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Regulierung

Reach macht vor allem den Kleinen sehr viel Arbeit

| Autor/ Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Insbesondere kleinere Beschichtungsunternehmen blicken gespannt nach Brüssel und Helsinki: Was bringt die Reach-Verordnung nun in der Praxis mit sich? Auf den ZVO-Oberflächentagen in Neuss sorgten Verbandsvertreter für etwas mehr Klarheit bei diesem komplexen Thema.

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Darf man ab dem 21. September 2017 in der EU noch verchromen? Die Antwort ist eindeutig ja, wenn man bestimmte Auflagen erfüllt.
Darf man ab dem 21. September 2017 in der EU noch verchromen? Die Antwort ist eindeutig ja, wenn man bestimmte Auflagen erfüllt.
( Bild: O&S-Messe )

Nach der Erfahrung von Dr.-Ing. Martin Metzner, Abteilungsleiter Galvanotechnik am Fraunhofer-IPA in Stuttgart, herrscht bei den Unternehmen noch viel Unkenntnis über Reach. Entsprechend würden unsinnige Gerüchte durch die Branche geistern. „Reach ist definitiv keine Stoffverbotsverordnung“, stellt Metzner klar. Ziel der Politik sei vielmehr, gefährliche Substanzen zu ersetzen, wenn Alternativen vorhanden sind.

Solche Substanzen heißen bei Reach „Besorgnis erregende Stoffe“ (Substances of Very High Concern – SVHC) und sind auf einer Liste im Anhang XIV der Reach-Verordnung aufgeführt. Darunter befinden sich auch Chrom(VI)-Verbindungen.

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Galvanisierer sollen sich nicht unnötig in eine schwache Position begeben

In diesem Zusammenhang wehrt sich Metzner auch gegen den Begriff „Reach-konforme Oberflächen“ – er sei nicht nur falsch, sondern auch ganz fatal. „Der Begriff würde bedeuten, dass das, was wir machen, nicht gesetzeskonform ist. Dabei ist die Verwendung von Chromtrioxid mit einer Autorisierung durchaus möglich“, sagte er während der ZVO-Overflächentage in Neuss. Die Galvanisierer sollten sich also nicht unnötig in eine schwache Position begeben. Substanzen auf der Liste in Anhang XIV dürfen nach einem sogenannten Sunset Date in der EU nicht mehr ohne Zulassung verwendet werden. Um eine Zulassung zu erhalten, müssten die Unternehmen einen Antrag bei der Europäischen Chemikalienagentur Echa stellen und nachweisen, dass:

  • die Risiken, die durch die Verwendung entstehen, angemessen beherrscht werden,
  • es keine geeigneten Alternativen gibt und dass
  • der sozio-ökonomische Nutzen das Risiko überwiegt.

Wie Metzner betonte, ist mit der Autorisierung eine Verchromung mit Chrom(VI) auch nach dem Sunset Date Reach-konform. Für Chromtrioxid als Produktionsmittel sei dieses Datum der 21. September 2017. Entweder hätten die Unternehmen eine Zulassung oder es sei Schluss mit der Produktion, machte der Fraunhofer-Forscher deutlich.

Dabei sei die Autorisierung im Grunde genommen nichts anderes als ein Führerschein. „Die Behauptung ‚Chrom wird in Europa verboten‘ ist genauso sinnvoll wie die Behauptung ‚Auto fahren wird in Europa verboten‘“, kritisierte Metzner die Aufgeregtheit in der Branche. Die Anwender müssten in beiden Fällen nachweisen, dass sie mit der Technik umgehen können. „Mit einer vernünftig geplanten, gebauten und gewarteten Anlage sind die Risiken handhabbar, wir sprechen ja nicht von gasförmigen Substanzen“, beruhigte der Forscher.

Für Unternehmen viel Stoff aus fremden Themenbereichen

„Die Autorisierung ist nicht trivial, insbesondere für KMU“, entgegnete Dr. Malte Zimmer, geschäftsführender Gesellschafter der Eupoc GmbH. Die Unternehmer müssten sich mit viel Stoff aus fremden Themenbereichen befassen. Das sei aber kein Grund abzuwarten. „Unternehmer, unternehmt etwas, sonst kann das Unternehmen nicht so freizügig arbeiten wie gewohnt“, warnte Zimmer.

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