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Perspektiven

Ralf-Michael Franke im Interview

| Autor: Benedikt Hofmann

Ralf-Michael Franke, CEO der Business Unit Factory Automation der Siemens AG.
Ralf-Michael Franke, CEO der Business Unit Factory Automation der Siemens AG. (Bild: Siemens AG)

In unserer Serie „Perspektiven“ kommen führende Köpfe aus Industrie, Forschung, Verbänden und Politik zu Wort. Dabei beschäftigen wir uns mit Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz, Vernetzung und Industrie 4.0. In dieser Ausgabe der Serie stellt sich Ralf-Michael Franke, CEO der Business Unit Factory Automation der Siemens AG, unseren Fragen

Wie werden Vernetzung und Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt in der Industrie verändern?

Künstliche Intelligenz befeuert das Thema Industrie 4.0. Wenn die Produktion nicht nur von Software gesteuert wird, sondern in ein vernetztes und lernfähiges Umfeld eingebettet wird, kann sie stetig neuen Umständen angepasst und damit optimiert werden. Künstliche Intelligenz (KI) kann Trends und Muster in Datenbergen einer Fabrik erkennen und helfen, effizienter zu produzieren. Etwa mithilfe vorausschauender Wartung: Aufgrund ausgewählter Daten kann eine Vorhersage getroffen werden, wann ein Bauteil oder Gerät ersetzt werden sollte, damit es nicht zu einem Produktionsausfall kommt. Dank dieses Überblicks in Echtzeit können KI-Assistenten die Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen, indem sie ihnen fortlaufend aktuelle Informationen über den Zustand der Produktionsanlage zur Verfügung stellen. Natürlich gilt dabei: Je stärker vernetzt die Anlage ist, desto wichtiger wird Cybersecurity. Auch hierbei hilft die KI. Geht beispielsweise einer Attacke ein Muster verdächtiger Signale voraus, kann das Überwachungsprogramm einen Angriff womöglich schneller und erfolgreicher abwehren als ein Mensch.

Zum Lernen braucht KI eine große Menge Daten, die vor allem dort vorhanden sind, wo Abläufe digitalisiert und Software- und Hardwareplattformen verknüpft sind. Die Algorithmen für die hochkomplexen Rechenvorgänge können entweder in der Cloud oder auf Basis von Edge Computing direkt an der Maschine ablaufen.

Welche Herausforderungen entstehen daraus für unsere Gesellschaft?

Die Digitalisierung wird die Arbeit verändern, indem höhere Qualifikations- und Kompetenzprofile gefordert werden, aber sie ersetzt sie nicht: der Mensch wird immer unverzichtbar bleiben. Für eine erfolgreiche Transformation müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter mitnehmen, begeistern und ihnen Raum zum Entfalten geben. Dabei sind die vier wichtigsten Handlungsbereiche: zeitgemäße Aus- und Weiterbildungen, eine generelle Lernkultur und flexible Arbeitsbedingungen.

Wie stellt sich Ihr Unternehmen auf diese Veränderungen ein?

Mit zusätzlichen 100 Millionen Euro wird Siemens seine Mitarbeiter auf einen durch Digitalisierung geprägten Arbeitsmarkt der Zukunft vorbereiten. Ab sofort können unsere Mitarbeiter die Mittel aus einem neu eingerichteten Fonds für Weiterbildungsmaßnahmen nutzen, die auf den Strukturwandel abzielen.

Darüber hinaus arbeitet Siemens mit Kunden und Partnern daran, die nächste Stufe der digitalen Transformation zu erschließen: Gemeinsam müssen Technologieanbieter, Lieferanten und Anwender die vorhandenen Lösungen mit übergreifenden offenen Technologieplattformen – zum Beispiel für Cloudanwendungen – und Zukunftstechnologien weiterentwickeln. Durch den gezielten Einsatz von Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Edge Computing werden sich in Zukunft die Flexibilität und Produktivität noch sehr viel mehr steigern lassen. Lassen Sie mich ein Beispiel zur Künstlichen Intelligenz aus unserem Siemens-Elektronikwerk in Amberg nennen: Anhand von Daten aus Fräsmaschinen bei der Platinenherstellung erkennen Algorithmen, wann die Spindeln der Maschinen ersetzt werden müssen, bevor es zu einem Ausfall kommt. Das minimiert ungeplante Stillstände und senkt pro Jahr die Kosten um etwa 10.000 Euro pro Maschine.

Ich lade Sie dazu ein, uns auf der Hannover Messe zu besuchen: In der „Future Area“ können Besucher einen Blick darauf werfen, wohin die Integration dieser Zukunftstechnologien im nächsten Schritt führt: zu einer sehr viel stärkeren Verzahnung von Operational Technology (OT) und Information Technology (IT).

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