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Lineartechnik

Präzisionsschienen sind stark gefragt

04.06.2007 | Redakteur: Reinhold Schäfer

„Was die Energieeinsparung anbelangt, haben wir am Standort in Meckesheim neue Maßstäbe gesetzt“, so Andreas Elsner, Geschäftsführer der SKF Linearsysteme GmbH.
„Was die Energieeinsparung anbelangt, haben wir am Standort in Meckesheim neue Maßstäbe gesetzt“, so Andreas Elsner, Geschäftsführer der SKF Linearsysteme GmbH.

Am Standort Meckesheim fertigt die SKF Linearsysteme GmbH Präzisionsschienen. Seit Beginn des Jahres, zum 100. Geburtstag von SKF, präsentiert sich der Linearbereich dort im neuen Outfit. Der Maschinenmarkt sprach mit Andreas Elsner, Geschäftsführer der SKF Linearsysteme GmbH, über das Geschäft mit den Präzisionsschienen.

MM: Am 16.02.2007 feierte SKF seinen 100. Geburtstag. Was hat der Geschäftsführer der SKF Linearsysteme an diesem Tag gemacht?

Elsner: Wegen der guten Auftragslage blieb nur wenig Zeit für die Geburtstagsfeier, dennoch hat die Belegschaft wie überall an diesem Tag bei SKF das Ereignis bei Kaffee und Kuchen gefeiert. Jeder Mitarbeiter bekam ein Geschenk überreicht und – Dank der modernen Kommunikationstechnik – konnten wir alle über Großleinwände die Geburtstagsansprache unseres Vorstandsvorsitzenden Tom Johnstone weltweit mitverfolgen.

MM: Bei der Geburtstagsfeier in Göteborg gab es eine eher schlichte Presseveranstaltung, die sich den Themen Energieeinsparung und Klimaschutz widmete. Was waren die Gründe?

Elsner: Sie können daraus erkennen, wie verantwortungsvoll wir bei SKF gegenwarts- und zukunftsbezogen denken und handeln. Doch Sie werden sehen, dass es in diesem Jahr noch ausreichend Gelegenheiten und Anlässe gibt, den 100. Geburtstag gebührend zu würdigen.

MM: Wie entwickelte sich das Unternehmen im Laufe der Zeit?

Elsner: Die Unternehmensgeschichte begann exakt am 16. Februar 1907, an diesem Tag wurde SKF durch Sven Winquist gegründet. Er erfand das Pendelkugellager und legte damit den Grundstein für das Unternehmen SKF. Es folgte eine stürmische Entwicklung in den darauf folgenden Jahren. 1919 hatte sich das Unternehmen in 32 Ländern der Erde etabliert. Die Weichen für ein weltweit tätiges Unternehmen waren also schon recht früh gestellt und dennoch überraschen die Zahlen aus dem Jahr 1970. Zu diesem Zeitpunkt besaß SKF 68 Fabriken rund um den Globus und beschäftigte 67 700 Mitarbeiter, wovon fast 80% außerhalb Schwedens arbeiteten. Nach den jüngsten, vorliegenden Zahlen beschäftigt SKF heute über 41 000 Mitarbeiter in mehr als 140 Ländern. Der Jahresumsatz des Konzerns liegt zur Zeit bei etwa 5 Milliarden Euro. Anders ausgedrückt: Im Jahre 1907 fertigte SKF mit 15 Mitarbeitern 2200 Lager. Heute werden von den 41 000 Mitarbeitern 230 000 Lager hergestellt, und zwar pro Stunde!

MM: In der Tat ein beeindruckender Vergleich. Wie entwickelte sich die Lineartechnik ?

Elsner: Seit 1957 vertreibt SKF Lineartechnik-Produkte. Und 1976 begann SKF auch in diesem Bereich selbst zu fertigen. Die Lineartechnik aus dem Hause SKF hat seit ihren Anfängen Ihre Angebotspalette stetig verbreitert: Nach dem Start mit Linear-Wellenführungen hat sich SKF Linearsysteme Schritt für Schritt zu einem Komplettanbieter von der Komponente über kundenspezifische Speziallösungen bis zu komplexen Positioniersystemen entwickelt. Ergänzt wird das Angebot durch die Produktpalette unserer Schwesterbetriebe mit Kugel- und Rollengewindetrieben sowie elektromechanischen Hubzylindern. Obwohl die meisten Verfahr-, Hub- und Positionierbewegungen in der Praxis als Standardlösungen vorliegen, wächst der Aufwand an Engineering insgesamt überproportional. Anders als im reinen Komponentengeschäft verlangt der Markt nach maßgeschneiderten Systemlösungen.

MM: Der Markt der Lineartechnik wächst rasant. Welche Zuwachsraten hatte die SKF Lineartechnik in den vergangenen Jahren?

Elsner: Unsere Zuwachsraten mit unserem Kerngeschäft betrugen zwischen 10 und 15% in den vergangenen beiden Jahren. Die Aussichten für die kommenden Jahre beurteilen auch wir für die SKF Linearsysteme GmbH als sehr positiv. Dabei bestimmen Tempo und Flexibilität die Geschäftsprozesse. Kernproblem und bestimmender Faktor in der allgemeinen Entwicklung ist die Produktlebenszeit, die in fast allen Industriebereichen immer kürzer wird. Darauf muss sich der Anbieter lineartechnischer Systeme einstellen. Hinzu gesellt sich ein noch weit gravierenderes Problem, das gerade in jüngster Zeit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt, das Thema Nachhaltigkeit...

MM: ...neben der Plattformstrategie von SKF, das Lieblingsthema Ihres Vorstandsvorsitzenden Tom Johnstone, der die Einsparung von Energie bereits auf der Geburtstagspressekonferenz in den absoluten Fokus gestellt hat.

Elsner: Zu Recht, wie ich meine. Schon seit längerem sind wir uns bei SKF darüber im Klaren, dass wir wirtschaftlich erfolgreiches Handeln mit schonenderem Verbrauch von Energie in Einklang bringen müssen. Als wir uns bei SKF entschieden haben, die Produktionsstätte in Meckesheim von 4400 auf 6300 m² ausbauen und modernisieren zu lassen, geschah das zwar logischerweise auf der Basis gesicherter Geschäftsprognosen, aber die Themen Energie und Umweltschutz standen ganz oben auf der To-do-Liste.

MM: Wäre es nicht effektiver im Sinne der Energieeinsparung und unter dem Aspekt des Umweltschutzes gewesen, völlig neu zu bauen?

Elsner: Neu bauen bedeutet zusätzlich neue Flächen zu versiegeln, und das kann´s ja nicht sein, meint man es ernst mit dem Umweltschutz. Am Standort in Meckesheim war alles vorhanden, genügend Fläche und darüber hinaus die Option, zusätzliche Erweiterungen vornehmen zu können.Unser Ziel war es, den Raumbedarf an unsere wirtschaftlich positive Entwicklung anzupassen, den Workflow zu optimieren, die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter zu verbessern, und vor allem, die Voraussetzungen zu schaffen, den produktionstechnisch notwendigen Energieaufwand effektiv zu nutzen.

MM: Welche Maßnahmen wurden ergriffen um Energie einzusparen?

Elsner: In einer Umbauzeit von nur 8 Monaten, bei laufender Produktion mit einem Rekordumsatz im Jahre 2006, ist eine Produktionsstätte entstanden, die sich völlig neu präsentiert. Was die Energieeinsparung anbelangt, haben wir am Standort in Meckesheim neue Maßstäbe gesetzt. Dies gilt sowohl für das Heizsystem als auch für die Gebäudeisolierung. Dass bei den Umbau- und Modernisierungsarbeiten großer Wert auf die strengste Einhaltung der neuesten Bauvorschriften gelegt wurde, versteht sich von selbst.Die gesamte Gebäudetechnik entspricht der Forderung nach Nachhaltigkeit, durch moderne Isolations- und Klimatechnik. Auch in der Drucklufterzeugung sind wir neue Wege gegangen, und Sie wissen selbst, wie teuer und energiefressend veraltete Kompressorentechnik sein kann.

MM: Was haben Sie da genau verbessert?

Elsner:Wir haben in komplett neue Anlagen investiert, die sich durch einen hohen Wirkungsgrad auszeichnen.

MM: Wäre es nicht sinnvoller gewesen, am Standort in Schweinfurt die Lineartechnik von SKF zusammen zu ziehen? In einem Gesamtkonzept sind doch völlig andere Fertigungsabläufe vorstellbar.

Elsner: Vorstellbar ist vieles und Sie können sich sicher denken, dass wir auch diese Möglichkeit hinreichend geprüft haben. Wir fertigen an beiden Standorten Präzisionsteile und da kommt es nun ´mal in erster Linie auf die Genauigkeit der Produkte an. Ausschlaggebend für die Qualität der Produkte sind letztlich – bei aller nur erdenklichen Maschinentechnik – die Erfahrungen und Qualifikationen der Mitarbeiter. Und hier steckt unser wichtigstes Kapital, nämlich in den Fähigkeiten, dem Ausbildungs- und Kenntnisstand unserer Mitarbeiter bei SKF Linearsysteme in Meckesheim und Schweinfurt, die solche Präzisionsprodukte erst möglich machen. Die Produkte und Prozesse sind an den Standorten völlig unterschiedlich, mit einer Zusammenlegung wären wünschenswerte Synergieeffekte nicht erzielt worden. .

MM: Im Konzert der Lineartechnik spielt SKF nicht gerade die erste Geige. Wo sieht sich die SKF Linearsysteme GmbH im Vergleich mit den großen Anbietern wie Bosch-rexroth und INA?

Elsner: Für den Produktbereich Präzisionsschienen in Meckesheim sehen wir uns als Nummer zwei in Europa und bei den Wellenführungen an dritter Stelle. Den Vergleich mit unseren Wettbewerbern kann man nur eingeschränkt ziehen, da wir gleichzeitig ein starkes Projektgeschäft betreiben, bei dem wir kundenspezifische Lösungen für lineare Bewegungen und Systeme liefern.

MM: Welche Vorteile verspricht sich die Sparte Lineartechnik bei SKF durch die Einführung der Plattformstrategie?

Elsner: Durch die Einführung der Plattformstrategie, nämlich das Angebot der Firma SKF neben Wälzlagern und Lagereinheiten auf Dichtungen, Schmiersysteme, Services und Mechatronik auszudehnen, wird der Lineartechnik bei SKF im Verbund mit diesen Plattformen künftig ein neuer Stellenwert zugemessen. Zusammen mit dem Angebot von Kugel- und Rollengewindetrieben über unsere Führungen bis zu elektromechanischen Hubzylindern sind wir mit unseren rund 2000 Beschäftigten in der Gruppe Actuation and Motion Control auf dem richtigen Wachstumspfad. Aber ich denke, das heutige Thema heißt Präzisionsschienen, bleiben wir bei dem Paradeprodukt unserer Meckesheimer Produktionsstätte. Wir sind bei SKF davon überzeugt, dass nicht zuletzt unser hoher Qualitätsstandard und die Flexibilität in der Fertigung mit CNC-gesteuerten Präzisionsschleifmaschinen ein wichtiger Grundpfeiler für die sehr erfolgreiche Entwicklung unserer Sparte Linearsysteme ist.

MM: Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Elsner: Mittlerweile sind wir hier in Meckesheim in der Lage, die ausgezeichneten Qualitäten bei kleinen Baugrößen auf Schienenlängen bis zu 3 m zu übertragen und sehr flexibel auf die unterschiedlichsten Kundenwünsche zu reagieren. So haben wir beispielsweise für einen Kunden Präzisionsschienen mit integrierten Schmierkanälen hergestellt, eine Lösung, die so ausgeführt bisher noch kein Wettbewerber realisiert hat. Oder nehmen wir das Beispiel unseres Anti-Creeping-Systems. Mit der von uns entwickelten und patentierten ACS-Lösung wird das Problem des „Käfigwanderns“ verhindert. Damit ist gewährleistet, dass der Käfig, selbst unter extremen Betriebsbedingungen, in seiner definierten Position bleibt. Die Nachfrage nach Präzisionsschienen mit zwangsgeführtem Käfig steigt seit Einführung kontinuierlich.

MM: Weil sich nun ´mal alles zwischen Daumen und Zeigefinger abspielt, stellt sich die Frage, warum SKF mit seinen ausgezeichneten Verbindungen weltweit ausgerechnet bei der Herstellung von Präzisionsschienen auf den teuren Standort Deutschland setzt?

Elsner: Entscheidend ist das Preis-/Leistungsverhältnis und das Bekenntnis zum hohen Qualitätsstandard. Den können wir bei diesem Produkt am Standort Deutschland mit gut motivierten und ausgebildeten Facharbeitern garantieren, die wir zu Teil in Meckesheim auch selbst ausbilden. Daran anschließen möchte ich die von SKF verfolgte Strategie der Kundennähe, woraus sich auch die Mehrzahl der Zukaufsaktivitäten erklären. Nach wie vor ist Deutschland und Zentraleuropa unser wichtigster Markt für den wir auch in Zukunft ein starker und verlässlicher Partner sein werden. Wir haben hier in Meckesheim ein Zeichen gesetzt, verbunden mit einer eindeutigen Botschaft an den Markt. Hinzu kommt, dass wir in der Schiene noch ein weites Feld an Innovationsmöglichkeiten sehen. Denken Sie nur an die Bereiche Miniaturisierung, Funktionserweiterung und –integration.

Zur Person

Dipl.-Wirtschaftsing. (FH) Andreas Elsner (49) ist verheiratet und hat drei Kinder. Er trat 1990 in das Unternehmen der SKF ein. Als langjähriger Werksleiter am Fertigungsstandort in Meckesheim weiß er um die Erfordernisse bei der Herstellung von Präzisionsteilen und dass in der Fertigungsqualität der Schlüssel zum Erfolg liegt. Andreas Elsner leitet seit 01. März 2005 die Geschicke der SKF Linearsysteme GmbH in Schweinfurt.

Das Interview führte MM-Redakteur Reinhold Schäfer.

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