Porträt Patentkönig aus dem Schwarzwald

Autor / Redakteur: Alexander Völkert / Udo Schnell

Am Anfang stand der Märklin-Baukasten, 85 Jahre später folgte der Europäische Erfinderpreis. Die erfolgreichste Erfindung von Artur Fischer aber ist der Spreiz-Dübel.

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Von Prof. Artur Fischer stammen das synchrone Blitzlicht, der Spreizdübel und die Fischertechnik-Baukästen.
Von Prof. Artur Fischer stammen das synchrone Blitzlicht, der Spreizdübel und die Fischertechnik-Baukästen.
(Bild: Fischer)

Ein Märklin-Baukasten – für mich das Größte, was man damals haben konnte. Nach dem Krieg gab es nicht viel. Der Baukasten kostete 4,95 Mark. Ich bat meine Mutter, mir diesen Kasten zu schenken. ,Also, so etwas können wir nicht kaufen‘, antwortete sie. Und am Weihnachtsmorgen des Jahres 1929 lag dieser Kasten unterm Baum. Das war ein ganz großes Erlebnis für mich, dass meine Mutter mir trotzdem diesen Kasten schenkte. Ich war der Einzige, der einen Märklin-Baukasten hatte, da war ich auch stolz drauf!“

2014 – 85 Jahre später – wird Prof. Artur Fischer in Berlin mit dem Europäischen Erfinderpreis für sein Lebenswerk geehrt. Der heute 95-Jährige hat 1958 etwas erfunden, das wir alle kennen und sicher schon vielmals genutzt haben: den Spreizdübel. Ihm verdanken wir, dass ein Bild sicher an der Wand hängt und ein Regal nicht umkippt. Und sogar das Blitzlicht moderner Kameras und Konstruktionsbaukästen für Kinder entstammen Fischers kreativem Kopf und gehen auf seine Patente zurück.

Davon kann in Deutschland wohl niemand mehr als er nachweisen. Über 1100 Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen sind es geworden. Deshalb nennt man ihn auch den Patentkönig. Seine jüngste Patentanmeldung beschreibt einen Eierbecher, bei dem das Ei beim Köpfen nicht verrutscht. Fischer kann es also auch im hohen Alter nicht lassen und überlegt, was er zum Nutzen der Menschheit verbessern kann. Den Anstoß dazu hat sicher der Baukasten unterm Weihnachtsbaum geliefert. „Zu sehen, wie bei einem Getriebe ein kleines und ein großes Rad zusammenarbeiten; das eine läuft schnell, das andere langsam – einfach toll“, erinnert sich der Erfinder.

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