtbau mit Composites für Unternehmen in der Luftfahrt- und Medizinindustrie. Im Zusammenspiel mit den bereits bestehenden Kompetenzen ergibt sich dadurch die Möglichkeit, auch neue Anwendungsfelder zu erschließen, so zum Beispiel Leichtbau für dynamisch bewegte Teile im Maschinenbau. Damit habe Rampf eine wichtige Grundlage für die zukünftige Entwicklung der Gruppe gelegt, ist sich die Geschäftsleitung sicher.

* Dr.-Ing. Utz-Volker Jackisch ist Geschäftsführer der Rampf Machine Systems GmbH in 73117 Wangen, Tel. (0 71 61) 95 88 90, info@rampf-gruppe.de, Zeynep Yaman ist Consultant bei TIM Consulting in 70469 Stuttgart, Tel. (01 77) 4 95 97 15, zeynep.yaman@tim-consulting.eu

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