Reach Reach steht für Unsicherheit, Substitutionsdruck und Bürokratie
Ohne Chemikalien funktioniert weder die Kunststoffbranche noch der Maschinen- und Anlagenbau. Mit der Einführung der Chemikalienverordnung Reach beginnt für viele Unternehmen aus der Industrie ein Marathon, für den man im Hinblick auf Innovation wie auch auf das Budget gut aufgestellt sein sollte.
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„Dear Ladies and Gentlemen, I would like to start by talking about ourselves, penguins and polar bears“ – so fing alles an, mit den Worten von Margot Wallström, der Wegbereiterin der innovativsten Chemikaliengesetzgebung auf europäischer Ebene (Reach). In der Kommission Prodi von 1999 bis 2004 für Umwelt zuständig, bewirkte Wallström das größte Gesetzesvorhaben in der Geschichte der EU: Reach (Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals), die weltweit erste umfassende Chemikalienverordnung. Und warum war von uns, von Pinguinen und Polarbären die Rede?
Chemikalien im Fettgewebe als Weckruf für Umweltschutz
Weil man im Fettgewebe von Pinguinen am Südpol und Polarbären am Nordpol Chemikalien nachweisen konnte, die dort nichts zu suchen haben, erinnert sich auch der Reach-Experte des VDMA, Dr. Darius Soßdorf, an die Worte von Wallström.
Einer, der früh erkannte, dass der Maschinenbau auch mit der Chemikalienpolitik in Zusammenhang steht, war der VDMA; denn laut Reach ist jeder Erzeuger, Importeur und Verwender von Chemikalien von der Verordnung betroffen. Was der VDMA in Brüssel bei der ersten Internet-Konsultation zum Thema Reach zu suchen hatte, wurde von der Kommission gefragt, und vom VDMA mit folgender Antwort bedacht: „Wenn für uns Maschinen- und Anlagenbauer ein Stoff wegfällt, was machen wir dann?“, so Soßdorf. Er stellte damit klar, dass der Maschinen- und Anlagenbau mindestens genauso betroffen ist wie die chemische Industrie. Denn wenn die chemische Industrie von der Registrierung bestimmter Stoffe absieht – aus Kostengründen oder aufgrund des Risikos, das damit verbunden ist, dass ein Stoff morgen nicht mehr zugelassen sein könnte, der aber vom Maschinen- und Anlagenbau gebraucht wird – dann gibt es ein Problem.
Anlagen- und Maschinenbau betroffen von Reach
„Reach ist unheimlich breit gefächert, man kann erstmal gar nicht davon ausgehen, dass wir betroffen sind, denn es muss der Chemiker die Stoffe registrieren, der Formulierer die Zubereitungen wie in Kühlschmierstoff, Kleber, Farbe et cetera herstellen und wir, der Anlagen- und Maschinenbau, benutzen die Stoffe erst in vierter oder fünfter Reihe dieser Kette – aber genau da liegt unsere 100-prozentige Betroffenheit“, erläutert der Reach-Experte des VDMA. Denn als Teil der Wertschöpfungskette sei man darauf angewiesen, das benutzen zu können, was vorher auch benutzt wurde, weil letztlich die gesamte Entwicklung und Produktion auf dem, was bisher auf dem Markt war, aufbaue.
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