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Porträt: Handbohrmaschine Notlösung als Geburtshelfer für Erfindung der Handbohrmaschine

| Autor / Redakteur: Alexander Völkert / Frank Jablonski

Der Mensch wird immer dann erfinderisch, wenn er genervt von einem suboptimalen Zustand ist. Auch bei großen Erfindungen, die heute für uns selbstverständlich sind, war dsa nicht selten der Fall, wie die Erfindung der Handbohrmaschine zeigt.

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Die Firma C. & E. Fein bringt 1895 die erste elektrische Handbohrmaschine auf den Markt.
Die Firma C. & E. Fein bringt 1895 die erste elektrische Handbohrmaschine auf den Markt.
( C. & E. Fein)

Stuttgart 1895, die beiden jungen Männer Friedrich Heep und Jakob Wahl arbeiten als Mechaniker in einer Werkstatt. Ihre Aufgabe: Löcher bohren, und zwar unendlich viele. Deprimiert von dieser Aussicht, helfen sie sich in der Not und stecken ein Bohrfutter einer Standbohrmaschine auf einen kleinen handlichen Elektromotor aus der Werkstatt. Nun bohrt es sich entschieden leichter. Von dieser Lösung in der Not hört Emil Fein, der älteste Sohn des Firmengründers.

Er greift die Idee auf und entwickelt mit seinem Mitarbeiter Otto von Kellenbach den improvisierten Elektrobohrer weiter bis zur Marktreife. Das Ergebnis ist 7,5 Kilogramm schwer und muss mit beiden Händen gehalten werden.

Eine Brustplatte sorgt dafür, dass man sich mit dem ganzen Körpergewicht aufstützen konnte, um den Bohrer ins Material zu treiben. Vier Millimeter tief kommt man damit in Stahl. Es wird mit 110 Volt Gleichstrom betrieben und hat eine Leistung von 50 Watt. Ein Jahr später wird es auf der Ausstellung für Elektrotechnik und Kunstgewerbe in Stuttgart der Öffentlichkeit präsentiert. Die elektrische Handbohrmaschine ist geboren.

Feuermeldeanlage und tragbares Telefon

28 Jahren zuvor gründen die Brüder Carl und Emil Fein eine „Werkstätte zur Herstellung von physikalischen und elektrischen Apparaten“. Wilhelm Emil Fein ist 1895 mit seinen 53 Jahren kein unbekannter mehr. Auf der Internationalen Elektrischen Ausstellung in Frankfurt zeigt die Firma 1891 eine Ständerbohrmaschine und eine Drehbank mit Elektromotor.

Zuvor hatte Wilhelm Emil Fein 1885 bereits das erste tragbare Telefon konstruiert und 1879 für die Stadt Stuttgart eine Feuermeldeanlage mit neun Sprechstationen und 50 Meldestationen konstruiert. Und auch die erste automatische Kaffeemaschine erfand er 1866.

Robert Bosch arbeitet 1879 bei Fein. Und er suchte sich stets erstklassige Unternehmen aus um seine Erfahrungen zu sammeln. Für unterschiedliche Lebensbereiche entwickelt der 1842 in Ludwigsburg geborene Techniker Wilhelm Emil Fein Ideen und Lösungen für den Alltag, für Industrie und Technik.

Der Sohn eines Lehrers macht seine Ausbildung beim Stuttgarter Mechaniker und Optiker Carl Geiger, wechselt dann nach Karlsruhe und Göttingen und schließlich nach Berlin, wo er bei Siemens & Halske arbeitet. Die letzte Station seiner Ausbildung ist London. Dann rät ihm der deutsche Physiker Wilhelm Eisenlohr zur Gründung einer eigenen Firma. Und diese gründet er 1867 zusammen mit seinem Bruder im badischen Karlsruhe. Drei Jahre später zieht die Firma C. & E. Fein nach Stuttgart. Und hier werden 1895 mühsam Löcher in der Werkstatt gebohrt und aus der Not eine Idee mit Zukunft geboren.

Prinzip Elektromotor mit Werkzeug

Der Erfolg der elektrischen Handbohrmaschine ebnet den Weg für weitere Erfolge. Denn Elektrohandwerkzeuge gab es bisher nicht, da Elektromotoren in kompakter Größe einfach nicht leistungsfähig genug waren. Das ändert sich nun und der Bedarf steigt schnell. Die Konkurrenz schläft nicht und bereits 1900 stellt Siemens und Halske eine elektrische Handbohrmaschine mit Leichtgehäuse und einer Leistung von 80 Watt vor. Doch auch die Schwaben überlegen und entwickeln weiter fleißig und erfolgreich. 1901 folgt die erste Maschine mit mechanischer Getriebeuntersetzung und die Drehzahl wird reduziert. Somit können größere Löcher gebohrt werden.

Das Prinzip Elektromotor wird jetzt auf andere Werkzeugtypen übertragen. 1906 wird das erste Handschleifgerät vorgestellt, zwei Jahre später spezialisiert sich die Werkstätte und wird ein Unternehmen, das Elektrowerkzeuge entwickelt und produziert. 1910 stellen die Schwaben eine Bohrmaschine vor, die mit einem Nebenschlussmotor ausgerüstet ist, der auch bei starker Überlastung nicht heiß läuft.

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