RaaS

Roboter auf Zeit nutzen

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Stand von RaaS im deutschen Robotikmarkt eruieren

Schließlich beschäftigt sich auch das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA mit dem Aufkommen von RaaS als neuem Geschäftsmodell. Die Forscher sehen es vornehmlich als „Türöffner“, um Unternehmen mit wenig oder keiner Erfahrung erste Automatisierungsschritte mit Robotern zu ermöglichen. Anlässlich eines Online-Erfahrungsaustausch diesen Sommer, den die Beratungsfirma Trebing + Himstedt veranstaltete, konnte das Institut gemeinsam mit den weiteren Referenten von Kuka, Schunk und German Bionic den aktuellen Stand von RaaS im deutschen Robotikmarkt eruieren und dessen Mehrwert sowie auch die Abgrenzung zum ebenfalls möglichen Leasen eines Roboters herausarbeiten.

Als Hauptkriterien für die Entscheidung, ob RaaS zu einem Unternehmen passt, sahen die Referenten die Kombination aus Flexibilität und Risikotransfer, letzterer sowohl gegenüber der Investition in einen Roboter als auch gegenüber seiner zuverlässigen Leistung. Klar ist der Fall, wenn ein Unternehmen kontinuierlichen Bedarf an dem Robotersystem hat, kaum Flexibilität bedarf und das Risiko einer erfolgreichen Anwendung selbst trägt. Dann lohnt es sich, den Roboter anzuschaffen, denn die Investition zahlt sich über den mehrjährigen Betrieb mehrfach aus. Für den Fall, dass das Risiko ebenfalls beim Endanwender verbleibt, aber Flexibilität ein wichtiges Kriterium ist, bietet sich das Leasen an.

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Ein Beispiel aus dem Online-Erfahrungsaustausch: German Bionics bietet ihre Exoskelette Autowerkstätten übers Leasing an. Die körpergetragenen Robotersysteme erleichtern den Mechanikern durch Kraftunterstützung das Wechseln der Autoreifen. Außerhalb dieser Anwendung haben die Werkstätten keinen Bedarf, ein Kauf der Exoskelette würde sich nicht lohnen.

Geht es für den Endanwender darum, das Risiko auszulagern und agiert er in einem weitgehend beständigen Markt, kommt das Geschäftsmodell „Pay per Use“ in Betracht. Anstatt den Roboter zu kaufen, zahlt er den Robotereinsatz nur entsprechend der Nutzung. Hinzu kommt, dass die Nutzung des Roboters mit einem Leistungsversprechen einhergeht, zum Beispiel in Form von Key-Performance-Indikatoren (KPIs). Das Risiko wird somit vom Anwender des Roboters auf den Anbieter transferiert.

Und schließlich spielt RaaS als vierte Geschäftsmodell-Variante dann seine Vorteile aus, wenn in einem volatilen Markt automatisiert werden soll. Dafür braucht der Anwender kurzfristig qualifizierte Roboter-Workforce mit zugesicherten KPIs. So bietet beispielsweise das Unternehmen Robozän seine humanoiden Roboter der Firma pi4robotics im Sinne eines „pay per workforce“ als Leiharbeiter an, unter anderem als Concierge oder als Verkaufsassistenten in einer eigenständigen Minifabrik. Das Versprechen: Der Roboter ist nach 48 Stunden eingelernt und kann dann alleine seinen Dienst verrichten. Matthias Krinke, Geschäftsführer von Robozän, betont: „Der Kunde hat kein Risiko, da es ein Full-Service-Vertrag ist und er damit nur bezahlt, wenn der Roboter seinen Job macht. Es ist das ideale Modell für Kunden ohne Roboterkenntnisse.“ Bewährt sich der Roboter im Alltag und besteht der Bedarf über die sechs Monate hinaus, wird der Roboter-Leiharbeiter nicht selten „übernommen“, das heißt gekauft. Die Nachfrage ist da: Laut Krinke werde seine Firmengruppe mit Robozän und pi4robotics im Jahr 2022 vermutlich 90 % des Umsatzes mit RaaS machen.

RaaS eignet sich nicht für die komplexe Automation

Kriterien, die RaaS ungeeignet machen, gibt es natürlich auch. Die genannte Flexibilität bei RaaS setzt geringe Integrationskosten und eine schnelle Inbetriebnahme voraus, die zunächst Fixkosten darstellen. Diese Aufwände bestehen beispielsweise für die Parametrisierung, Schulungen oder die Sicherheit der Anwendung, und müssen umgelegt werden. Auf dem RaaS-Markt finden sich daher vor allem mobile Roboter. Krinke betont: „Komplexe Automationsprojekte sind für RaaS ungeeignet.“ Zudem müssen Unternehmen beachten, dass es sich um unterschiedliche Kostenarten handelt. Während der Kauf eines Roboters zu den Investitionskosten zählt, sind Kosten für RaaS Betriebskosten. Oftmals sind die Freigabeprozesse für die weit geringeren Betriebskosten bei RaaS einfacher und schneller, aber eben auch dauerhafte Posten. Zudem ist der Anwender abhängig vom RaaS-Anbieter. Es gilt also gerade für Unternehmen, die bisher nicht automatisieren, gründlich zu eruieren, welches Geschäftsmodell am besten zu ihrem Anwendungsfall passt.

* Dr.-Ing. Werner Kraus leitet am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung die Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme, Tel. (07 11) 9 70 10 49, werner.kraus@ipa.fraunhofer.de

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