Eplan Smart Wiring Smarte Verdrahtung

Autor / Redakteur: Birgit Hagelschuer / Stefanie Michel

Die Verdrahtung von Schaltanlagen ist zeitaufwendig und erfordert viel Wissen, das klassisch im Kopf des Mitarbeiters steckt. Was wäre, denn das steuerungstechnische Wissen im System liegen könnte? Die Möglichkeiten zeigt eine Software, die jeden Arbeitsschritt bei der Verdrahtung eines Schaltschranks visualisiert.

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Die Schritt-für-Schritt Anleitungen in Eplan Smart Wiring machen den Prozess der Verdrahtung deutlich einfacher.
Die Schritt-für-Schritt Anleitungen in Eplan Smart Wiring machen den Prozess der Verdrahtung deutlich einfacher.
(Bild: Eplan)

Doppelte Vergabe von Anschlüssen, unvollständig beschriebene Verbindungen und falsch gebrückte Kontakte – die Verdrahtung eines Schaltschranks benötigt viel Zeit und Know-how. Je nach Schaltschrankapplikation liegen bis zu 43 % der Arbeitszeit im Schaltschrankbau in diesem speziellen Bereich. Fragen nach der optimalen Verlegung der Drähte werden in der Steuerungstechnik häufig anhand des Schaltplans, der Grundlage der Verdrahtung, beantwortet. Dieter Pesch, Bereichsleiter Produktmanagement & Entwicklung bei Eplan: „Das führt dazu, dass qualifizierte Fachleute Hunderte von Schaltplanseiten wälzen, um Seite für Seite zur Konfektionierung und Installation der Verdrahtung abzuarbeiten.“

Verdrahtung visualisieren

Eplan vereinfacht diesen Prozess mit der Software Eplan Smart Wiring. Schon der Name verrät, was dahinter steckt: den gesamten Prozess der Schaltschrankverdrahtung vereinfachen. Die Software Eplan visualisiert die Verdrahtung und stellt sämtliche Daten für die Verdrahtung in digitaler Form bereit. Anwender profitieren von einer deutlich sinkenden Fehlerquote und einer erheblichen Prozessbeschleunigung, da die zeitaufwendige Verdrahtung auf Basis des Schaltplans entfällt. Dies gilt insbesondere für Last-minute-Änderungen, da die Software den teils aufwendigen Projektvergleich von neuem Soll- und altem Ist-Zustand übernimmt.

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Interview mit Dieter Pesch: Methodenwechsel senkt Kosten und spart Zeit

Die Schaltschrankverdrahtung ist der zeitintensivste Arbeitsschritt bei der Schaltschrankfertigung. Im Hinblick auf Effizienzsteigerung und Digitalisierung, war eine Software dafür naheliegend. Dieter Pesch erklärt, wie es dazu kam, wie sich die Software einsetzen lässt und wohin sie sich entwickeln soll.

Entstand die Idee der Entwicklung von Eplan Smart Wiring auf Kundenwunsch?

Unsere Kunden wünschen klassisch, dass sie in allen Bereichen Effizienzsteigerungen umsetzen können – im Engineering wie in der Fertigung. Daher war es naheliegend, sich auch mit den zeit- und damit kostenintensiven Produktionsschritten im Schaltanlagenbau zu beschäftigen. Dazu haben wir umfangreiche Analysen der Fertigungsschritte und Vorgehensweisen bei unseren Kunden durchgeführt. In der Konsequenz wollten wir die Verdrahtung auf Basis eines Schaltplans, die hohes Fachwissen und Erfahrung in der praktischen Umsetzung erfordert, durch eine einfache Softwarelösung ersetzen. Ziel war es: Die Software visualisiert das Wissen um die korrekte Verdrahtung, erleichtert die Verdrahtung und stellt die Qualität der Umsetzung sicher. Das Ergebnis ist Eplan Smart Wiring.

Welche Voraussetzungen muss ein Schaltanlagenbauer erfüllen, um Eplan Smart Wiring in seine Softwareumgebung einbinden zu können, und wie lange braucht er, um sich in die Software einzuarbeiten?

Zunächst ist ein Methodenwechsel notwendig: weg vom Schaltplan hin zur Verdrahtungsliste. Dieser Change-Prozess im Engineering lohnt sich, da er nachhaltig die Kosten in der Fertigung senkt. Idealerweise setzt ein Anwender Eplan Pro Panel ein, aber auch ohne diese 3D-Software kann er Smart Wiring nutzen. Was die Einarbeitungszeit angeht, so ist diese minimal: Unser System ist so einfach, dass ein Anwender innerhalb eines halben Tages vollumfänglich damit arbeiten kann.

Welche Bereiche der Verdrahtung umfasst Eplan Smart Wiring?

Zunächst gehen wir von einem typischen 80:20 Verhältnis aus. 80 % der Verdrahtung in einem Schrank werden elektrotechnisch geplant und für die Umsetzung aufbereitet, 20 % werden in der Praxis durch erfahrene Mitarbeiter anhand der Schaltplaninformationen sach- und fachgerecht umgesetzt. Ein typisches Beispiel der 20 % ist das Erdungskonzept, das in der Regel nicht im Schaltplan projektiert wird.

Können Sie abschätzen, wie viel Zeit der Schaltanlagenbauer mit Ihrer Software einspart?

Eine exakte Angabe fällt hier schwer, aber wir sehen Potenziale in unterschiedlichen Stufen des Prozesses. Der Wechsel der Verdrahtung auf Basis des Schaltplans hin zur Verdrahtungsliste bringt circa 30 bis 40 % Effizienzsteigerung in der Verdrahtung. Weitere Potenziale liegen in der gezielten Bereitstellung und Visualisierung für den Verdrahter, und der Möglichkeit, weniger qualifiziertes Personal einzusetzen.

In welche Richtung bietet sich Optimierungspotenzial bei der Software an?

Mit der Software beschreiten wir ein ganz neues Themenfeld, indem wir den Shop Floor (bisher Top Floor) unterstützen. Hier gibt es nicht nur in der Verdrahtung, sondern zum Beispiel bei der Konfektionierung und der Endmontage Potenziale, die es softwareunterstützt zu heben gilt. Wir sehen dies als Anfang, sind aber sicher, dass sich insgesamt in der Fertigung noch weitere Potenziale ergeben.

Zu den bereitgestellten Daten zählen unter anderem Quelle- und Zielbeschreibung, Querschnitt, Farbe, Anschlusspunktbezeichnung, Aderendbehandlung und Verlegewege. Die digitale Darstellung referenziert dabei auf das 3D-Layout des virtuellen Modells. Aber auch ohne ein 3D-Layout lässt sich die neue Applikation produktivitätssteigernd einsetzen. So können zum Beispiel Excel-Listen mit allen erforderlichen Verbindungsinformationen eingelesen werden. Zwar entfällt dann die Visualisierung der Verlegewege und Montageschritte, die Abarbeitung der einzelnen Arbeitsschritte und der Vergleich verschiedener Verbindungslisten bei Änderungen bleiben jedoch bestehen. „Der Anwender hat zu jedem Zeitpunkt klare Informationen darüber, wie weit die Verdrahtung fortgeschritten ist und welche Änderungen er gegebenenfalls noch durchführen muss“, so Pesch.

Systemgeführte Anwendung

Ein einfach gestaltetes Menü beschreibt jeden einzelnen Handgriff, jede einzelne Verbindung. Das 3D-Layout ergänzt die Informationen über die Verbindungen um die Visualisierung der Betriebsmittel inklusive Anschlusspunkte. Auch die geplanten Verlegewege der Drähte im Schaltschrank werden dargestellt. Somit ist jeder Arbeitsschritt einfach nachvollziehbar. Sobald eine Verbindung korrekt verdrahtet ist, wird sie nach dem Ampelprinzip auf Grün gesetzt. Gerade bei einem Schichtwechsel ist dies eine erhebliche Ablauferleichterung, denn der nachfolgende Kollege kann exakt dort weitermachen, wo sein Vorgänger aufgehört hat.

Auch bei Last-minute-Änderungen spielt die Software ihre Stärken aus. Änderungen werden einfach in Eplan Pro Panel erfasst und aktualisiert – über Eplan Smart Wiring lassen sich die Projektzustände gegeneinander abgleichen und die Software dokumentiert alle Änderungen „Das spart viel Zeit im Vergleich zum manuellen Prozess, und es passieren deutlich weniger Fehler“, erklärt Pesch den weiteren Nutzen der neuen Applikation. Die Software zeigt alle obsoleten, alle bereits verdrahteten, jedoch zu entfernenden wie auch zusätzliche Verbindungen an. Vorbei ist die Zeit des Suchens und Überlegens, wie sich eine Änderung im gesamten Verdrahtungs- und Fertigungsprozess auswirkt.

* Birgit Hagelschuer ist verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Eplan Software & Service in 40789 Monheim am Rhein

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