EMO Hannover 2017

Noch Klärungsbedarf: Sicherheit von Werkzeugmaschinen

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Interview: Wie Hersteller die Maschinenanwender unterstützen

Herr Steger, Grob gilt als Vorzeigeunternehmen in Sachen Arbeitssicherheit: Wie gehen Sie intern mit diesem Thema bei Ihren eigenen Bedienern um?

Ein sicherer Umgang mit Werkzeugmaschinen setzt voraus, dass die Beschäftigten über die Bedienung, die Gefahren beim Umgang mit der Werkzeugmaschine sowie über die Schutzmaßnahmen zu deren Abwendung ausreichend unterwiesen werden. Abgesehen von den Bedienerschulungen selbst, erhalten unsere Bediener von Werkzeugmaschinen deshalb regelmäßig Unterweisungen zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz. Neben allgemeinen Hinweisen zum sicherheitsgerechten Verhalten, fließen die Erkenntnisse aus der entsprechenden Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes und der dort verwendeten Arbeitsmittel mit ein. In diesem Fall zum Beispiel die Gefährdungsfaktoren beim Umgang mit der Werkzeugmaschine und die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen. Zusätzliche Information am Einsatzort – zum Beispiel eine Betriebsanweisung über den sicherheitsgerechten Umgang mit der Werkzeugmaschine – runden das Schutzkonzept für unsere Bediener ab.

Und was ist mit den Ausbildern der Bediener?

Unsere Meister schicken wir zusätzlich zu externen Seminaren der Berufsgenossenschaft, damit sie sich ihren Pflichten und Aufgaben als Führungskraft – auch im Hinblick auf die Arbeitssicherheit – bewusst werden. Ich finde es sehr gut, dass vor allem unsere neuen, jungen Meister von externen Referenten geschult werden und somit noch mehr über die wichtige Rolle der Fürsorgepflicht für Mitarbeiter lernen. Die Erfahrungen, die sie in diesen externen Seminaren sammeln, helfen den Meistern. Sie können die Tipps optimal in der Praxis anwenden.

Es ist also auch ein Tipp mit Vorbildcharakter für Kunden?

Auf jeden Fall. Das, was für unsere Mitarbeiter wichtig ist, zählt für unsere Kunden ebenfalls.

Und wie schult Grob seine Kunden?

Beim Verkauf umfangreicher Fertigungslinien bieten wir unseren Kunden Schulungen an, die auf die Fertigungslinie und die Anforderungen des Kunden zugeschnitten sind. Im Universalmaschinenbereich haben wir separate, modular aufgebaute Schulungsmodule. Hierzu zählen zum Beispiel die prozesssichere Programmierung, das Interpolationsdrehen oder die Geometrie-Kalibrierung. Wir sprechen dabei natürlich auch immer den sicheren Umgang mit den Maschinen an und nennen Praxisbeispiele.

Können Sie uns dazu ein typisches Beispiel nennen?

Wenn unsere Kunden bereits mit einem Grob-Bearbeitungszentrum arbeiten, zeigen wir ihnen Wege und Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung. Durch unsere Schulungen werden sie noch vertrauter mit unseren Maschinen und lernen den sicheren Umgang. Auch Neukunden profitieren von unseren Schulungen, die zur aktiven Sicherheit beitragen und ihnen effizientes Arbeiten demonstrieren. Durch verschiedene Maßnahmen können Maschine und Werkzeug geschont, die Rüstzeiten reduziert und die Maschine voll ausgelastet werden. Dies trägt wiederum zur Qualitätssteigerung bei. Die Arbeit an Werkzeugmaschinen steht und fällt ja mit der Qualität der Steuerung.

Wie kann sie zur Arbeitssicherheit beitragen?

Dazu zählen für mich in erster Linie Stör- und Fehlermeldungen auf den Bedienpulten der Maschinensteuerungen, die den Bedienern etwa die Gründe für einen Maschinenstillstand nennen.

Wie unterstützen Sie den Anwender außerdem bei der Arbeitssicherheit?

Wir sorgen bei geöffneten, trennenden Schutzeinrichtungen dafür, dass keine Gefahr von der Maschine ausgeht und dass sie sich ohne Manipulation von Schutzeinrichtungen betreiben lässt.

Das betrifft vor allem den Rüstbetrieb: Welche Vorschriften gilt es in dieser in der Produktion typischen Situation zu beachten?

Wichtig sind die Betriebsarten 2 und 3 nach EN 12417 beziehungsweise zukünftig MSO 2 und 3 nach FDIS ISO 16090 „Sicherheit von Fräsmaschinen“. MSO steht für „Mode of Safe Operation“ und FDIS für „Final Draft International Standard“, also den Schlussentwurf einer neuen Norm. Bei diesen sicheren Betriebsarten kann der Mitarbeiter eine Maschine selbst bei offener Tür mit einem tragbaren Gerät in sehr vielen Funktionen sicher bedienen. Er kann in der Maschine beispielsweise Bewegungen ausprobieren, ohne dabei die Produktionsanlage in irgendeiner Weise zu manipulieren.

Wie gehen Sie in Ihrer Produktion selbst vor?

Für unser eigenes hochqualifiziertes Personal haben wir intern für uns die „Betriebsart Grob“ definiert, die über die Funktionen der bereits erwähnten normativen Betriebsarten MSO 2 und 3 hinausgeht. Diese Betriebsarten schränken den Betrieb durch Limits beispielsweise bei der Geschwindigkeit ein. Bei tagtäglichen Arbeiten im Probebetrieb oder beim Einrichten einer Maschine sind diese Limits aber nicht sehr hilfreich. Mit der „Betriebsart Grob“ können sie diese Limits überwinden, ohne die Maschine zu manipulieren.

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