Wenn schon fast die Adventszeit beginnt, trifft sich die internationale Automatisierungsbranche Ende November in Nürnberg zur „SPS – Smart Production Solutions“. Was die führende Fachmesse für industrielle Automation bietet, wurde vorab auf der Pressekonferenz bekannt gegeben.
Die Verantwortlichen der SPS sind wie gewohnt zuversichtlich, was den Erfolg der Messe angeht: Steffen Winkler (CSO Business Unit Automation, Bosch Rexroth AG und Vorsitz des Ausstellerbeirats der SPS), Sylke Schulz-Metzner (Vice President SPS Mesago Messe Frankfurt), Martin Roschkowski (Geschäftsführung Mesago Messe Frankfurt) (v.l.)
(Bild: Stefanie Michel)
Der Sommer ist vorbei und für alle, die etwas mit Fabrikautomatisierung zu tun haben, steht schon fast die Fachmesse SPS „vor der Tür“. Es sind zwar noch zwei Monate hin, aber sowohl Aussteller als auch der Messeveranstalter, Mesage Messe Frankfurt, fiebern auf das Highlight der Automatisierungsbranche hin. Mit bisher 1.175 Aussteller erwartet die Messe ebenso viele Aussteller wie im vergangenen Jahr, allerdings aus noch mehr Ländern. Die internationalen Aussteller machen inzwischen 45 Prozent aus und stammen aus 40 Ländern – v.a. aus China, dann Italien und Schweiz, Österreich und Taiwan.
In den 15 belegten Messehallen (alle außer Halle 8) erhalten die Besucher einen umfassenden Einblick in die gesamte Bandbreite der industriellen Automation – von Sensorik und Antriebstechnik über industrielle Kommunikation und Software bis hin zu intelligenten Automatisierungslösungen für die digitale Fabrik.
„Die SPS ist seit vielen Jahren der Ort, an dem technologische Entwicklungen sichtbar werden, bevor sie sich flächendeckend in der Industrie etablieren. Die Messe zeigt nicht nur Trends auf, sondern macht sie direkt erlebbar und ermöglicht den Austausch zwischen Anbietern, Anwendern und Innovationspartnern“, erklärt Sylke Schulz-Metzner, Vice President SPS Mesago Messe Frankfurt.
Automatisierung wieder auf Wachstumskurs
Der Ausblick auf die wirtschaftlichen Zahlen der Automatisierungsbranche fiel Steffen Winkler, CSO Business Unit Automation, Bosch Rexroth AG und Vorsitzender des Ausstellerbeirats der SPS, leicht: Nachdem man 2024 – das schwärzeste Jahr der Automatisierung – hinter sich gelassen hat, steigt der Umsatz nun wieder. Und zwar deutlich: Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Umsätze 6,4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.
Doch der Markt ändert sich: Er wächst nicht in Deutschland und auch nicht im Maschinen- und Anlagenbau. Doch die EU bleibt weiterhin der Hauptmarkt für die deutschen Automatisierer. Allerdings drängen auf den Heimatmarkt zunehmend ausländische Firmen, sodass Deutschland mehr und mehr auch zum Importland wird. Währenddessen folgen die Automatisierer neuen Branchen, um weiter zu wachsen: neben der Halbleiterproduktion und dem Defense-Sektor (für die, die dort schon etabliert sind), kommen zusätzlich die Energieinfrastrutur sowie der Bau von Datacenter hinzu.
Insgesamt bleiben Digitalsierung, Elektrifizierung und Automatisierung die Wachstumstreiber – nur eben zusätzlich in weiteren Bereichen. Noch sind die deutschen Unternehmen aus der Automatisierung weltweit führend und somit das Geschäftsklima sehr positiv. Doch angesichts der asiatischen Konkurrenz fragt auch Winkler, wie lange das noch sein wird.
Treffpunkt der internationalen Automatisierungsbranche
Das Branchenevent bringt die internationale SPS-Community zusammen und soll Orientierung in Zeiten technologischer Veränderungen bieten.
„Die Automatisierung entwickelt sich derzeit rasant weiter: KI, softwarebasierte Lösungen und offene Systeme verändern die Industrie nachhaltig. Für Unternehmen stellt sich die Frage, welche Technologien industrietauglich sind und welchen messbaren Nutzen sie bringen. Als Leitmesse der Automatisierungsbranche bietet die SPS die ideale Plattform, um aktuelle Innovationen kennenzulernen und sich mit den wichtigsten Akteuren der Branche zu vernetzen“, so Steffen Winkler, CSO Business Unit Automation, Bosch Rexroth AG und Vorsitz des Ausstellerbeirats der SPS.
Die Veranstalter erwarten in etwa die gleiche Besucherzahl wie im vergangenen Jahr. Das sind zwar weniger als vor der Corona-Pandemie, aber die Qualität der Besucher sei höher.
Industrial AI als Treiber der industriellen Transformation
Besucher finden auf der SPS 2026 acht Themenschwerpunkte:
Industrial AI und KI-gestützte Produktionsprozesse,
Smart Manufacturing und digitalisierte Wertschöpfungsketten,
Industrielle Kommunikation & Connectivity,
Sensorik, Steuerungs- und Antriebstechnik,
Industrial Security & Cybersecurity,
Digitale Zwillinge und datenbasierte Produktion,
Software & IT in der Fertigung,
Nachhaltige und effiziente Automatisierungslösungen.
Ein zentrales Leitthema ist die fortschreitende Integration von künstlicher Intelligenz in industrielle Prozesse. AI-Anwendungen entwickeln sich zunehmend von einzelnen Pilotprojekten zu produktiven Bestandteilen moderner Automatisierungslösungen. Ob im Engineering, bei der Analyse von Produktionsdaten, in der Qualitätssicherung oder zur Optimierung von Maschinen und Anlagen – Industrial AI eröffnet neue Möglichkeiten für Effizienz, Flexibilität und Resilienz in der Produktion.
Die SPS greift diese Entwicklungen auf und Aussteller zeigen anhand konkreter Anwendungen, wie Unternehmen den Mehrwert künstlicher Intelligenz bereits heute nutzen können. Das bekräftigt Winkler: „Dieses Jahr wird es auf der SPS bei vielen Ausstellern echte Anwendungen zu sehen geben. Aus dem Buzz-Wording sind wir raus!“
Software Defined Industry als Basis flexibler Produktionssysteme
Mit dem zunehmenden Einfluss von Software auf industrielle Wertschöpfungsprozesse gewinnt auch das Konzept einer Software Defined Industry an Bedeutung. An die Stelle hardwarezentrierter Strukturen mit determinierten Prozessen rücken zunehmend agile softwarebasierte Architekturen. Produktionssysteme werden dadurch anpassungsfähiger, vernetzter und schneller skalierbar.
„Die Zukunft der Produktivität wird daten- und softwaregetrieben sein“, sagt Gunther Koschnick, ZVEI-Bereichsleiter Industrie. „Industrielle KI kann künftig ganze Wertschöpfungsketten analysieren und mitsteuern. Die langfristige Vision: Maschinen finden selbst den effizientesten Weg zu einem konkreten Produktionsziel.“
Stand: 08.12.2025
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Wie die Umsetzung der Software Defined Industry konkret funktioniert, zeigt die Smart-Factory-KL in der Software Defined Industry Area in Halle 6. Im Mittelpunkt steht die Modellfabrik: Mit Industriepartnern erprobte Lösungen und der Weg dorthin können anhand eines Produktionsprozesses auf der Messe erlebt werden. Verschiedene Formate laden außerdem zum Entdecken und Verstehen ein, wie zum Beispiel tägliche geführte Touren. Unternehmen zeigen konkrete Lösungen zum Thema an ihren jeweiligen Messeständen.
„Für uns in der Smart Factory bedeutet Software Defined Industry nicht, bestehende Maschinen einfach mit mehr Software auszustatten, sondern IT und OT zu einem durchgängigen System zu verbinden. So entstehen Produktionssysteme, die flexibler und schneller an neue Anforderungen angepasst werden können“, so Marco Wanner, Head of IT/OT Solutions, Xitaso und Vorstandsmitglied der Smart-Factory-KL.
Darüber hinaus organisiert die 5G Alliance for Connected Industries and Automation (5G-ACIA) täglich eine Guided Tour zu führenden Mitgliedsunternehmen wie Siemens, Phoenix Contact, Fraunhofer und Ericsson. Besucher erhalten dabei praxisnahe Einblicke in reale Anwendungsfälle und moderne Kommunikationslösungen. Ergänzt wird das Angebot durch die 5G-ACIA DemoWall mit technischen Lösungsansätzen und Einsatzszenarien aus der industriellen Praxis.
Vier Stages für Wissenstransfer und Diskussion
Neben den Ausstellerpräsentationen bietet die SPS auch 2026 ein umfangreiches Vortragsprogramm. Auf insgesamt vier Stages in den Messehallen, darunter die Technology Stage powered by VDMA/ZVEI in Halle 3, diskutieren Branchenexperten aktuelle Entwicklungen, technologische Trends und konkrete Anwendungsbeispiele aus der industriellen Praxis. Industrial AI, Cybersecurity, industrielle Kommunikation, digitale Transformation und nachhaltige Produktionskonzepte gehören dabei zu den Themen, die die Branche aktuell bewegen.
Direkt angrenzende Networking-Zonen ermöglichen den persönlichen Austausch zwischen Besuchern, Referenten und Technologieanbietern und schaffen zusätzlichen Raum für fachliche Diskussionen.
Erweitertes Angebot für junge Anbieter und Besucher
Neben bewährten Gemeinschaftsstände wie „Automation meets IT“ in Halle 6 gibt es weitere Gemeinschaftsstände:
die internationale Start-up Area: für internationale Start-ups mit Lösungen für die Automatisierung von morgen,
„young Innovators“: vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderter Gemeinschaftsstand für junge Unternehmen aus Deutschland.
Zusammen schaffen sie eine Plattform für neue Geschäftsideen, technologische Impulse und den Austausch zwischen etablierten Marktteilnehmern und jungen Unternehmen.
Mit Formaten wie dem SPS Makeathon, unterstützt von ITQ, New Automation, der Nürnberg Messe sowie engagierten Ausstellern, richtet sich die SPS auch 2026 gezielt an Nachwuchskräfte. Ergänzt wird das Angebot durch weitere Aktivitäten für Young Talents. Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende sowie Berufseinsteiger erhalten die Möglichkeit, moderne Automatisierungstechnologien kennenzulernen, praktische Erfahrungen zu sammeln und frühzeitig Kontakte in die Branche zu knüpfen.