Industrial Energy Summit 2026 Teurer Strom muss kein Schicksal sein

Von Stefanie Michel 4 min Lesedauer

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Warten auf billigen Strom? Das kann dauern, wenn der Netzanschluss fehlt und die Politik nicht handelt. Maschinenbauer, Automatisierer und Autozulieferer haben mehr Hebel, als sie denken. Der Industrial Energy Summit am 8. Dezember in Würzburg zeigt, wo sie liegen.

Energieversorgung, -verteilung und -beschaffung werden die produzierenden Industriebetriebe auch in den nächsten Jahren beschäftigen. Denn Energie wird gerade in Deutschland zum Standortfaktor.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Energieversorgung, -verteilung und -beschaffung werden die produzierenden Industriebetriebe auch in den nächsten Jahren beschäftigen. Denn Energie wird gerade in Deutschland zum Standortfaktor.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Für Maschinenbauer, Automatisierungsspezialisten und Zulieferer der Automobilindustrie ist Strom längst kein Posten mehr, den man mit der jährlichen Vertragsverlängerung abhakt. Laut BDEW zahlen kleine und mittlere Industriebetriebe 2026 im Schnitt rund 17 Cent pro Kilowattstunde. Das ist deutlich mehr, als Wettbewerber in vielen anderen Ländern zahlen. Der neue Industriestrompreis entlastet nur besonders stromintensive Branchen und auch diese nur für einen Teil ihres Verbrauchs. Die meisten Fertigungsbetriebe gehen leer aus. Gleichzeitig wächst der Strombedarf. Neue Produktionslinien, Ladeinfrastruktur und elektrifizierte Prozesse treiben die benötigte Leistung nach oben. Netzanschlüsse sind aber teuer, und man wartet lange auf sie.

Wer auf sinkende Preise wartet, verliert Zeit. Doch es gibt Hebel im eigenen Betrieb, die man ziehen kann: im Einkauf, in der Eigenerzeugung, im Lastmanagement und in der Effizienz der elektrischen Infrastruktur. Genau hier setzt der Industrial Energy Summit an. Die Medienmarken MM MaschinenMarkt, elektrotechnik und Automobil Industrie veranstalten ihn am 8. Dezember 2026 im Vogel Convention Center in Würzburg.

Werden Sie selbst aktiv – in Workshops

Am Nachmittag wird es konkret. Ein Workshop zeigt, wie der eigene Betrieb zum dritten Standbein der Energieversorgung wird. Dafür gibt es zwei Wege: Power Purchase Agreements über das Netz oder per Direktleitung sowie Power-to-Heat mit thermischen Speichern. Damit werden Preisschwankungen am Strommarkt zu günstiger Prozesswärme. In Kleingruppen erarbeiten Geschäftsführer, Werksleiter, Energiemanager und Einkäufer, welche Werkzeuge zum eigenen Betrieb passen. Für Ingenieure bietet Comsol ein Hands-on an. Dort entsteht Schritt für Schritt das Simulationsmodell einer stromdurchflossenen Sammelschiene.

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Warum Energie hierzulande so teuer ist

Zum Auftakt geht Dr. Tim Meyer in seiner Keynote der Frage nach, warum Energie in Deutschland teurer ist als andernorts und wie sich die Preise senken lassen. Er ordnet ein, ob die Industrie nur mit neuen Wettbewerbern ringt. Oder erleben wir eine tiefgreifendere Veränderung von industriellen Logiken und Absatzmärkten, eine „elektrotechnische Revolution“? Seine These: Mehr Tempo bei der Energiewende und eine modernisierte Energieinfrastruktur helfen auch der Industrie. Joachim Seidl von Siemens zeigt im Anschluss, warum Erzeuger und Verbraucher längst Gleichstrom sprechen. Prof. Dr. Christof Wittwer vom Fraunhofer ISE spannt schließlich den Bogen zur klimaneutralen Industrie. Er stellt Forschungsprojekte vor, in denen Industriebetriebe mit Batteriespeichern, PV-Anlagen vor Ort und intelligentem Flexibilitätsmanagement ins Stromnetz eingebunden werden.

Viele Unternehmen unterschätzen, wie stark der Einkauf die Kosten beeinflusst. Deshalb erklärt Stefan Hammer von Scholt Energy, wie strukturierte Beschaffung funktioniert. Unternehmen sichern Teilmengen ab, kaufen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein und kombinieren Spot- und Terminmarkt. So begrenzen sie Risiken und nutzen Chancen, auch wenn der Markt stark schwankt. Am Nachmittag vertieft ein Workshop von e.optimum und Michel Energiekonzepte das Thema anhand konkreter Beispiele.

Selbst erzeugen, speichern, Spitzen kappen

Viele Unternehmen setzen auf die Erzeugung eigenen Stroms, der sich inzwischen auch deutlich günstiger als noch vor einigen Jahren speichern lässt. Patrick Olma von Olmatic zeigt herstellerneutral, wann sich Photovoltaik, Speicher und weitere Erzeugungsanlagen rechnen. Wer selbst erzeugt, verändert nämlich sein gesamtes Bezugsprofil. Das wirkt sich auf Beschaffung, Lastspitzen und Netzentgelte aus.

Arne Weinig von Tauber-Solar macht deutlich, dass ein größerer Netzanschluss nicht immer die beste Antwort auf steigenden Leistungsbedarf ist. Oft wird die vorhandene Anschlussleistung nur in wenigen Stunden pro Jahr ausgeschöpft. Ein Batteriespeicher kann diese Spitzen kappen und zusätzlich Geld über Netzdienstleistungen einbringen. Anhand eines Praxisprojekts zeigt Weinig, wie man den Speicher aus dem Lastgang dimensioniert und wo die Grenzen liegen.

Verluste senken, Gleichstrom nutzen

Neben Strom erzeugen oder günstig einkaufen ist seine effiziente Nutzung ein weiterer wichtiger Hebel. Arndt Freytag von Socomec beschreibt, wie aus regulatorischen Pflichten wirtschaftlicher Nutzen wird: Wer Energieflüsse misst und versteht, kann Verbrauch und Kosten gezielt senken. Batteriespeicher und Energiemanagementsysteme erweitern dabei die Möglichkeiten. Ein Vortrag von Livarsa beschäftigt sich damit, wie man elektrische Verlustleistung reduziert.

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Wie viel Potenzial in der Gleichstromtechnik steckt, erläutert schließlich Dr. Hartwig Stammberger, Vorstandssprecher der Open Direct Current Alliance (ODCA) und Manager Strategic Association Direct Current bei Eaton. In heutigen Fabriken wird Strom ständig zwischen Wechsel- und Gleichstrom umgewandelt. DC-Microgrids vermeiden das. Stammberger berichtet von Umsetzungen in der Industrie und nennt konkrete Einsparungen bei Material, Energie und Kosten.

Doch Energieeffizienz beginnt nicht erst im Betrieb sondern schon in der Entwicklung, was Dr. Phillip Oberdorfer von Consol zeigt. Mit Multiphysik-Simulation lassen sich Verluste und thermische Belastungen von Energietechnik vorhersagen, bevor es einen Prototyp gibt.

Teure Energie ist jedoch nicht nur eine Last, die Unternehmen in Schockstarre versetzt. Die Industrieunternehmen sind kreativ und gleichzeitig eröffnen sich durch die Energiewende neue Geschäftsfelder, zum Beispiel durch den Boom der Rechenzentren. Dr. Christian Maryska von Rittal stellt ein Hyperscaler-Projekt, bei dem digitale Engineering-Tools helfen, früh in Projekte einzusteigen und neue Kunden zu gewinnen.

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