Parker Hannifin Parker wird 100 Jahre alt: „Fly me to the moon...“

Autor: Stefanie Michel

Ein Unternehmen mit 100-jähriger Geschichte: Parker hat Krisen, Kriege und viele technische Fortschritte miterlebt und mitgeprägt. Dennoch ist sich der Antriebstechnik-Hersteller immer treu geblieben – in seinen Produkten und seiner Unternehmensphilosophie.

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Arthur Parker gründete im März 1917 die Parker Appliance Company in Cleveland, Ohio.
Arthur Parker gründete im März 1917 die Parker Appliance Company in Cleveland, Ohio.
(Bild: Parker Hannifin)

Kennen Sie Parker? Nicht den Füller- und Kugelschreiberhersteller sondern das Antriebs- und Fluidtechnikunternehmen! Viele haben wahrscheinlich das Logo an einem Parker Store in einem benachbarten Industriegebiet gesehen – und nicht weiter darüber nachgedacht, wer dahinter steckt. Parker einfach als Hersteller von Hydraulik- und Pneumatikkomponenten zu bezeichnen wäre untertrieben. Das Unternehmen aus Ohio unterstützte vielmehr mit seinen Produkten Charles Lindbergh bei der ersten Atlantiküberquerung per Flugzeug oder die Astronauten der Apollo 11 bei der Mondlandung – und feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.

Doch nun von vorne: Der Ingenieur Arthur (Art) Parker hatte bereits ein Patent für ein hydraulisches Gerät, das die Geschwindigkeit von elektrischen Generatoren regelte, als er am 13. März 1917 im amerikanischen Cleveland, Ohio, die Parker Appliance Company gründete. Zusammen mit seinem einzigen Mitarbeiter beziehungsweise Geschäftspartner, Carl Klamm, baute er die Firma als kleine Maschinenwerkstatt auf, die pneumatischen Bremssystemen und leckagefreie Fittinge herstellte.

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Das Geschäft lief gut, doch der Rückschlag kam bereits 2 Jahre später: Auf dem Weg zu einer Handelsmesse stürzte der Anhänger mit Parkers gesamten Inventar eine Klippe hinab – Bankrott drohte. Doch der Firmengründer gab nicht auf. Eine zweiteilige Bördelverschraubung, die sich Parker 1924 patentieren ließ, rettete das Unternehmen.

Arthur Parker war der Luftfahrtindustrie verbunden

Solche Verschraubungen, aber auch Ventile begründeten die bis heute bestehende Zusammenarbeit mit der Flugzeugindustrie. Ein erster Höhepunkt war die erste Atlantiküberquerung mit dem Flugzeug: Dies gelang Charles Lindbergh 1927 mit der „Spirit of St. Louis“, die mit Parkers Treibstoffsystem ausgerüstet war. Die Flugzeugindustrie sorgte auch dafür, dass Parkers Unternehmen die Weltwirtschaftskrise übersteht und seine Mitarbeitern regelmäßig ihren Lohn erhielten.

Das spiegelt auch Arthur Parkers Unternehmergeist wider, der sich bis heute gehalten hat. Die Unternehmensphilosophie wird in einer Mitarbeiterrede aus den 1930er-Jahren deutlich: „Unser Erfolg beruht auf fairem Handeln, harter Arbeit und der Koordination von Aufwand und Qualität.“ Diese Philosophie sorgte in Kombination mit den innovativen Verschraubungen, Kupplungen und Ventilen für wirtschaftlichen Aufstieg: 1935 hatte das Unternehmen bereits 38 Mitarbeiter, 1940 – Parker unterstützte die Kriegsanstrengungen und hatte nur noch die US-Regierung als Kunden – arbeiteten hier 910 Personen. Bis 1945 stieg die Mitarbeiterzahl sogar auf 2600 an, darunter vorrangig Frauen.

Parker übernimmt die Hannifin Company

Mit Ende des 2. Weltkriegs brach zum einen der größte Kunde weg, zum anderen verstarb im gleichen Jahr Arthur Parker. Seine Frau Helen, die bereits von Beginn an im Unternehmen ihres Mannes mitgearbeitet hatte, investiert Arthurs Lebensversichrung, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Mit neuem Management und einer visionären Diversifizierungsstrategie sorgte sie dafür, dass das Unternehmen nach und nach in vielen Märkten präsent war und noch heute ist.

In diese Strategie passte eine wichtige Übernahme: die der Hannifin Company 1957. Damit konnte Parker nun alle Komponenten von Fluidtechniksystemen liefern, was dem Unternehmen den Zugang zu weiteren Industriefeldern öffnete. Die 1960er-Jahre – jetzt unter der Führung von Patrick (Pat) Parker, dem Sohn von Arthur und Helen – waren geprägt von Expansion, Internationalisierung und dem Börsengang.

Wie bedeutend die Parker-Produkte und das Unternehmen für die USA waren, spiegelte sich in der Zusammenarbeit mit der NASA wider: Für die Mondlandung der Apollo 11 1969 unterstützte Parker-Technik die Steuerung der Motoren des Landesmoduls. Auch später arbeiteten die Ingenieure bei der Apollo-13-Mission mit der NASA zusammen, um die Astronauten zu retten. Sie entwickelten ein Verfahren, um Sauerstoff in die Kabine der Raumkapsel zu leiten, sodass die Astronauten wieder atmen konnten.

Expansion zum Weltkonzern: Parker organisiert sich neu

Die folgenden Jahrzehnte sind geprägt von Wachstum – aufgrund von geschickter Diversifizierung, neuer Produkte und Aquisitionen. So erzielte man 1977 einen Rekordumsatz von 500 Mio. US-Dollar, den man bereits 1980 verdoppelt hat. Parker verpflichtet sich zu internationalem Wachstum und richtet seine Aufmerksamkeit auf Wachstumsmärkte: Es wird expandiert und Werke in verschiedenen europäischen Staaten und Australien gegründet. Diese Expansion und Internationalisierung erforderte in den 1990er-Jahren eine grundlegende Neuorganisation des Unternehmens: Man schuf globale Geschäftsbereiche, setzte auf regionale Präsidenten und führte Vertriebsgesellschaften ein. Das hatte Erfolg, denn von 1993 bis 1997 hatte sich der Umsatz fast verdoppelt und die Einnahmen vervierfacht.

Ebenfalls in die 1990er-Jahre fiel eine revolutionärer Schritt im Service: Parker schuf mit dem sogenannten Parker Store ein Netzwerk, das Reparaturen für das Laufkundengeschäft anbietet und mit den „Hose Doctor“-Fahrzeugen Instandhaltungen vor Ort durchführt. Bis heute verfügt Parker über mehr als 300 Standorte in über 50 Ländern, arbeitet mit mehr als 13.000 unabhängigen Vertriebspartnern zusammen und bietet mit seinen Parker Stores 3000 industrielle Einzelhandelsstandorte.

Inzwischen wurden dem Unternehmen mehr als 8.000 Patente erteilt und es wirbt damit sowohl die Hydraulik als auch die Pneumatik und die Elektromechanik im Produktportfolio zu haben. Die Produkte lassen sich überall dort finden, wo etwas mit hochentwickelten Komponenten bewegt wird und in Systemen, die Bewegungen und den kontrollierten Durchlauf von Flüssigkeiten und Gasen ermöglichen. „Parker begegnet uns in allen Bereichen des täglichen Lebens“, sagt Lee Banks, Präsident und Chief Operating Officer. „Und wir werden unseren Kunden auch weiterhin einen echten Mehrwert bieten, indem wir gemeinsam neue Systeme entwickeln, die Parkers breites Produktsortiment nutzen und digital vernetzen. Zudem bieten wir ergänzende Services, die diese noch effizienter machen. Parker wird weiterhin die sich im permanenten Wandel befindende Welt maßgeblich prägen, ebenso stark wie es das Unternehmen im vergangenen Jahrhundert getan hat.“

Die Zukunft: weiter technische Herausforderungen meistern

Parker will sein in den letzten 100 Jahren erworbenes Engineering-Know-how einsetzen, um die Welt auch künftig positiv zu beeinflussen. Durch Fortschritte im Bereich der Industriesensoren und dem Internet der Dinge, durch medizinische Anwendungen, durch die Entwicklung von tragbarer Robotik, durch energieeffiziente netzgekoppelte Energiespeicher und erneuerbare Energien, durch sauberes Trinkwasser, das mithilfe fortschrittlicher Filtrationstechnologien gewonnen wird, und durch viele weitere neuartige Antriebs- und Steuerungsanwendungen entwickelt das Unternehmen nach eigenen Angaben innovative Lösungen und meistert technische Herausforderungen.

„In diesem Jahr ehren wir die früheren Zeiten und die großen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Wir feiern die Menschen, die Kultur und die Werte, die Parker zu dem Unternehmen gemacht haben, das es heute ist“, so der Vorstandsvorsitzende und Chief Executive Officer Tom Williams. „Unsere außergewöhnlichen Mitarbeiter bilden das Fundament des Parker Erfolgs. Sie werden die Unternehmensentwicklung weiter vorantreiben, sodass wir mit Blick auf die nächsten hundert Jahre eine vielversprechende Zukunft vor Augen haben.“

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt