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ISO 9001:2015

Qualität auf dem Prüfstand

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Ein Audit vor der eigentlichen Prüfung

Am Anfang steht die Wahl der Zertifizierungsstelle. Wie bei jeder anderen Investition verglich Eddylab zuerst die Leistungen der Anbieter. Nachdem man sich aufgrund der Angebotslage für den TÜV Süd entschieden hatte, engagierte dieser einen Auditor. Dieser Prüfer musste nicht nur zu den vom Unternehmen gewünschten Terminen frei sein, eine Grundvoraussetzung war auch seine Kenntnis der Branche, erklärt Panayotopoulos den Vorgang. Mit dem Auditor selbst vereinbarte Eddylab die Termine. Daraufhin erstellte dieser einen Ablaufplan für die Audits. „Im weiteren Verlauf war das Zertifizierungsaudit reibungslos und erfolgreich“, freut sich der Qualitätsmanager.

Der TÜV selbst beschreibt den Ablauf folgendermaßen: In Stufe 1 prüft der Dienstleister die vom Unternehmen vorbereiteten Unterlagen. In diesen sind die Prozesse und Abläufe des Unternehmens definiert und es ist festgelegt, welche Rolle sie für das Unternehmen spielen. Im Vergleich mit der Norm stellt ein Produktmanager, also der Auditor des TÜV Süd fest, ob es hier schon bestehende Lücken gegenüber den Anforderungen der Norm gibt und teilt diese dem Unternehmen mit. So ähnlich spielt sich auch ein Del­ta-Audit ab, bei dem Unternehmen mit einer Zertifizierung nach der Vorgängerversion Unterschiede und Schwachstellen ihres bestehenden QM-Systems analysieren und nach den neuen Anforderungen der ISO 9001:2015 ausrichten lassen können. Dieses Audit basiert beim TÜV Süd auf einer definierten Fragenliste.

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Der Prüfer kommt ins Unternehmen

Nun folgt Stufe 2 der Prüfung. Hier geht es darum, ob das zu zertifizierende Unternehmen sich an seine eigenen Vorgaben hält. Dazu sieht der Prüfer den Mitarbeitern über die Schulter, vom Werker bis zum Chef. Das kann je nach Unternehmensgröße einen Tag bis mehrere Wochen dauern. Stellt der Prüfer Abweichungen fest, die keine kritischen Auswirkungen auf die Prozesse haben, sind diese innerhalb eines Jahres zu beheben. Kritische Abweichungen jedoch – wenn ein Unternehmen zum Beispiel auf den falschen Lieferanten setzt – sollten innerhalb von drei Monaten geändert werden. Ist dies geschehen, geht ein schriftlicher Bericht an den Auditor, der dann bei befriedigender Verbesserung der beanstandeten Situation das Zertifikat vergibt. Natürlich kann nicht alles im Schriftverkehr nachgeprüft werden, deswegen muss der Prüfer gelegentlich auch noch mal vor Ort sein – aber das entscheidet er von Fall zu Fall.

Die intensive Vorbereitung des Zertifizierungsaudits zahlte sich für Eddylab aus: Im Dezember 2015 konnte ein Audit nach der damals frisch veröffentlichten neuen Normversion durchgeführt und anschließend das Zertifikat überreicht werden. Dieses gilt für drei Jahre. Aber auch in dieser Zeit finden jährlich Überprüfungen statt. Die Überwachungsaudits entsprechen etwa 50 % der Zertifizierungskosten und sind nur Stichproben, bei denen der Prüfer sich jeweils einen Schwerpunkt aussucht.

Für ein Unternehmen mit 50 bis 100 Mitarbeitern dauert eine Zertifizierungsprüfung etwa sechs bis sieben Tage, der TÜV Süd veranschlagt – je nach Aufwand – einen Tagessatz von 1200 bis 1800 Euro.

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Über den Autor

 Simone Käfer

Simone Käfer

Redakteurin für Additive Fertigung und Werkstoffe